Therapiebegleitung für MS-Kranke Gesundheits-App aus Papenburg zieht Kreis bis nach Japan

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Vor großer Reise: Nach Japan geht es am Samstag für Tim Depping (l.), Lilian Rieke und Andreas Bauer. Unser Foto zeigt das Trio an seinem Stand beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ im Frühjahr in Darmstadt. Foto: Gymnasium PapenburgVor großer Reise: Nach Japan geht es am Samstag für Tim Depping (l.), Lilian Rieke und Andreas Bauer. Unser Foto zeigt das Trio an seinem Stand beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ im Frühjahr in Darmstadt. Foto: Gymnasium Papenburg

Papenburg. Die Erfolgsgeschichte zweier inzwischen ehemaliger Schüler des Gymnasiums Papenburg geht weiter. Lilian Rieke und Tim Depping dürfen die Entwicklung ihrer Smartphone-App zur Therapiebegleitung von Multiple-Sklerose-Erkrankten jetzt auch in Japan vorstellen.

Zusammen mit ihrem ehemaligen Lehrer Andreas Bauer werden sie am kommenden Samstag, 4. August 2018, am Flughafen Frankfurt/Main als Teil einer Delegation des Excellence-Schulnetzwerks MINT-EC in einen Flieger nach Fernost klettern. Am Ziel wird das Trio aus Papenburg die App, mit der es bereits beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ angetreten war, auf dem Wettbewerb Super Science High School Student Fair (SSF) präsentieren. Die Veranstaltung ist vergleichbar mit „Jugend forscht“ und gilt als Japans wichtigster naturwissenschaftlicher Nachwuchswettbewerb.

Mehr als 200 Projekte

Nach der Landung in Osaka geht es für die Delegation weiter nach Kobe. Das ist die Stadt, bei deren Erstligaklub Vissel die Fußballstars Lukas Podolski und Andres Iniesta ihre Karriere ausklingen lassen.

Für die Delegation geht es aber nicht um Fußball, sondern um Wissenschaft. Auf der SSF werden die Gäste aus Deutschland nicht nur andere internationale Delegationen, sondern auch deren mehr als 200 Wissenschaftsprojekte kennenlernen.

„Ein beachtlicher Erfolg“

Andreas Bauer beschreibt den Werdegang des Projektes, das unter seiner Regie im Jahr 2016 begann und in der Folge eine intensive Eigendynamik entwickelt habe, im Gespräch mit unserer Redaktion als einen beachtlichen Erfolg. Mit ihrer Smartphone-App „MSHealth“ hatten die Papenburger nicht nur beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ in Lingen, sondern auch beim Landesentscheid in Clausthal-Zellerfeld gewonnen. Beim Bundeswettbewerb in Darmstadt gingen sie dann zwar leer aus, „das fand ich aber nicht schlimm“, sagt Bauer, der sich am Gymnasium zusammen mit seinem Kollegen Jörn Peters der Begabtenförderung verschrieben hat. Schließlich sei man unter deutschlandweit 12.000 Teilnehmer unter den letzten 180 gewesen.

Fördergeld losgeeist

Der eigentliche Erfolg des Projektes ist nach Auffassung des Pädagogen, dass es mithilfe einer renommierten Neurologin gelungen sei, finanzielle Mittel bei der gemeinnützigen Hertie-Stiftung loszueisen. Ziel ist ein Forschungsauftrag für eine klinische Studie mit 1200 Multiple-Sklerose-Patienten. Multiple Sklerose, kurz MS, ist eine chronisch entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie tritt vor allem bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Die Symptome sind vielfältig, der Verlauf ist oft schubförmig. Weltweit sind rund 2,5 Millionen Menschen an MS erkrankt, davon etwa 200.000 in Deutschland.

Tests und Fragebögen

Die App soll helfen, „die Symptomatik von MS zu tracken, um Veränderungen festzustellen, um darauf mit Medikamenten reagieren zu können“, erklärt Bauer. Anders gesagt: Anhand verschiedener Tests und Fragebögen wird der subjektive Gesundheitszustand des MS-Patienten ermittelt. Dokumentiert werden soll das Ganze im Erfolgsfall von der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft.

Bauers ehemalige Schützlinge haben das Gymnasium nach dem Abitur im Sommer verlassen. Lilian Rieke hat sich nach seinen Worten zunächst für eine Ausbildung als Grafikerin entschieden, Tim Depping strebe ein Studium in Informatik oder medizinischer Informatik an.

Tempelanlagen und Teezeremonie

Während ihres Aufenthaltes bis zum 13. August haben die Jugendlichen und ihre Lehrkräfte Gelegenheit, die japanische Geschichte und Kultur kennenzulernen – unter anderem in Kyoto bei Besichtigung historischer Tempelanlagen sowie dem Besuch einer traditionellen Teezeremonie.

Die Teilnahme an der jährlich stattfindenden Veranstaltung erfolgt nach Angaben des MINT-EC zum siebten Mal auf Einladung des japanischen Erziehungsministeriums. Die Reise wird durch das Schulnetzwerk organisiert und von der Stiftung Jugend forscht sowie dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall im Rahmen der Initiative „think ING“ gefördert.


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