„Tieren fehlen Rückzugsräume“ Papenburg gibt letzten Schwan ab

Jahrzehntelang gehörten Schwäne zum Papenburger Stadtbild. In den Wintermonaten bezogen sie Quartier auf dem Bauhof, wie unser Bild aus dem Jahr 2007 zeigt. Foto: Dirk FisserJahrzehntelang gehörten Schwäne zum Papenburger Stadtbild. In den Wintermonaten bezogen sie Quartier auf dem Bauhof, wie unser Bild aus dem Jahr 2007 zeigt. Foto: Dirk Fisser

Papenburg. Jahrzehntelang hat der Papenburger Bauhof Schwanenpaare im Stadtgebiet gehalten. Damit ist nun Schluss – unter anderem, weil es kaum noch Rückzugsräume für die Tiere gebe, wie es aus dem Rathaus heißt.

Im sozialen Online-Netzwerk Facebook war eine lebhafte Debatte um den Verbleib der Schwäne in der Fehnstadt entbrannt. In einer Pressemitteilung erklärt Stadtbaurat Jürgen Rautenberg, dass der Stadtpark mit der Landesgartenschau in Gestalt des Mehrgenerationenspielplatzes und der des Spielturms deutlich attraktiver geworden sei und an schönen Tagen viele Besucher anlocke. Zudem mache eine Vielzahl von Veranstaltungen entlang des Hauptkanals Papenburg zum Freizeitmagneten.

„Was wir als positive Entwicklung sehen, sorgt bei den Tieren für Stress“, so Rautenberg. Für die Schwäne gebe es durch die Entwicklung kaum noch Rückzugsräume. Während der Paarungs- und Brutzeit seien die Tiere aggressiv geworden, berichtet der Stadtbaurat weiter.

Fluguntauglich gemacht

Als einen weiteren Grund für das Ende der städtischen Schwäne nennt er den Tierschutz. Die Wasservögel seien durch Kupieren fluguntauglich gemacht worden. „Das wird heute als klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz angesehen“, betont Rautenberg. Deshalb seien keine neuen Schwäne mehr angeschafft worden, wenn vom Bauhof gehaltene Tiere verstarben.

Die Geschichte der Papenburger Schwäne geht bis ins Jahr 1960 zurück. Damals schenkte die Stadt Lübeck den Fehnstädtern drei Schwanenpaare, die am Unenende, beim Alten Turm sowie beim Forsthaus angesiedelt wurden. Nach den Worten von Bauhofleiter Georg Hüsers gab es bis 2014 noch drei städtische Schwanenpaare. Ende 2014 seien innerhalb kurzer Zeit die beiden Tiere verendet, die sich im Bereich Mittelkanal und Splitting aufgehalten hätten. Beide seien allerdings sehr alt gewesen. Höckerschwäne können bis zu 20 Jahre alt werden.

Tier vertrugen sich nicht

Wie Hüsers weiter berichtet, ist Anfang 2016 ein Schwan des Pärchens verstorben, das sich stets an Umländerwiek und Lüchtenburg aufgehalten habe. „Wir wollten den verbliebenen Schwan zusammen mit dem Schwanen-Pärchen im Stadtpark ansiedeln. Die Tiere haben sich allerdings nicht vertragen“, erklärt der Bauhof-Leiter. Darum habe man den Schwan dort wieder herausgenommen, kurzzeitig auf dem Bauhof aufgepäppelt und dann auf dem HÖB-See ausgesetzt. „Von dort ist er allerdings wieder in seinen alten Bereich an der Umländerwiek zurückgekehrt, wo er dann im Sommer 2016 verstorben ist. Wir vermuten hier Botulismus als Ursache“, so Hüsers.

Obduktionsbericht anfertigen lassen

Damit verblieben laut Stadt bis Mai 2017 zwei Schwäne in Papenburg. Sie lebten im Stadtpark. Hüsers: „Dann ist allerdings auch hier ein Tier verstorben. Hierzu hat die Stadt sogar eigens einen Obduktionsbericht anfertigen lassen. Daraus geht hervor, dass der Schwan an verschiedenen Krankheiten gelitten hatte wie Dotterperitonitis, Gefäßwandamyloidose und einer interstiellen Mineralisation der Basallaminae des Drüsenmagens.“. Die Erkrankungen seien auch der Tatsache geschuldet, dass die Schwäne im Stadtgebiet keine idealen Haltungsbedingungen gehabt hätten. „Insbesondere das Füttern der Schwäne durch Passanten ist eine große Gefahr für die Tiere. Durch das hingeworfene Brot kann in vielen Fällen Botulismus verursacht werden. Das gilt im Übrigen auch für andere Wasservögel“, sagt Hüsers. Darum weise die Stadt grundsätzlich darauf hin, dass keine Enten im Stadtgebiet gefüttert werden sollten.

Hoffen auf wilde Schwäne

Der letzte Schwan aus dem Stadtpark ist nach Angaben der Verwaltung an die Wildtierstation Rastede abgegeben worden. „Dort kann man sich professionell um das Tier kümmern“, sagt Hüsers. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen sei weder auf dem Bauhof noch auf den Flächen im Stadtgebiet eine artgerechte Betreuung der Tiere zu rechtfertigen. „Es ist darum die beste Entscheidung und nur konsequent, wenn wir in Zukunft darauf verzichten“, erklärt Hüsers.

Stadtbaurat Rautenberg zeigt sich derweil „optimistisch, dass sich durch städtische Naturschutzmaßnahmen auch wilde Schwäne im Stadtgebiet ansiedeln“ – so wie beispielsweise in Aschendorf.

(Weiterlesen: Schwäne fühlen sich im Winterquartier pudelwohl)


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