„Entscheidung nie bereut“ Pflegemutter aus Nenndorf gibt Kindern ein Zuhause

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Ihren roten Faden hat Hildegard Wölfl an das Klettergerüst ihrer Kinder im Garten geknüpft um zu verdeutlichen, dass sie ihr Lebensinhalt sind.Fotos: Risius-HartwigIhren roten Faden hat Hildegard Wölfl an das Klettergerüst ihrer Kinder im Garten geknüpft um zu verdeutlichen, dass sie ihr Lebensinhalt sind.Fotos: Risius-Hartwig

Nenndorf. Mit 77 Jahren ist Hildegard Wölfl aus Nenndorf die feste Größe im Leben ihrer Pflegekinder. Seit über 50 Jahren ist die zierliche Person im Einsatz, um Kindern ein Zuhause zu geben.

Im Februar 1991 kam Wölfl mit ihrer leiblichen Tochter Michaela Bloos ins Emsland. „Wir kannten das Haus in Nenndorf, denn wir waren öfter hier zu Gast“, erzählen Mutter und Tochter. Als das Haus zum Verkauf stand, war dies für die beiden Frauen eine gute Gelegenheit. „Wir hatten damals zwei Pflege- und viele Tageskinder und spielten gerade mit dem Gedanken, uns zusammenzutun und gemeinsam zu pflegen,“ berichtet Wölfl.

Geboren in Aschaffenburg in Bayern hatte die Hausfrau und Mutter einer siebenjährigen Tochter 1968 die ersten Pflegekinder aufgenommen. „Es waren schon immer viele Kinder bei uns zu Besuch und da wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Pflegekinder aufzunehmen.“

„Dringlichkeit sehr groß“

Dann sei alles schnell gegangen. „Die Dringlichkeit war wohl sehr groß ebenso wie die Reputation meines Mannes, der in unserem Ort im Taunus stellvertretender Bürgermeister war,“ vermutet Wölfl. Ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Lebenslauf reichten und schon einen Tag später kamen die Kinder ins Haus.

Zwei kleine Jungen, ein drei- und ein zweieinhalbjähriger fanden bei den Wölfls ein neues Zuhause. Heute sind ihre Söhne 50 und 51 Jahre und sie sind genauso „ihre Kinder“ wie die vielen, die in den 50 Jahren bei ihr wohnten und alle, denen sie heute ein Zuhause bietet, sagt die Pflegemutter.

Mit ihrem Mann gründete Hildegard Wölfl damals im Taunus einen Pflegeeltern-Verein, organisierte Seminare und Vorträge von Referenten um sich und die anderen Pflegeeltern fortzubilden und sich gegenseitig zu stärken.

„Keine Sekunde bereut“

„Ich hatte nur gesunde Pflegekinder bis 1988,“ erinnert sich die 77-Jährige. Dann wurde sie gefragt, ob sie auch ein behindertes Kind nehmen würde. „Mein Mann war schon verstorben. Ich fuhr mit meinem Sohn in das Krankenhaus und da lag Nadine. Wie ein neugeborenes Kind, klein, niedlich und hilflos,“ erinnert sich Wölfl. Die Entscheidung, das Mädchen aufzunehmen war längst gefallen „und ich habe es keine Sekunde bereut“, sagt die Pflegemutter mit Überzeugung. Dabei war die neue Aufgabe alles andere als leicht. „Ich habe mir nie ein Kind ausgesucht,“ betont die Wahl-Emsländerin. „Wenn man ein Kind zur Welt bringt, kann man ja auch keine Wünsche äußern“, ist ihre Einstellung zu dem Thema.

Schwerbehindertes Kind

Nadine war schwerbehindert, konnte weder laufen noch reden. Zudem krampfte sie. Was kaum jemand für möglich gehalten hatte, in Wölfls Obhut wurde das Mädchen 22 Jahre alt. Nadine war ganz leicht, körperlich sei diese Zeit nicht anstrengend gewesen, sagt die Pflegemutter. Aber das Mädchen brauchte wenig Schlaf und so schlief auch Wölfl viele Jahre lang nachts nur stundenweise.

Wie viele Kinder hat Wölfl im Lauf der Jahre wohl betreut? „Mehr als 30 bestimmt. Ich habe es nicht gezählt“. Einmal waren es sieben Kinder gleichzeitig, darunter waren dann auch Tageskinder. Die Vergütung für so viel Einsatz am Tag und in der Nacht ist das Pflegegeld der Krankenkasse. „Und heute habe ich meine Rente“, sagt Wölfl. Anfangs gab es nur wenig für die Betreuung. „Da sagten die Leute in meinem Ort: Wie kann man das machen für so wenig Geld?“ Später, lacht die 77-Jährige, als die Pflegesätze angehoben wurden, hieß es dann: „Sie macht es nur fürs Geld“, dabei waren die Kinder doch dieselben.

Gedanken in der Nacht

Wölfls Leben dreht sich um die Kinder: „Wir stellen uns zu 100 Prozent auf die Kinder ein,“ bestätigt ihre Tochter, eine ausgebildete Erzieherin. Zusammen betreuen sie zur Zeit vier Pflegekinder im Alter zwischen vier bis 28 Jahre. Alle sind pflegebedürftig, eines muss täglich an die Dialyse. „Nachts macht man sich Gedanken, wie die Kinder gefördert werden können“, erzählt die 77-Jährige. Woher ihre Kinderliebe kommt? „Meine eigene Kindheit war super, trotz Krieg“. Ihre Mutter habe immer Kinder eingeladen, die nichts zu Essen hatten. „Von der Seite bin ich wohl vorbelastet und habe es an meine Tochter weiter gegeben.“


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