Unfallzahlen verharren auf hohem Niveau Papenburg bleibt gefährliches Pflaster für Radfahrer

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Papenburg. Die Stadt Papenburg bleibt ein gefährliches Pflaster für Radfahrer: Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Zweiradfahrern verharrt trotz Umbauten von Kreuzungen oder anderer Maßnahmen auf einem hohen Niveau. Probleme gibt es vor allem am „Ovalkreisel“ und bei der Meyer Werft.

Der Leiter der Verkehrsunfallkommission, Klaus Hackmann von der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, hat sich auf Anfrage die aktuellen Unfallzahlen angesehen und neuralgische Punkte benannt. Demnach stieg in Papenburg die Zahl der Unfälle, an denen ein Fahrradfahrer beteiligt war, in den vergangenen drei Jahren stetig an. 2015 ereigneten sich 104 derartige Zusammenstöße, davon zehn mit Beteiligung eines Pedelecs. 2016 waren es 107 Unfälle, davon elf mit Beteiligung eines Pedelec, 2017 waren es dann 120 Unfälle, bei 18 gab es am Zweirad eine elektrische Unterstützung. Im ersten Halbjahr 2018 haben sich bisher 57 Zusammenstöße zwischen einem Pkw und einem Fahrrad oder zwischen zwei Zweirädern ereignet, bei 13 war ein Pedelec beteiligt.

Fehlverhalten an Kreuzungen und beim Abbiegen

Ein Trend, von dem nicht nur Papenburg betroffen ist. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat festgestellt: Während in den vergangenen Jahren insgesamt immer weniger Unfälle mit Verletzten geschahen, gab es bei Unfällen mit Radfahrern eine deutliche Zunahme. Die Folgen seien zumeist sehr schwer, den Radfahrern fehlen die „Knautschzone“ oder Sicherungseinrichtungen wie Airbag oder Rückhaltegurt im Auto. Untersuchungen des GDV haben ergeben, dass in 90 Prozent der Unfälle mit Radfahrern die Kfz-Fahrer als Hauptverursacher gelten, aber auch Fehlverhalten von Radfahrern kann eine Rolle spielen.

Nicht verwunderlich ist zunächst, dass sich in Papenburg die meisten Zusammenstöße an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstücksein- oder ausfahrten ereignet haben, weil sich einer der beiden Unfallbeteiligten beim Ein- oder Abbiegen falsch verhalten hat. Bei 23 von 30 Vorfällen mit Radfahrern in Papenburg, die sich zwischen dem 1. April und 19. Juli 2018 ereigneten, dem Tag der Auswertung, war dies der Fall, wie Hackmann mitteilt.

„Ovalkreisel“ trotz Umbaus

In der Stadt Papenburg gelten 21 Örtlichkeiten als Unfallschwerpunkt. Die Grenzwerte, wann eine Stelle als solcher gilt, sind nicht immer gleich und hängen von verschiedenen Faktoren ab. Innerhalb der Unfallkommission seien an sämtlichen Punkten Maßnahmen beschlossen worden, deren Wirksamkeit nun weiter beobachtet werde, so Hackmann. An zwei Unfallhäufungen, an denen es seit dem 1. April 2018 zu Radverkehrsunfällen gekommen ist, stehen dem Leiter der Verkehrsunfallkommission zufolge Maßnahmen an: An der Zu- und Abfahrt der Meyer Werft „Tor 1“ auf die Rheiderlandstraße (K 158) und am „Ovalkreisel“ Hauptkanal / Russelstraße / Hermann-Lange-Straße.

Hackmann berichtet, dass es in diesem Jahr bereits zwei mal vorgekommen sei, das ein Pkw-Fahrer von der Meyer Werft kommend nach rechts auf die K158 in Richtung Weener abbiegen wollte und dabei den von rechts kommenden Radverkehr, der an dieser Stelle Vorfahrt hat, übersehen hatte. Der Radfahrer wurde jeweils leicht verletzt. Eine Ampel wurde an dieser Stelle bisher nicht angeordnet, weil die Rheiderlandstraße demnächst verlegt werden soll. „Dieser Knotenpunkt steht unter Beobachtung. Im Rahmen der Unfallkommission werden wir die Örtlichkeit demnächst erneut aufsuchen und mögliche Schutzmaßnahmen erörtern beziehungsweise empfehlen“, kündigte der Lingener an. In Frage kommen zum Beispiel Markierungen auf der Fahrbahn oder zusätzliche Warnschilder, die auf die Radfahrer hinweisen.

Trotz des aufwendigen Umbaus im Sommer 2016 ein Problemfall bleibt der „Ovalkreisel“ am Hauptkanal. „Leider blieb das Problem, da auch nach Umgestaltung eine Vielzahl von Radfahrerunfällen zu verzeichnen sind, die sich auch durch häufige Kontrollen sich falsch verhaltender Radfahrer nicht verhindern ließen. Gegenwärtig werden die Verkehrsströme erfasst, um weitergehende Möglichkeiten zu erörtern“, so Hackmann.

Radfahrer sollten Fahrbahn benutzen

Dabei sind aus Sicht des Experten der Polizei Unfälle mit Zweirädern und Pedelecs häufig vermeidbar. Zum einen empfiehlt er Radfahrern, möglichst häufig die Fahrbahn zu nutzen, wo dies erlaubt ist, weil sie dort von Autofahrern besser wahrgenommen werden. „Leider wird die Nutzung der Fahrbahn häufig noch nicht angenommen an den Stellen, an denen dies freigegeben ist“, sagt Hackmann. Fehlt das Verkehrszeichen Radweg (blauer Hintergrund, weißes Fahrrad) oder „Getrennter Radweg“ (blauer Hintergrund, weißes Fahrrad, weißer Fußgänger, senkrechte Linie), darf die Fahrbahn benutzt werden. In Papenburg ist im April 2017 die Benutzungspflicht auf 25 Radwegen aufgehoben worden.

Hackmann verhehlt auch nicht, dass einigen die Infrastruktur nicht sicher genug erscheint, weil zum Beispiel auf der Fahrbahn Schutzstreifen für Radfahrer fehlen „und viele Radfahrer sich auf der Fahrbahn unsicher fühlen“, so Hackmann. Eine Benutzung eines Gehweges mit dem Zusatzzeichen „Für Radfahrer frei“ kann indes nicht weniger gefährlich sein. „Hier müssen Radfahrer nämlich Schrittgeschwindigkeit fahren“, erklärt der Verkehrsexperte.

„Unfallträchtige Verhaltensweisen“ seien zudem die linksseitige Nutzung eines Radweges, insbesondere an Knotenpunkten, Kreisverkehren oder Grundstücksausfahrten. „Das ist gefährlich, weil der Fahrverkehr sich nach links blickend orientiert und den von rechts kommenden Radverkehr übersieht“, so Hackmann.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN