Widersprüchliche Aussagen Papenburg: Freispruch nach Ehestreit mit schwerer Verletzung

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Mit einem Freispruch für den Angeklagten endete am Amtsgericht Papenburg das Verfahren gegen einen 51-jährigen Mann. Foto: Mirco Moormann/ArchivMit einem Freispruch für den Angeklagten endete am Amtsgericht Papenburg das Verfahren gegen einen 51-jährigen Mann. Foto: Mirco Moormann/Archiv

Papenburg. Vor dem Amtsgericht Papenburg ist am Dienstag ein 51-jähriger Mann vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung gegen seine Noch-Ehefrau freigesprochen worden. Nach Auffassung der Vorsitzenden Richterin ließen sich die Anklagevorwürfe nicht objektiv belegen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine zwölfmonatige Freiheitsstrafe gefordert, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Zudem sollte der Beschuldigte nach dem Willen des Anklägers gemeinnützige Arbeitsstunden oder alternativ eine Geldauflage aufgebrummt bekommen. Der Verteidiger plädierte hingegen auf Freispruch – vor allem auch deshalb, weil er im Gegensatz zum Staatsanwalt die Glaubwürdigkeit der 35 Jahre alten Ehefrau des Angeklagten, die in dem Verfahren als Hauptzeugin aussagte, stark in Zweifel zog. Auch die Richterin kam zu dem Schluss, dass sich die Frau mehrfach in Widersprüche verstrickte. „Bei einem Zweifel folgt der Freispruch“, erklärte die Richterin in ihrer mündlichen Urteilsbegründung.

Tiefe Wunde am Hals

Fest steht, dass die 35-Jährige, die sich nach eigenem Bekunden von ihrem Mann trennen wollte, im Zuge einer handgreiflichen Auseinandersetzung im Mai 2017 in dem damaligen Wohnhaus des inzwischen unmittelbar vor der Scheidung stehenden Paares eine schwere Verletzung erlitten hat. Durch die vier Zentimeter tiefe Wunde wurde die Frau beinahe lebensgefährlich verletzt. Die Wunde soll dicht an der Hauptschlagader gelegen haben.

Glas zerbrochen

Nach den Worten der Richterin lässt sich die Art der Verletzung allerdings nicht zweifelsfrei aufklären. Der Anklage zufolge soll sie ihr von dem Mann mit den Scherben eines zerbrochenen Trinkglases zugefügt worden sein. Anders als noch in der polizeilichen Vernehmung wenige Stunden nach dem Streit sagte die Frau nun hingegen aus, der 51-Jährige habe mit einem Messer zugestochen. Unmittelbar zuvor habe er ihr das Glas an den Kopf geschlagen, woraufhin es „in Tausende Splitter“ zersprungen sei. Wie aus dem Operationsbericht des Krankenhauses, in dem die Frau nach der Verletzung behandelt wurde, hervorgeht, steckte einer dieser Splitter in der Wunde. Für die Richterin war nach den Aussagen in der Beweisaufnahme lediglich klar, dass die Verletzung im Verlauf eines „unübersichtlichen Gerangels“ zwischen Mann und Frau entstanden ist. Dass der Mann Glas und Messer in einer Hand gehabt habe, hielt sie für ausgeschlossen.

Angeklagter bedauert Verletzung „aus Versehen“

Die Noch-Eheleute hatten dem Gericht zuvor unterschiedliche Versionen des Streitverlaufs geschildert. Nach Aussage des Angeklagten habe er seine Frau sachlich zur Rede stellen wollen, weil sie einen neuen Partner habe. Sie habe dies bestritten und sei nach einem ruhig verlaufenen Gesprächsauftakt „ausgeflippt“ – auch weil er ihr vorgehalten habe, dass das Familienleben mit der gemeinsamen Tochter unter der ehrenamtlichen Arbeit der 35-Jährigen als Vereinsvorsitzende zunehmend stärker leide. Daraufhin habe seine Frau ihn getreten. In Abwehrhaltung habe er womöglich das Glas zerdrückt – unbewusst, weil er infolge einer Operation im rechten Arm durch ein Taubheitsgefühl beeinträchtigt sei. Es tue ihm leid, dass er seine Frau „aus Versehen“ verletzt habe. „Ich wollte eine saubere Trennung“, beteuerte der 51-Jährige, der wegen Diebstahls und Beleidigung vorbestraft ist.

Gegenseitig körperlich angegangen

Die Frau sagte hingegen aus, dass sie schon vor der Eskalation an besagtem Abend mehrfach von dem Angeklagten beschimpft, bedroht und bespuckt worden sei. Anders als bei der Polizei zu Protokoll gegeben, betonte sie, dass sie zum Zeitpunkt des Streits noch nicht mit ihrem neuen Partner zusammen gewesen sei. Mit dem Messer habe ihr Mann ursprünglich die Autoreifen zerstechen wollen, damit sie nicht mehr zu ihrem Freund fahren könne. Zudem habe er gedroht, sie ihm Internet zu verleumden. Sie räumte ein, im Verlauf der Auseinandersetzung auch ihren Mann körperlich angegangen zu haben.

„Ich bin durch die Hölle gegangen“

Laut Anklage soll der 51-Jährige seine Frau mehrfach mit Faustschlägen im Gesicht getroffen haben. Die 35-Jährige erinnerte sich im Gerichtssaal hingegen nur an einen Faustschlag, der lediglich eine geschwollene Lippe zur Folge gehabt habe. Die Zeugin begründete ihre unterschiedlichen Aussagen mit den besonderen Umständen durch die Auseinandersetzung. „Ich bin wochenlang durch die Hölle gegangen und hatte Angst“, sagte sie. Der Verteidiger des Angeklagten berichtete indes von der Aussage einer Richterin in einer familienrechtlichen Auseinandersetzung des Paares, wonach diese die Glaubwürdigkeit ebenfalls ausdrücklich infrage gestellt habe.


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