„Zulässig“ statt „Zirkus“ Beflaggung am Gymnasium Papenburg löst Diskussion aus

Von Gerd Schade

Alles senkrecht: Während des Besuches von Schülern aus Hégenheim hatte das Gymnasium die deutsche und die französische Flagge in Bannerform gehisst. Foto: Günter WriedtAlles senkrecht: Während des Besuches von Schülern aus Hégenheim hatte das Gymnasium die deutsche und die französische Flagge in Bannerform gehisst. Foto: Günter Wriedt

Papenburg. Senk- statt waagerecht: Die hochformatige Beflaggung am Gymnasium Papenburg ist einem Leser sauer aufgestoßen. Er spricht von „Chaos“ und „Zirkus“. Tatsächlich ist aber Beflaggung auch in Bannerform zulässig.

Das ist nicht nur im „Protokoll Inland der Bundesregierung“ nachzulesen, sondern wird auch von Schulleiter Theo Hockmann und der emsländischen Kreisverwaltung als Schulträger so gesehen.

Darum geht es: Während des Besuches einer Schülergruppe aus dem französischen Hégenheim hatte das Gymnasium sowohl die deutsche als auch die französische Flagge gehisst – und zwar jeweils in Bannerform. „Unsere Flaggenanlage ist seit Jahren auf hochformatige Flaggen ausgerichtet, sodass es für gar keine andere Möglichkeit gibt, als hochformatig zu flaggen“, erklärt Hockmann auf Anfrage unserer Redaktion. Im Sinne der hochformatigen Beflaggung sei richtig geflaggt worden, bestätigt der Schulleiter.

Banner- statt Hissflagge

Ein Blick in das Inlandsprotokoll des Bundesinnenministeriums gibt Hockmann recht. Demnach handelt es sich bei der hochformatigen Beflaggung um eine Banner- statt einer Hissflagge. Bei einer Bannerflagge „ist das Flaggentuch unmittelbar fest mit einem Querstab verbunden, von dem es senkrecht herabhängt. Dieser Querstab hängt an einem Flaggenmast oder einem Flaggenstock.“ Die Bannerflagge ist zudem deutlich höher als breit.

Verweis auf Verfassung

Leser Rolf Kleckers aus Aschendorf spricht indes von einer „Chaos-Beflaggung am Gymnasium Papenburg, wo an einem Flaggengalgen so etwas wie unsere Nationalflagge mit senkrechten Streifen in einem abenteuerlichen Längen-Breitenverhältnis abgebildet war“. Er schäme sich und verweist auf Artikel 22 der Verfassung, in dem die Väter des Grundgesetzes festgelegt hätten, dass „unsere Nationalflagge eine Trikolore mit drei gleich breiten waagerechten Streifen in den Farben Schwarz-Rot-Gold ist. Das Längen-Breitenverhältnis ist 5:3.“

„Wie es uns gefällt„

Wie Kleckers weiter ausführt, ist das nach seiner Auffassung nicht beliebig. „Das darf nicht verändert werden. Und an einem Ort wie dem staatlichen Gymnasium schon gar nicht.“

Besonders beschämend findet es der Aschendorfer, „dass dieses Bekenntnis der Beliebigkeit am höchsten Mast allen gezeigt wird. Es sagt: Seht her, uns kümmert Inhalt und Text unserer Verfassung nicht, wir machen das so, wie es uns gefällt.“ Er hoffe sehr, dass Verantwortliche beim Landkreis Emsland als Schulträger und in der Schulleitung „noch einmal nachdenken und diesen üblen Flaggenzirkus beenden“.

Bundesrechtliche Anordnung

Die Kreisverwaltung verweist auf Anfrage unserer Redaktion darauf, dass die Schule als öffentliche Einrichtung nach dem Beflaggungserlass der Bundesregierung beziehungsweise der Beflaggungsanordnung des Landes Niedersachsen flagge. Laut Landkreis geben Bund und Land die allgemeinen Beflaggungstage vor.

„Über diese Beflaggungstage hinaus wird nur aus besonderen Anlässen beflaggt“, erklärte eine Kreissprecherin weiter. Anlass für das Beflaggen sei in diesem konkreten Fall der Besuch einer Delegation aus der französischen Partnerschule in Hégenheim gewesen. „Das hier erfolgte Hissen der Bundesflagge in Bannerform ist zulässig und folgt der bundesrechtlichen Anordnung über die deutschen Flaggen von 1996, zuletzt geändert 2005“, so die Sprecherin.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN