Vorbereitungen auf LNG-Einsatz Neue Stromleitungen für Schiffe zur Meyer Werft verlegt

Von Christoph Assies


Papenburg. An der Meyer Werft in Papenburg laufen derzeit Arbeiten für die Stromversorgung der Kreuzfahrtschiffe für ihre Liegezeit im Werfthafen. Die Infrastruktur für die Versorgung des weltweit ersten komplett mit Flüssigerdgas (LNG) betriebenen Kreuzfahrtschiffes, „AIDAnova“, mit LNG ist bei der Werft bereits hergestellt.

Wie Werftsprecher Günther Kolbe auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt, sind in den vergangenen Tagen mehrere 11-KV-Stromleitungen vom Festivalgelände unter das Hafenbecken hindurch an den Ausrüstungskai verlegt worden. „Bisher war es so, dass die Schiffe sich am Kai selbst mit Energie versorgt haben, das wird bei den neuen Kreuzfahrtschiffen anders sein“, so Kolbe.

Für die Stromversorgung der Schiffe während der Liegezeit in der Baudockhalle wurde von Stromerzeugeraggregaten am Rande des Festivalgeländes die Energie über Leitungen ins Baudock zum Schiff geleitet. Kolbe: „Weil das riesige Energiemengen sind, die wir aber aufgrund von wechselnder Intensität nicht ins öffentliche Stromnetz leiten können, stehen dort auch Trockenwiderstände, die die Energie im Prinzip wieder vernichten.“

Inbetriebnahme der „AIDAnova“ mit Gas nicht in der Schiffbauhalle

Weil die „AIDAnova“ mit Gas nicht innerhalb der Schiffbauhalle in Betrieb genommen werden dürfe, aber noch einige Tests an der Werft anstünden, werde die erzeugte Energie durch eine Leitung unterhalb des Hafenbeckens zum Schiff am Ausrüstungskai transportiert. „Leerrohre für die Leitung sind bereits unter dem Hafenbecken verlegt, in der kommenden Woche werden die Kabel eingeführt“, so der Werftsprecher weiter.

Unterdessen laufen auch die Vorbereitungen für die Versorgung der derzeit im Bau befindlichen „AIDAnova“ mit Flüssigerdgas (LNG). Das Kreuzfahrtschiff soll nach Angaben von Kolbe gegen Ende August ausgedockt werden.

Werft-Beschäftigte bereiten sich auf Umgang mit LNG vor

LNG ist ein durch Abkühlung auf bis zu minus 164 Grad Celsius verflüssigtes, geruchloses Erdgasgemisch. Beim Verdampfen von LNG zu Erdgas vergrößert sich sein Volumen auf das 600-fache.

In den vergangenen Monaten haben sich bereits mehr als 200 Beschäftigte der Werft mit Schulungen auf den Einsatz von LNG vorbereitet. Die Inbetriebnahme der gasbetriebenen Systeme der „AIDAnova“ für die Kessel- und Maschinenanlagen erfolgt dem Sprecher zufolge nach dem Ausdocken am Ausrüstungskai. „Den Großteil der Erprobungen führen wir in Papenburg nur mit gasförmigem Erdgas durch. In Eemshaven erfolgt dann die Erstbebunkerung mit LNG für die erste Probefahrt mit Gas“, so Kolbe.

Lkw liefern Gas zur Werft

Die erste Versorgung mit Gas in Papenburg geschieht über eine am Ausrüstungskai installierte Anlage. Lkw liefern das Gas auf der Werft an. Es wird bei der Erprobung im Werfthafen nicht in den Tanks des Schiffes gebunkert, sondern über Rohrleitungen von der LNG-Anlage direkt zum Boiler und den Motoren auf der „AIDAnova“ geleitet. „Einige Einstellungen müssen wir hier in Papenburg bereits mit Erdgas durchführen, damit wir in Eemshaven Zeit einsparen“, erklärt Kolbe.

Der Werftsprecher betont, dass LNG nicht nur für das Schiffbauunternehmen, sondern auch für die Reederei und Klassifikationsgesellschaft Neuland sei. „Das erfordert sehr viele Abstimmungen, auch im Vorfeld mit den Häfen, wie in Eemshaven, wo wir die Genehmigung für das Bebunkern eines Schiffes mit LNG gebraucht haben“, so Kolbe.

Neun LNG-Kreuzfahrtschiffe im Auftragsbestand

Die „AIDAnova“ ist das erste Schiff einer Serie von derzeit neun LNG-Kreuzfahrtschiffen, die der AIDA-Mutterkonzern Carnival Corporation bei der Meyer-Werften-Gruppe bestellt hat. Bei Meyer Turku entsteht aktuell die „Costa Smeralda“ für die italienische Marke Costa Crociere. Sie feiert ihre Premiere im Oktober 2019. Im Frühjahr 2020 soll die „Iona“ für die britische Carnival-Marke P&O Cruises abgeliefert werden. Die „AIDAnova“ bekommt zwei baugleiche Schwesterschiffe, die im Frühjahr 2021 und im Frühjahr 2023 von der Meyer Werft übergeben werden.


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