Beschwerden über Lärm Papenburg: Polizei weist Anwohner-Kritik nach Tunertreffen zurück

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Vor den Augen zahlreicher Schaulustiger kreuzten getunte Autos zwischen den beiden Verkehrskreiseln an der Alten Werft. Foto: Gerd LakebergVor den Augen zahlreicher Schaulustiger kreuzten getunte Autos zwischen den beiden Verkehrskreiseln an der Alten Werft. Foto: Gerd Lakeberg

Papenburg. Nach dem Spontantreffen von rund 500 Autotunern vor einer Woche in Papenburg kritisieren Anwohner der Stadtvillen am Turmkanal das Vorgehen der Polizei. Sie werfen den Beamten unter anderem Zögerlichkeit und Untätigkeit vor. Der Papenburger Polizeichef Robert Raaz weist die Anschuldigungen deutlich zurück.

Am vergangenen Freitagabend hatten sich nach Angaben der Beamten etwa 500 Autotuner beim Gelände nahe der Alten Werft versammelt. Zuvor hatte es in sozialen Netzwerken Aufrufe zu einem spontanen Treffen der Szene gegeben. Die Polizei spricht von rund 400 Fahrzeugen und 500 Schaulustigen. Die Beamten sperrten nach eigenen Angaben die Zufahrtstraßen zur Alten Werft sowie die beiden Kreisverkehre beim Dever-Park und Ölmühlenweg ab, weil es „durch die Fahrweise einiger Teilnehmer zu Verkehrsgefährdungen kam“, wie die Polizei mitteilte. Nach der Sperrung hätten sie das Treffen aufgelöst, so die Beamten weiter. Gegen zwei Teilnehmer werde wegen des Fahrens unter Drogeneinfluss ermittelt. Ein Auto sei aufgrund gravierender Mängel stillgelegt worden.

Anwohner fühlen sich nicht ernst genommen

Die Reaktion der Polizei auf das Tunertreffen stößt Anwohnern der Stadtvillen am Turmkanal sauer auf. Gerd Lakeberg, der nach eigenem Bekunden für mehrere Anwohner spricht, kritisiert die Beamten mit deutlichen Worten. „Ich bin ein Freund der Polizei und habe auch Verständnis, weil sie an vielen Stellen gefordert ist. Aber so darf man nicht mit uns umgehen“, sagt Lakeberg im Gespräch mit unserer Redaktion. Er fühlt sich von der Polizei nicht ernst genommen.

Drei Anrufe in 20 Minuten

Wie er weiter berichtet, hat er am vergangenen Freitag zwischen 21.30 und 22 Uhr innerhalb von 20 Minuten dreimal bei den Beamten angerufen, um sich über Lärmbelästigung durch aufheulende Motoren und laute Musik zu beschweren. Die Hilferufe seien nur widerwillig beziehungsweise zögerlich bearbeitet worden. Unter anderem habe man ihm gesagt, die Polizei sei nicht zuständig, sondern das Ordnungsamt der Stadt. Zudem habe man ihn unfreundlich behandelt und er hätte sich abgewimmelt gefühlt, sagt Lakeberg. Diese Erfahrungen hätten auch andere Bewohner gemacht. „Das kann nicht sein.“

Fotos und Videoaufnahmen gemacht

Erst nach 22 Uhr sei lediglich ein einziger Streifenwagen aufgekreuzt, dessen Besatzung im Grunde aber nichts weiter unternommen habe, als das Treffen zu beobachten. „Wenn sie da sind, müssen sie auch etwas tun“. Von einem aktiven Eingreifen beziehungsweise Absperren der Kreisverkehre, zwischen denen mehrere Tuner „so schnell wie es geht und mit quietschenden Reifen“ hin- und hergefahren seien, könne nicht die Rede sein. Das Treffen habe sich vielmehr von selbst aufgelöst. Lakeberg hat Fotos und Videos von dem Treffen gemacht, die unserer Redaktion vorliegen. Sie dokumentieren nach seiner Auffassung die Verkehrsgefährdung. Die Anwohner fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen, so Lakeberg. Nicht nachvollziehen kann er, dass ein Treffen solchen Ausmaßes den Behörden im Vorfeld nicht bekannt gewesen sein soll.

„Auch für die Polizei nicht hinnehmbar“

Der Leiter des Polizeikommissariates (PK) Papenburg, Robert Raaz, bedauert die nächtliche Ruhestörung der Anwohner durch die Tuner. Den Vorwurf der polizeilichen Untätigkeit aber weist er auf Nachfrage unserer Redaktion aber „entschieden“ zurück. Dass es bei dem Tunertreffen „zu verkehrswidrigem Verhalten, einhergehend mit gravierenden Lärmbelästigungen kommt, ist auch für die Polizei Papenburg nicht hinnehmbar“. Leider handele es sich aber um ein typisches Verhalten in weiten Teilen der Tuningszene, dem entschieden entgegengetreten werde, so Raaz.

Acht Streifenwagen im Einsatz

Wie der PK-Leiter weiter berichtet, wurde nach Bekanntwerden des Treffens – „laut Einsatzrechner protokolliert um 21.43 Uhr“ – sei umgehend der erste Funkstreifenwagen entsandt worden. Hinsichtlich der Dimension des Treffens sei ein plötzliches Einschreiten aber nur in sehr begrenztem Umfang möglich. Unverzüglich seien weitere Unterstützungskräfte von benachbarten Dienststellen angefordert worden. Insgesamt seien acht Streifenwagen eingesetzt worden. Zudem sei der städtische Bauhof alarmiert worden, „der sehr wohl mit Material die Absperrmaßnahmen unterstützt hat“, betont Raaz.

Viele aus den Niederlanden und Ostfriesland

Die Tuner kamen nach seinen Worten aus den Niederlanden, dem Emsland, sowie aus den Landkreisen Leer und Aurich. Mit der Dimension sei aber nicht zu rechnen gewesen. Raaz zufolge war der Polizei ein Aufruf zu einem spontanen Treffen um 19 Uhr auf dem Parkplatz des Media-Marktes bekannt. Der Aufruf habe von einer niederländischen Gruppe gestammt, die sich mehrfach auf Parkplätzen in den Niederlanden sowie im Bereich Bunde getroffen habe. „Sowohl Nachfragen bei der niederländischen Polizei als auch bei der für Bunde zuständigen Polizeistation Weener erbrachten die Hinweise, dass bei dieser Gruppe bislang kein verkehrskritisches Verhalten festgestellt wurde. Insofern konnte auf dieser Informationsgrundlage nicht mit so einer Dimension gerechnet werden“, so Raaz. Gleichwohl seien die Einsatzkräfte sensibilisiert gewesen. Zur fraglichen Zeit seien aber keine Tuner-Fahrzeuge in dem Bereich festgestellt worden. Der Stadt Papenburg war das Treffen im Vorfeld nicht bekannt, wie Sprecher Heiko Abbas auf Anfrage erklärte.


Beschwerden über anhaltende, massive Lärmbelästigungen durch Autofreunde in Papenburg sind nicht neu. Bereits vor zwei Jahren hatten sich Anwohner der Stadtvillen am Turmkanal über quietschende Reifen, aufheulende Motoren und wummernde Bässe aus Kofferräumen beklagt.

In der Folge war in Zusammenarbeit mit dem städtischen Ordnungsamt und dem Autotuner-Verein „Crazy Ride Emsland“ am Karsamstag ein Treffen auf dem Gelände vor der Meyer Werft organisiert worden. Dieses „Car-Samstag“-Treffen ging nach Angaben der Polizei friedlich und ohne Beanstandungen über die Bühne. Allerdings gab es am Ostersonntag wieder ein nicht genehmigtes Treffen wieder beim Media-Markt. Hier waren nach Angaben der Polizei diverse vermutlich nicht organisierte Gruppen beteiligt. Viele Autos seien aus den Niederlanden und dem Landkreis Leer gekommen.

Nach Angaben von Stadtsprecher Heiko Abbas gab es inzwischen mehrere angemeldete und gut organisierte Treffen von Freunden der Tuningszene. „Insbesondere die Verknüpfung dieser Treffen mit weiteren Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Stadtfest war für alle Beteiligten ein Mehrwert. Diese Treffen wurden vom Ordnungsamt der Stadt positiv begleitet“, so Abbas.

Im Rathaus laufen nach seinen Worten „sporadisch“ Beschwerden über Autotuner auf. Dem Leiter des Papenburger Polizeikommissariates (PK), Robert Raaz, zufolge gibt es „immer wieder mal“ Beschwerden aus der Bevölkerung. Eine Statistik darüber werde ebenso wenig geführt wie über Verstöße von Tunern.

Gängigste Verstöße sind Raaz zufolge Ruhestörung durch laute Musik, vermeidbarer Lärm durch Fahrweise und illegale Abgasanlagen, Gefährdungen durch sogenannte Burnouts, bei denen ein Auto bei durchdrehenden Reifen auf der Stelle stehen bleibt, „unnötiges“ Hin- und Herfahren, Tempoverstöße sowie unzulässige Fahrzeugumbauten.

Illegale Rennen sind nach den Worten des PK-Leiters indes schwer nachweisbar. „Sie dauern nur kurze Zeit und werden bei Eintreffen der Polizei sofort beendet.“ Durch Sperrung der Kreisel wie beim Media-Markt würden derartige Aktionen zumindest unterbunden, so Raaz.

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