Verhandlung wegen sexuellem Missbrauch Mann drohen weitere Verfahren in Papenburg

Von Jennifer Kemker

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Wegen des sexuellen Missbrauchs eines geistig behinderten Mädchens steht ein Mann in Papenburg vor Gericht. Foto: MoormannWegen des sexuellen Missbrauchs eines geistig behinderten Mädchens steht ein Mann in Papenburg vor Gericht. Foto: Moormann

Papenburg. Als „Menschen mit zwei Gesichtern“ hat die 44-jährige Schwägerin des Angeklagten ihn und seine Frau bezeichnet. Vor dem Papenburger Amtsgericht muss sich der Mann wegen sexuellem Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person verantworten.

Aus der Anklageschrift ging in der Hauptverhandlung hervor, dass der Mann aus dem nördlichen Emsland wegen sechs Taten im Zeitraum zwischen 2014 und 2016, die mit dem sexuellen Missbrauch des geistig behinderten Mädchens zu tun haben, angeklagt wurde.

Eine 46-jährige Kriminalpolizistin erklärte als weitere Zeugin am vierten Verhandlungstag vor Gericht, dass die Geschädigte zunächst über den aktuellsten Fall zögerlich gesprochen habe. Im Laufe der Vernehmung erwähnte sie spontan auch die anderen Taten, die sie sichtlich mitgenommen hätten. Dabei sagte sie der Polizistin, dass der Angeklagte mit ihr Sex gehabt hatte und ihr auch Pornofilme gezeigt habe, wobei er sich ihr auch körperlich genähert hätte. Aufgrund der geistigen Behinderung der 19-Jährigen glaube die 46-Jährige nicht, dass sie sich die Geschichten vorher ausgedacht und während der Vernehmung dann erzählt habe.

Die ältere Schwester der Geschädigten habe im vergangenen Monat bereits einen Brief an das Amtsgericht geschrieben, in dem sie schilderte, dass sich die Schwägerin des Angeklagten an sie gewandt hätte, weil sie zu einer Falschaussage gezwungen werden sollte. Zusammen seien beide dann zur Polizei gefahren, um eine Aussage zu machen. Den Angeklagten kenne die Schwester des Opfers aus Besuchen bei den Eltern. Damals sei der Mann ihr öfter mit seiner lockeren Art aufgefallen. Er habe immer schnell Körperkontakt gesucht. Nicht nur sie, sondern auch die 44-jährige Schwägerin des Angeklagten erzählten vor Gericht von Feiern bei der Familien des Angeklagten mit minderjährigen Gästen, die Alkohol getrunken und Zigaretten geraucht haben.

Weiterhin sagte die Schwägerin des Angeklagten aus, dass sie damals oft bei der Familie mit ihren eigenen Kindern zu Besuch gewesen ist und dabei auch beobachten konnte, wie der Angeklagte mit dem heute 19-jährigen Opfer aus einem Wohnmobil oder dem Schuppen gekommen ist. Dabei sagte sie weiter aus, dass sie so etwas mehrere Male beobachten konnte, ihre Schwester es aber immer abgestritten hatte. Sie hätten immer eine gute Ausrede gehabt. Wie die 44-Jährige weiter aussagte, sei sie auch selbst vor einigen Jahren von dem Angeklagten vergewaltigt worden. Nach ein paar Malen habe sie die Polizei verständigt.

Ein Mal habe er mit ihr über die Sache mit der 19-Jährigen gesprochen. Er habe sie gezwungen, dass sie vor Gericht aussagen sollte, dass der Onkel des Mädchens die Taten begangen haben soll. Dabei habe sie auch behauptet, dass die Kinder des Angeklagten falsch ausgesagt hätten, weil sie eingeschüchtert seien. Aufgrund ihrer Vorwürfe und der Tatsache, dass sie kein Motiv für eine Falschaussage hätte, würde sich die 44-Jähre auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft auch auf eine Aussage unter Eid bereit erklären.

Der Richter machte den Beschuldigten darauf aufmerksam, dass sie viele bedenkliche Aussagen gehört hätten, die auch die Zeugenbeeinflussung betreffen würden. Auch der Staatsanwalt machte deutlich, dass im Zuge der Beweisaufnahme bereits weitere Straftaten aufgetaucht wären. Aus diesem Grund würde er wegen Vergewaltigung, schweren Missbrauchs von Minderjährigen und versuchter Nötigung zur Falschaussage weitere Verfahren einleiten. Wenn dem Gericht bis zum nächsten Verhandlungstag am 8. August um 13 Uhr zu Ohren komme, dass der Angeklagte weitere Zeugen beeinflusst, dann müsse er mit einem Haftbefehl rechnen.


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