Prozess nach Raubserie Mann leidet an Folgen durch Überfall in Papenburg

Von Horst Troiza

Aufgebrochen wurden diese Spielautomaten in einer Spielhalle in Papenburg am Hauptkanal. Bei dem Überfall im vergangenen Mai waren die Täter von Überwachungskameras gefilmt worden. Foto: Polizei Emsland/ArchivAufgebrochen wurden diese Spielautomaten in einer Spielhalle in Papenburg am Hauptkanal. Bei dem Überfall im vergangenen Mai waren die Täter von Überwachungskameras gefilmt worden. Foto: Polizei Emsland/Archiv

Papenburg/Osnabrück. Im Prozess um die Raubserie im nördlichen Emsland mit insgesamt 766 Straftaten hat am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Osnabrück ein ehemaliger Mitarbeiter einer Spielhalle in Papenburg als Zeuge ausgesagt.

Der Mann berichtete über den Überfall im Mai 2017 und den daraus für ihn entstandenen Folgen. In dem Verfahren sind acht junge Männer aus der Region angeklagt. Die Polizei hatte die Raubserie mithilfe ihrer Ermittlungsgruppe „Jackpot“ aufgeklärt.

Trinkpause im Gerichtssaal

Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts steht die Luft. Annähernd 30 Beteiligte zählt das Verfahren, Richter, Anwälte und ihre Mandanten sowie ein großes Aufgebot an Justizwachtmeistern. Gegen 11 Uhr unterbricht die Vorsitzende der Strafkammer die Verhandlung und verkündet eine Trinkpause, was von allen mit Erleichterung aufgenommen wird. Laut Zeugenplan wird noch weitere fünf Stunden verhandelt werden.

Nach fünf Minuten geht es weiter. Ein 25-jähriger Student wird gehört, der in der Nacht des 25. Mai vergangenen Jahres in einer Spielhalle am Papenburger Hauptkanal jobbte. Mit leiser Stimme berichtet er davon, dass sich seinerzeit schon Stunden vor dem Tatgeschehen eine Gruppe junger Leute vor den Geschäftsräumen aufgehalten habe. „Mal kamen ein, zwei von ihnen rein, spielten an Automaten und gingen dann wieder“.

Mit Schals und Kappen maskiert

Gegen 5 Uhr kamen der Aussage zufolge wieder zwei in die Spielhalle, dieses Mal aber waren sie mit Schals und Kappen maskiert. „Einer hatte eine Brechstange in der Hand, der andere schubste mich und forderte die Schlüssel der Spielautomaten“, schildert der Zeuge. Er war in einen kleinen Lagerraum unter der Treppe gedrängt worden, von wo aus er hören konnte, wie sich die Täter an den Geräten zu schaffen machten. „Ich konnte klirren von Glas hören und Metall auf Metall“.

Wie sich später herausstellte, schlugen die Täter viele der Geräte kurz und klein, um an die darin befindlichen Münzen kommen zu können. Allein der Schaden an den beschädigten Automaten belief sich auf 30.000 Euro, rund 13.000 Euro betrug der Wert der Beute.

Von Albträumen geplagt

Der Zeuge gab nach dem Überfall seinen Job in der Spielhalle auf und leidet nach eigenem Bekunden noch heute unter Angstattacken. „Wenn Menschen direkt auf mich zukommen, halte ich unwillkürlich die Luft an. Ich habe nachts Albträume, aber langsam werden sie weniger“.

Besonders ärgerlich sei gewesen, so der Zeuge, dass zwischenzeitlich der Verdacht geäußert worden sei, er sei vorher in die Tat eingeweiht worden. „Die Polizei hat angerufen und mir mitgeteilt, die beiden Verantwortlichen würden mir Mitwisserschaft unterstellen. Davon ist nichts wahr, ich bin Opfer“.

In wechselnder Besetzung

Dieser Tat beschuldigt sind zwei 18 und 21 Jahre alte Männer, die zurzeit in Untersuchungshaft sitzen. Ihnen wird schwerer Raub vorgeworfen. Insgesamt stehen acht Angeklagte vor Gericht. Sie sollen laut Anklage vorwiegend im Bereich Papenburg, Lathen und Dörpen in wechselnder Besetzung Tankstellen und Spielhallen überfallen haben, in Ladengeschäfte, Apotheken, Verbrauchermärkte und öffentliche Einrichtungen eingebrochen sein und zusätzlich mit Drogen gehandelt haben.

Das Verfahren wird fortgesetzt.


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