Tipps eines Papenburger Kinderarztes Mehr Zecken im Emsland: So verhalten sich Eltern richtig

Von Katharina Preuth und Harry de Winter

Meine Nachrichten

Um das Thema Papenburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Papenburg/Meppen. In diesem Jahr haben sich deutlich mehr Kinder eine Zecke eingefangen als in den Vorjahren. Das hat Kinderarzt Jan-Peter Schubert in seiner Papenburger Praxis bemerkt. Der Landkreis hat im gesamten Emsland eine erhöhte Zeckenpopulation festgestellt.

In den Armbeugen, den Achseln, im Ohr oder am Rücken: Es gibt kaum ein Körperteil, an dem sich Zecken nicht verbeißen. Kinder, die draußen spielen, im Wald oder auf Wiesen, sind besonders anfällig, die Tierchen anzuschleppen. Vor allem, wenn die Kinder barfuß laufen. Für die Statik und Motorik des Nachwuchses rät Kinderarzt Schubert dennoch zum Spielen ohne Schuhe. Gleichzeitig nimmt er aber die Sorge vor Zecken. Gerade bei den Kleinen werden die Blutsauger besonders oft und schnell entdeckt, weiß der niedergelassene Arzt aus seinem Praxisalltag. „Die Mutter zieht das Kind abends um und bemerkt dabei die Zecke“, erzählt Schubert. Zur Zeit behandelt der Mediziner wöchentlich etwa fünf bis zehn kleine Patienten mit Zechenbissen. Bei Erwachsenen blieben die Krabbler, die zu der Familie der Spinnentiere gehören, dagegen oft unentdeckt.

Weiterlesen: Zeckenforscher: FSME-Virus auf dem Weg in den Nordwesten

Nord-Süd-Gefälle

Dies sei zunächst nicht weiter gefährlich, der Körper würde die Zecke irgendwann abstoßen. Was die Ansteckungsgefahr betrifft, gebe es nach wie vor ein Nord-Süd-Gefälle in Deutschland. Die im Süden des Landes durch Bisse übertragene gefährliche FSME-Erkrankung sei im Emsland selten. Schubert habe erst wenige Kinder mit dem Erreger in seiner Praxis gehabt und in diesen Fällen hätten sie die Krankheit aus dem Urlaub mitgebracht.

Im Norden ist dagegen Borreliose verbreiteter. „Patienten mit dem Erreger kommen schon mal vor“, so der Kinderarzt. Doch eine zügige Antibiotika-Behandlung helfe. Borreliose erkenne der Betroffene nach Angaben des Mediziners durch die sogenannte Wanderröte. Dabei handelt es sich um einen rötlichen Kreis, der sich um den Biss herum ausbreitet.

Eine Sprecherin des Landkreis Emsland rät auf Nachfrage unserer Redaktion, ein Foto von der Stichstelle zu machen. Eine generelle Antibiotikatherapie nach einem Zeckenstich empfehle sie indes nicht. Diese sei erst bei einem begründeten Borrelioseverdacht anzuwenden. Sollten sich in den sieben bis 14 Tagen nach einem Zeckenstich und einem Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen zeigen, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Weiterlesen: Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Keine furchteinflößenden Tiere

Doch dazu muss es nicht kommen. Sobald Eltern die schwarzen Tierchen bei ihren Kindern entdecken, haben sie zwei Möglichkeiten. Entweder sie entfernen die Zecke selbst oder begeben sich damit in ärztliche Behandlung, erklärt der Arzt. „Wenn Eltern wissen, wie es geht, können sie die Entfernung alleine vornehmen“, sagt Schubert. Er selbst zeigt sich dabei besonders begeistert von der Zeckenkarte. Diese hat Ähnlichkeit mit einer Bankkarte, jedoch mit Einkerbungen, mit denen die Zecke vorsichtig aus der Haut geschoben werden könne. Andere Werkzeuge seien die Zeckenzange oder die Pinzette. Wenn Schubert bei seinen Patienten eines der Tierchen entfernt, lasse er es noch kurz über seine Hand krabbeln. Das habe zwei Gründe: Zunächst möchte er den besorgten Eltern zeigen, dass auch der Kopf nicht mehr in der Haut ihres Kindes stecke. „Und ich will verdeutlichen, dass Zecken keine furchteinflößenden Tiere sind.“

Weiterlesen: Dörpener Apotheker rät zur Grundaustattung im Urlaub

Zeckenpopulation erhöht

Die Zeckenpopulation sei im Emsland ebenso wie im gesamten Bundesgebiet erhöht, erklärt die Sprecherin des Landkreis Emsland. Ein Grund hierfür sei das vermehrte Auftreten von Mäusen, die für Zecken die erste Wirtsstation sind. „Eine mögliche Infektion mit dem FSME-Virus in Niedersachsen ist allerdings sehr unwahrscheinlich, aber nicht völlig auszuschließen.“

Eine Impfempfehlung gebe es derzeit nicht. Trotzdem rät die Sprecherin zu individuellen Schutzmaßnahmen, da Zecken nahezu überall, wo es Pflanzen gibt, vorkämen. Die meisten Zecken würden in einer Höhe von weniger als einem Meter, häufig sogar nur zwischen zehn und 50 Zentimeter über dem Boden auf einen Wirt warten. Grundsätzlich sei deshalb zu empfehlen, dass eine Haut bedeckende Kleidung und festes Schuhwerk getragen wird.

Der Einsatz von Repellentien, also Wirkstoffen, die die Zecken abschrecken, ohne sie zu töten, seien für Mensch und Tier ebenfalls zu empfehlen. Nach dem Aufenthalt in freier Natur sollte die Körperoberfläche gründlich nach Zecken abgesucht werden. Denn das rechtzeitige Entfernen von Zecken vermindere vor allem das Risiko einer Borrelioseerkrankung erheblich.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN