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SoVD-Demo mit 80 Teilnehmern Papenburger protestieren gegen Pannenserie am Bahnhof

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Papenburg. Die anhaltende Pannenserie am Bahnhofsaufzug wollen die Papenburger nicht länger hinnehmen. Dies wurde am Samstagmittag deutlich, als rund 80 Teilnehmer eine Protestaktion des Kreisverbandes Emsland des Sozialverband Deutschland (SoVD) besuchten.

Pünktlich zur symbolischen Uhrzeit um 11.55 Uhr („fünf vor zwölf“) füllte sich in sengender Hitze der Bahnhofsvorplatz. Eine knappe Stunde dauerte der SoVD-Protest, der damit unter dem Motto „Ich bin nicht behindert – Ich werde behindert“ ein Zeichen gegen den Stillstand in den Bereichen Inklusion, Teilhabe und Barrierefreiheit setzen wollte. „Wir hätten hier schon viel früher reagieren müssen“, machte Bernhard Sackarendt, Vorsitzender des SoVD-Kreisverbandes Emsland, deutlich. „Es ist schon fünf nach zwölf.“

Verletzung der Menschenwürde

Nach seinen Worten müsste die Bahn von allen genutzt werden können. „Dazu gehören auch die Aufzüge. Dass diese permanent ausfallen, ist eine Diskriminierung von körperlich eingeschränkten Menschen“, so Sackarendt. Wie er weiter ausführte, stelle dies eine Verletzung der Menschenwürde dar.

Der SoVD-Kreisverbandsvorsitzende äußerte zudem sein Unverständnis darüber, dass Fahrstühle dauerhaft über Monate ausfallen. „Die heutige Technik hält vielfältige und intelligente Lösungen bereit.“ Dem Sozialverband habe die Deutsche Bahn Sackarendt zufolge kürzlich zugesagt, dass dieses Kapitel der Vergangenheit angehöre. „Doch das haben wir schon häufiger gehört. Ich hoffe, dass es diesmal Bestand hat.“

„Passiert nicht nur an diesem Bahnhof“

Bernd Skoda, Experte des SoVD-Landesverbandes Niedersachsen für barrierefreies Bauen, teilte mit, dass ein Drittel der deutschen Bevölkerung als mobil eingeschränkt gilt. Dazu zählen nach seinen Ausführungen außer Blinde und Rollstuhlfahrer auch Eltern mit Kinderwagen, werdende Mütter, Reisende mit Gepäck oder Fahrradtouristen. Auch Kinder und Senioren gehören laut Skoda zu dieser Gruppe.

Der Experte nannte es „lobenswert“, dass sich die Bahn im Jahr 2012 dazu entschloss, Aufzüge am Papenburger Bahnhof zu installieren. „An Bahnstationen ist das genau das Richtige.“ Dass ein solcher Fahrstuhl auch technische Defekte habe, sei nach seinen Worten normal. „Und dass passiert beileibe nicht nur an diesem Bahnhof.“ Nicht hinnehmbar ist Skoda zufolge allerdings die lange Reparaturzeit. „Das muss kurzfristig und dauerhaft erledigt werden.“

Verhalten der Bahn „beschämend“

In einer anschließenden Podiumsdiskussion nannte Ursula Mersmann, Beauftragte für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Emsland, die Verhalten der Deutschen Bahn „beschämend“. „Ich kann da eigentlich nichts mehr zu sagen. In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder versucht Druck auszuüben und auf die Missstände hinzuweisen. Bei der Bahn stoßen wir aber an unsere Grenzen.“

Stadt geht juristisch vor

Papenburgs Stadtbaurat Jürgen Rautenberg berichtete vom geplanten juristischen Vorgehen der Stadt gegen das Unternehmen. „Die ersten Ergebnisse unseres Rechtsanwaltes liegen jetzt vor und werden in den nächsten Wochen diskutiert.“ Um eine „größere Durchschlagskraft“ zu erreichen, sprach sich Rautenberg dafür aus, gemeinsam das Problem anzugehen. „Im Zusammenspiel mit Verbänden wie dem SoVD können wir mehr erreichen.“

Ebenerdigen Übergang reaktivieren

Pascal Albers, Vorsitzender des Ausschusses für Jugend, Sport und Soziales, forderte, bei einem Ausfall des Aufzugs, den ebenerdigen Übergang zu reaktivieren. Experte Skoda dämpfte die Hoffnungen auf eine solche Bedarfslösung. „Aus technischen Gründen wird dies nicht möglich sein, da die Bahnsteige angehoben wurden.“ Den alten Zustand wieder herzustellen, sei daher nicht so einfach umzusetzen.

Bahn sagt Teilnahme ab

Ein Vertreter der Bahn nahm nicht an der Protestaktion teil. Wie der SoVD mitteilte, habe der Verband vor rund sechs Wochen dem Unternehmen eine Anfrage zukommen lassen. Diese sei aufgrund der Urlaubszeit und der dadurch „dünnen Personaldecke“ von der Bahn abgelehnt worden.


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