Negativ-Auszeichnung und Ausschussthema Warum über Steingärten in Papenburg jetzt heiß diskutiert wird

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Papenburg. In der Stadt Papenburg ist die Debatte um Steingärten, also große (teil-)versiegelte Flächen in Vorgärten, neu entfacht. Grund ist eine „Auszeichnung“ einer Seite im sozialen Netzwerk Facebook. Die Kommunalpolitik wird das Thema am 30. August im Bau- und Umweltausschuss diskutieren.

Hinter der Facebookseite „Gärten des Grauens“ (kurz GdG) steht der Biologe und Ornithologe (Vogelkundler) Dieter Wieland. Der Berliner möchte mit der Seite nach eigenen Angaben den Versuch starten, mit „Mitteln des Humors und der Satire die fragwürdige deutsche Gartenkultur gesellschaftlich unmöglich zu machen“. Die deutsche Kultur sei, was das Umfeld der eigenen Wohnumgebung betrifft, geprägt von „saubereren, ordentlichen und aufgeräumten Gärten, in der die Natur ein lästiger Störenfried“ sei.

„Die Idee kam mir, nachdem mir in vielen Gartengruppen sozialer Medien immer wieder diese Schottergärten unterkamen, die zu meinem Entsetzen von anderen Nutzern immer wieder positiv bewertet wurden“, berichtet Wieland im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch naturfeindliche Kunstrasenflächen oder sterile „Krüppelkoniferen“ seien Beispiele, wie man es seiner Ansicht nach nicht macht.

Bereits fast 19.000 Beispiele veröffentlicht

Im April 2017 hat der Biologe daher die Seite eröffnet und dazu aufgerufen, ihm Fotos „pittoresker Garten-Ungeheuerlichkeiten“ zu senden. Seitdem wurden bereits fast 19.000 Bilder veröffentlicht, täglich werden ihm bis zu 20 Bilder zugeschickt, wie Weiland verrät. Die Beiträge hätten seinen Angaben zufolge eine Reichweite von teilweise mehr als 150.000 Facebook-Nutzern. Seit April 2018 verleiht Wieland auf Grundlage der zugesendeten Bilder den selbst kreierten „Terror-Gardening-Award“. „Die Auswahl erfolgt vollkommen willkürlich und hängt einzig von der Zahl der Fotos ab, die uns zu einer Kommune zur Verfügung stehen. Je mehr, desto höher die ,Gewinnchancen‘“, erklärt der Seitenbetreiber. Einer jener „Gewinner“ ist nun die Stadt Papenburg, die zu Wochenbeginn den virtuellen „Award“ für den Monat August verliehen bekommen hat.

Die Wahl hat in Papenburg die Debatte um Steingärten neu entfacht. In mehreren Papenburger Facebookgruppen ist in den vergangenen Tagen eifrig über das Für und Wider dieser Gartengestaltung diskutiert worden. Bereits Ende Februar war im Bau- und Umweltausschuss der Stadt Papenburg über naturnahe Gärten gesprochen worden. Zu der Zeit gab es im Rathaus auch eine Ausstellung mit dem Titel „Naturnaher Garten“. Konzipiert und zusammengestellt hatte sie der Naturschutzarbeitskreis Unterems. In der Diskussion hatte das Grünen-Ausschussmitglied Knut Glöckner (Grüne) beklagt, dass es eine „gewisse Hoffnungslosigkeit, was Einsicht der Menschen zum Umweltschutz betrifft“ gebe. Viele seien zu bequem zur Gartenpflege und setzten beispielsweise auf Steingärten. Im Juni hatte die UWG-Fraktion einen Antrag an den Stadtrat gestellt, das Bauamt möge nach Möglichkeiten suchen und Lösungsansätze vorschlagen, um gegen „Steinwüsten“ im Stadtgebiet vorzugehen.

Stadt will sich vor Ausschusssitzung nicht äußern

Der Antrag war vom Stadtrat am 21. Juni an den Bau- und Umweltausschuss verwiesen worden, wie Karin Evering, Sprecherin der Stadt Papenburg, auf Anfrage mitteilte. „Er wird in der Sitzung am 30. August diskutiert“, kündigte sie an. Vorher wolle sich die Stadt nicht zu dem Thema äußern. „Der Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, Heinz Walker, will das Thema zunächst auf politischer Ebene besprechen, um dann verwaltungsseitig einen Vorschlag zu erarbeiten, wie zukünftig mit dieser Thematik umgegangen werde“, so Evering.

Die Gemeinde Wietmarschen (Grafschaft Bentheim) hat im Juni in einem Neubaugebiet das Anlegen von Kiesbeeten erschwert, indem diese Beete zur Versiegelungsfläche des Grundstücks gezählt werden. In dem Gebiet dürfen maximal 60 Prozent des Grundstücks versiegelt werden. Kiesbeete werden dadurch zwar nicht verhindert, aber, wie Bürgermeister Manfred Wellen gegenüber der Redaktion erklärte: „Wer unbedingt ein derartiges Beet anlegen möchte, muss eventuell an anderer Stelle, wie zum Beispiel bei der Terrasse, die Versiegelungsfläche reduzieren, sodass die Quote insgesamt eingehalten wird.“ Auch in Lingen wird nach Angaben von Bauamtsleiter Dieter Frerich überlegt, über die Bauleitplanung „regulierend einzugreifen“.

Die satirische Facebookseite „Gärten des Grauens“ hat der Stadt Papenburg wegen der vielen Steingärten den symbolischen „Terror-Gardening-Award“ August 2018 verliehen. Quelle: Facebook.com/GaertenDesGrauens, Screenshot: NOZ/Daniel Gonzalez-Tepper

Einen Pro- und einen Contra-Kommentar zum Thema Verordnung gegen Steingärten finden Sie hier.


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