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Rund 400 Besucher in Sternwarte Mondfinsternis in Papenburg erst spät zu sehen

Von Daniel Gonzalez-Tepper

Von Herbert Panzer, Mitglied des Vereins Sternwarte Papenburg, bekamen die Besucher erklärt, wie das riesige Teleskop der Sternwarte funktioniert. Das Runddach des Gebäudes ist in alle Himmelsrichtungen zu öffnen. Foto: Daniel Gonzalez-TepperVon Herbert Panzer, Mitglied des Vereins Sternwarte Papenburg, bekamen die Besucher erklärt, wie das riesige Teleskop der Sternwarte funktioniert. Das Runddach des Gebäudes ist in alle Himmelsrichtungen zu öffnen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Papenburg. Viel Geduld mitbringen mussten Freunde des Mondfinsternis-Guckens am Freitagabend in Papenburg. Das seltene Ereignis war nämlich erst nach 22.15 Uhr zu sehen. Wer so lange an der Sternwarte an der Straße Bethlehem rechts ausgeharrt hatte, wurde mit tollen Bildern belohnt.

Bereits vor 20 Uhr hatte sich am Aufgang zur Sternwarte an dem Gebäude der früheren Glashütte eine lange Schlange gebildet, die bis auf den Parkplatz hinzog. "Mit so einem großen Andrang haben wir niemals gerechnet", sagte Hildegard Pohlabeln, deren Mann Heino der Vorsitzende des Vereins Sternwarte Papenburg ist. Während ihr Mann damit beschäftigt war, am Laptop und Beamer sitzend Vorträge über die Besonderheiten von Planeten zu halten, versuchte seine Gattin, die Besucherströme in Bahnen zu lenken. Am Ende schätzen beide die Zahl der Besucher auf rund 400.


Viel Geduld mitbringen mussten die Besucher der Sternwarte Papenburg am Freitagabend, der Besucherandrang war enorm. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Die Herausforderung dabei: Sowohl das Dach der Sternwarte, auf dem die Besucher in drei Teleskope blicken konnten, als auch die Sternwarte an sich mit ihrem markanten Runddach, das zu allen Himmelsrichtungen geöffnet werden kann, dürfen aus statischen Gründen nur jeweils von etwa 25 Personen betreten werden. Zwangsläufig ergaben sich dadurch lange Wartezeiten, was in der langen Schlange mitunter für Misstimmung sorgte. Aber Hildegard Pohlabeln gab sich größte Mühe, allen gerecht zu werden, bat Besucher nach einiger Zeit weiterzugehen, damit möglichst viele in den Genuss kommen, auf den Mond oder die anderen Planeten zu schauen. Denn auch Jupiter, Saturn oder Mars waren an diesem Abend gut zu sehen.


Insgesamt zehn Helfer hatte der Verein Sternwarte Papenburg am Freitagabend im Einsatz. Mathias Greipl (rechts) war damit beschäftigt, eines der Teleskope (vorne) immer wieder neu einzustellen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Der Mond jedoch ließ, zumindest in Papenburg, zunächst auf sich warten. Und das lag am Wetter. Wer nämlich glaubt, dass warmes Sommerwetter ideale Bedingungen zum Betrachten der Mondfinsternis ist, der irrt, wie Herbert Panzer den Besuchern erklärte. Panzer war einer von insgesamt zehn Helfern des Vereins an diesem Abend und dazu eingeteilt, den Besuchern die Funktionsweise des größten Teleskop der Sternwarte zu erklären. "Warme Luft ist ständig in Bewegung, außerdem ist sie feucht, insbesondere in Moorgegenden wie hier in Papenburg. Um durch die Atmosphäre zu blicken, ist kalte, trockene Winterluft viel besser", berichtete er. Deswegen mussten die Besucher, die früh gekommen waren, auf die beginnende Mondfinsternis, in welcher der Mond ab etwa 21 Uhr in den Schatten der Erde trat, verzichten. Sie war schlichtweg wegen der "flirrenden" Luft über dem tiefen Horizont nicht zu sehen.


Der Vorsitzende des Vereins Sternwarte Papenburg, Heino Pohlabeln (am Laptop) hielt Vorträge über die Besonderheiten der Planeten und des Mondes. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Ab etwa 22.30 Uhr, also zu einem Zeitpunkt, zu welchem der Mond bereits zum "Blutmond" geworden war, gab es dann ideale Bedingungen, weil der Mond höher gestiegen war am Horizont. Das Gedränge an den drei Teleskopen auf dem Dach wurde nun größer. Dort war Vereinsmitglied Mathias Greipl ständig damit beschäftigt, die passende Einstellung zu finden, weil ein kleiner Stupser der Besucher an die empfindlichen Teleskope ausreichte, um sie zu verstellen. 


Gegen 22.15 Uhr verbesserten sich die Sichtbedingungen über Papenburg und der "Blutmond" konnte von der Sternwarte aus beobachtet werden. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Gegen 23 Uhr verließ dann der Mond den Erdschatten wieder langsam, nur ein kleines Wolkenfeld verdeckte kurzzeitig die Sicht von der Sternwarte. Gegen Mitternacht war das Spektakel dann beendet, etwa 100 Besucher hatten es bis zu dieser Stunde an der Sternwarte ausgehalten.


Dieses Bild von der totalen Mondfinsternis über Papenburg hat Sternwarten-Besucher Bastian Hermes durch ein Teleskop fotografiert.


Vereinsvorsitzender Heino Pohlabeln, der es vorgezogen hatte, mit einem guten Fernglas und nicht mit einem Teleskop den Himmel zu beobachten, zog am Ende sein sehr positives Fazit. "Ein toller Abend, vor allem auch deshalb, weil nicht nur der Mond, sondern auch der Jupiter, der Saturn und insbesondere der Mars sehr gut zu sehen war."


Der Mond tritt langsam aus dem Schatten der Erde heraus. Ein weiteres Foto von Sternwarten-Besucher Bastian Hermes.


Deutlich weniger Besucher hatten sich vor dem Arkadenhaus versammelt, wo der Astronomische Verein der Volkssternwarte Papenburg um den Vorsitzenden Wilhelm Kossen gegen 21.30 Uhr drei kleinere Teleskope aufgestellt hatte. "Bis vor zwei Jahren durften wir auf das oberste Deck des Ems-Center-Parkhauses, was uns wegen der Baufälligkeit des Gebäudetraktes vom Eigentümer nun untersagt wird", erklärte der 75-Jährige, der nach eigener Aussage seit 70 Jahren als Hobby-Astronom tätig ist und sich am liebsten mit den Eruptionen auf der Sonne beschäftigt. 

Am Arkadenhaus hatten Mitglieder des Astronomischen Verein der Volkssternwarte Papenburg ihre Teleskope aufgebaut, von links:Ludger Kleinhaus, Vereinsvorsitzender Wilhelm Kossen und Michael Müller. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Kossen wies die Besucher auf die Bedeutung guter Stative für die Teleskope hin, die möglichst aus Holz sein sollten. "Holz nimmt nämlich besser Schwingungen auf", so der Vereinsvorsitzende. Kossen kündigte an, bei der nächsten Mondfinsternis am Januar 2019 die Dachterrasse des Papenburger Kinos nutzen zu wollen. 


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