„Smart Home”-Projekt von EWE Im Test: So funktioniert das „intelligente Haus” in Oldenburg

Von Daniel Gonzalez-Tepper

Ein Haus, das fast vollständig per App oder Sprachsteuerung bedient werden kann, betreibt der Telefon- und Stromkonzern EWE in Oldenburg. Es wurde "Zuhause 18" getauft. Foto: Daniel Gonzalez-TepperEin Haus, das fast vollständig per App oder Sprachsteuerung bedient werden kann, betreibt der Telefon- und Stromkonzern EWE in Oldenburg. Es wurde "Zuhause 18" getauft. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Oldenburg/Papenburg. Ein Haus, das von oben bis unten mit "smarter" Technik ausgestattet ist, betreibt der Strom- und Telefonanbieter EWE in Oldenburg. Das "Zuhause 18" soll zeigen, wie Wohnen in der Zukunft aussehen könnte. Welche Geräte und Anwendungen sind sinnvoll, welche unnötiger Schnickschnack? Ein Test.

In einem "Smart Home" sind alle Geräte und Haustechniken miteinander verbunden und lassen sich über das Smartphone oder per Sprache steuern. Dieses Konzept bewegt sich in Deutschland langsam in Richtung Massenmarkt. Das hat das Marktforschungsinstitut GfK in einer Studie festgestellt. Mehr als drei Milliarden Euro wurden 2016 für vernetzbare Unterhaltungselektronik, intelligente Steckdosen oder automatisierte Gebäudetechnik ausgegeben. 

Mit dem "Zuhause 18" in Oldenburg will EWE zeigen, was in Sachen "Smart Home" im Jahr 2018 möglich ist. Unsere Redaktion durfte mehrere Stunden in dem rund 200 Quadratmeter großen, zweigeschossigen Haus, das sich in direkter Nachbarschaft zur Konzernzentrale von EWE befindet, verbringen und die mehr als 30 smarten Komponenten auf ihre Alltagstauglichkeit testen. Nur ein kleiner Teil der Anwendungen stammt tatsächlich von EWE, die meisten von vielen verschiedenen Herstellern.

Die Sprachsteuerung

"Es ist zu Beginn ein wenig wie Vokabeln lernen", warnt mich Eva Katrin Maier aus der Konzernkommunikation von EWE bei einem einführenden Rundgang durch das Haus. Was Maier meint, sind die Begriffe, die in dem Haus gesagt werden müssen, um bestimmte Anwendungen oder Komponenten per Sprache auszulösen. "Skills" nennt der Online-Versandhändler Amazon diese Begriffe für seinen Sprachassistenten Alexa. Und auf diesem System bauen die technischen Komponenten im "Zuhause 18" auf. Im Haus sind alle fünf Zimmer, der offene Wohn-Küchen-Bereich, die Flure und die Tiefgarage, in der ein Elektroauto steht, mit Alexa-Geräten ausgestattet. 

Irgendwo hört also immer ein Alexa-Mikrofon mit. Der Nachteil: Nicht selten reagieren zwei Alexa-Geräte gleichzeitig, beispielsweise haben bei unserem Test vom Esszimmer aus mehrfach das Alexa in der Küche und im Wohnzimmer auf einen Zuruf reagiert. "Alexa - Stop" lautet dann die (etwas nervige) Lösung. Doch, um es vorweg zu nehmen: Dieses doppelte Reagieren von Alexa-Geräten war im Hinblick auf die Sprachsteuerung im Haus das einzige, das nicht optimal funktionierte. Ansonsten taten die Geräte immer das, was der Tester wollte.

Die Türöffner

Wer in das "Zuhause 18" gelangen möchte, hat mehrere Optionen: Auf die herkömmliche Art mit Schlüssel oder über das elektronische Türschloss-System Nuki, das ein Öffnen und Schließen der Haustüre per Smartphone-App oder über Sprache ermöglicht. Dazu wird von innen auf das Türschloss ein Gerät, Smart Lock genannt, aufgesetzt, in dem sich der Schlüssel befindet. 



Dieses Gerät dreht im Prinzip den Schlüssel dann, wenn der Befehl dazu per App oder Sprachassistent (neben Alexa zum Beispiel auch Google Assistant/Home) gegeben wird. Damit das schlaue Schloss aus der Ferne bedient werden kann, ist ein zweites Gerät, Nuki Bridge genannt, notwendig. Es wird in der Nähe der Tür in eine Steckdose gesteckt und kann dann in das Wlan/Wifi-Heim-Netzwerk eingebunden werden. Sowohl das Öffnen per App, als auch per Sprache funktionierten bei unserem Test an der Haustür und auch an der Tür zur Tiefgarage. Im Notfall kann die Tür per Knopfdruck auf dem Aufsteckgerät geöffnet werden. 

Nicht per Sprache, aber per App und per Fernbedienung kann das Tiefgaragentor im "Zuhause 18" geöffnet werden. Auch dies funktionierte bei unserem Test.

Der Test des Türöffner-Systems Nuki im Video:

Fazit: Ein ungutes Gefühl bleibt, denn was ist, wenn jemand den "Skill" zur Öffnung der Eingangstür mithört oder das Smartphone verloren geht? "Letztlich ist es ähnlich wie beim Online-Banking: Man sollte mit Passwörtern generell sorgsam umgehen und sie beispielsweise regelmäßig ändern", sagt Volker Diebels, ebenfalls Mitarbeiter in der Konzernkommunikation von EWE. Und es empfiehlt sich, die App auf mindestens einem zweiten Gerät einzurichten, welches dann sozusagen als Zweitschlüssel dient und über das der Zugang ins Haus über Nuki gesperrt wird, falls ein Handy verloren geht.

Smarter Spiegel

Sowohl im Eingangsbereich, als auch im großen Badezimmer im 1. Obergeschoss ist an den Wänden ein smarter Spiegel (Pradel Miralite Connect) installiert worden. Er kann nicht per App oder Sprache, sondern nur über eine Fernbedienung beziehungsweise Bluetooth aktiviert und bedient werden, was den Komfort deutlich einschränkt. Er verfügt über sechs Funktionen: Ein Kalender zeigt einem den nächsten Termin an, was am Morgen bei der Planung des Tagesablaufs sinnvoll sein kann. Der Kalender synchronisiert sich per Bluetooth mit dem Mobiltelefon. Die Funktion "Maps Routenplaner" zeigt mir, wie lange die Fahrt bis zum ersten Termin oder ins Büro dauert, inklusive der aktuellen Staulage also. 

Der "smarte Spiegel" im "Zuhause 18" von EWE in Oldenburg hat sechs Funktionen: Kalender, Routenplaner (maps), Radio, Wetter und Nachrichtenticker. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Durch die Radiofunktion kann ich mir meinen Lieblingssender anhören, die Wetterfunktion zeigt mir das Wetter der nächsten Stunden, sodass ich mich passend dazu bekleiden kann. Sechste Funktion ist ein Nachrichtenticker, den ich mir für verschiedene Nachrichtenseiten einrichten kann. Insgesamt vier Familienmitglieder können an dem Spiegel ihre persönlichen Einstellungen hinterlegen.

Fazit: Der Spiegel macht Spaß, aber bei der Bedienung per schnöder Fernbedienung gibt es Optimierungsbedarf. Die Kosten von derzeit 399 Euro erscheinen zu hoch.

Haustechnik

Über eine App oder über Sprache mit dem Alexa-System gesteuert werden kann im "Zuhause 18" die gesamte Haustechnik. Das beginnt mit der Heizung, die über einzeln ansteuerbare Raum- und Heizkörperthermostate geregelt wird, sodass mit dem Smartphone in jedem Raum die Temperatur so eingestellt werden kann, wie es der Bewohner möchte. Mit einem Klick wird ebenfalls die Heizung im gesamten Haus heruntergestellt oder hochgefahren - auch dann, wenn der Nutzer das Haus bereits verlassen hat.

Jeder Raum im "Zuhause 18" in Oldenburg ist mit Thermostaten ausgestattet, die per Smartphone einzeln oder zentral bedient werden können. Wer also bei Verlassen des Hauses vergessen hat, die Heizung herunterzufahren, kann sie mit dem Handy ausmachen oder auch die Temperatur hochfahren, damit der Raum warm ist, wenn der Bewohner nach Hause kommt. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Ebenfalls über eine App regelbar sind sämtliche Jalousien im Haus, von denen im gesamten Haus 22 ansteuerbar sind. Sie können (auch per Sprache über die Alexa-Boxen) einzeln oder alle gemeinsam hoch und heruntergefahren werden. In der App kann dafür auch eine Zeitvorgabe gemacht werden.

Mit einer App kann im "Zuhause 18" in Oldenburg die gesamte Haustechnik gesteuert werden, also Heizung, Jalousien oder Stromversorgung. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Für die Stromversorgung befindet sich auf dem seitlichen Anbau des Gebäudes eine 45 Quadratmeter große Photovoltaikanlage. Die Solarmodule produzieren so viel Strom, dass 75 Prozent des Strombedarfs des "Zuhause 18" abgedeckt sind. Und das selbst wenn das Elektroauto (BMW i30), der sich in der Garage des Gebäudes befindet, regelmäßig für den Stadtverkehr genutzt wird und die beiden zwei Elektrofahrrädern, die sich ebenfalls im Gebäude befinden, ab und zu geladen werden. 

Gespeichert und je nach Bedarf verteilt wird der Strom in einem Stromspeicher, der an einer Wand der Garage des Gebäudes hängt. Die Bedienung erfolgt per Touchscreen oder durch eine App. Über eine sogenannte Energy-Cloud ist die Anlage mit anderen derartigen Stromspeichern zusammengeschlossen. Dadurch wird der produzierte Strom, wenn die Batterie voll ist, gemeinsam genutzt, falls eine der anderen Stromspeicher noch nicht voll ist. Ein Einspeisen ins allgemein Stromnetz kann dadurch reduziert werden oder sogar entfallen.

Die "Energiezentrale" im "Zuhause 18" in Oldenburg: Der Stromspeicher ist mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach verbunden. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Um das E-Auto zu laden, hängt in der Garage eine Wallbox.

Um ein Elektrofahrzeug zu laden, fast unerlässlich: Eine Wallbox. Sie ist mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach und dem Stromspeicher verbunden und leitet sozusagen den Strom ins Auto weiter. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Fazit: Die Heizung oder die Jalousien mit einem Klick im Smartphone oder einem Ruf per Sprache herunterzufahren oder sehen zu können, wie diese gerade eingestellt sind, ist eine tolle Sache. Die Investition in die Technik kann sich lohnen. Ob eine PV-Anlage samt Stromspeicher und Wallbox sinnvoll ist, muss jeder für sein Gebäude berechnen lassen.

Smarte Beleuchtung

Auch die Beleuchtung im "Zuhause 18" ist smart, alle Leuchtkörper (natürlich LED) stammen aus dem System Philips Hue. Über App oder Sprache können sämtliche Leuchtkörper im Haus mit einem Befehl an oder aus gemacht werden, sie sind aber auch einzeln ansteuerbar.

Der Test der Farbauswahl von Philips Hue im Video:

Das interessante: Die Leuchtkörper können in verschiedenen Farben erleuchten, alle Grundfarben (gelb, rot, grün, blau) sind in der App des Systems beliebig mischbar. Wenn also "Alexa: Esszimmer rot" in den Raum gerufen wird, erleuchtet die Lampe über den Esszimmertisch in roten Farben. Möglich sind nach Herstellerangaben 16 Millionen Farben. Die Leuchten sind auch beliebig dimmbar, was im Schlafzimmer für ein langsames Aufwachen sorgen kann. Und sie sind von auswärts ansteuerbar oder zeitlich programmiert werden. So kann per Smartphone das Licht nach Belieben angeschaltet werden, um zu simulieren, dass jemand zu Hause ist.

Der Test der App von Philips Hue im Video:

Fazit: Die 200 Euro, die das Starterset mit drei Leuchtkörpern, Dimmschalter und einer sogenannten Bridge, der Schaltzentrale zwischen Leuchten und Smartphone, kostet, lohnen sich.

Home-Entertainment

Natürlich verfügt das "Zuhause 18" auch über allerlei moderner Unterhaltungstechnik. Dazu gehört ein smarter Ultra-HD-Fernseher, auf dem diverse Apps installiert sind. An diesen sind Zusatzgeräte angeschlossen wie "Amazon Fire TV" und eine TV-Box von EWE, die an ein Glasfaserkabel angeschlossen ist. Alles ist selbstverständlich über Sprache, App oder auch klassischer Fernbedienung steuerbar. Über Sprache funktioniert es bei unserem Test aber erstaunlich schlecht, mehrfach reagiert der Fernseher nicht wie gewünscht. Selbst die Fernbedienung reagierte nicht so, wie gewohnt. Ursache für die Probleme kann aber auch die fehlende Übung sein.

Der smarte Fernseher von Samsung im "Zuhause 18" in Oldenburg ist im Ruhemodus ein Bilderrahmen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Fazit: Im smarten Fernseher und seinen angeschlossenen Geräten stecken zu viel smarte Technik und Möglichkeiten. Manchmal ist eben auch weniger mehr.

Beim Klang setzt das "Zuhause 18" auf die Boxen von Sonos. Die "Speaker" wie der Hersteller die Lautsprecherboxen nennt, stehen im Wohnzimmer, in der Küche, im Gästebad, im Badezimmer und im Kinderzimmer. Sie reagierten beim Test so gut wie immer auf die jeweiligen Befehle, zum Beispiel bei der Auswahl eines Radiosenders, der Einstellung der Lautstärke oder bei der Auswahl eines bestimmten Liedes. Auch der Test, Musik in drei Räumen gleichzeitig abzuspielen, funktionierte. Die Boxen kommunizieren über Wlan miteinander, dass im "Zuhause 18" mit mehreren Wlan-Verstärkern gearbeitet wird, dürfte den Test erleichtert haben. Im Wohnzimmer sorgen zwei Boxen und ein Subwoofer, der die tiefen Töne unterstützt, für einen Stereo-Ton. 

Eine Sonox-Box (rechts), die der Hersteller "Speaker" nennt, gleich neben einer Alexa-Echo-Box (links). Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Fazit: Die Sonos-Boxen sind zweifelsohne nicht günstig. Sie kosten einzeln derzeit 229 Euro, das Komplettsystem mit zwei Speakern, einem Subwoofer und der sogenannten Playbar für die Verbindung zum Fernseher kostet rund 2000 Euro. 

Szenarien

Interessant wird es, wenn die Funktionen Jalousie, Beleuchtung und Home-Entertainment zu einem sogenannten Szenario kombiniert werden. EWE hat beispielsweise das Szenario "Kinoabend" erstellt: Die Jalousien im Wohnzimmer fahren herunter, die Beleuchtung wird gedämmt und in gemütliche Gelbtöne verwandelt, auf dem smarten HD-Fernseher wird die Netflix-App gestartet und aus dem Aroma-Diffuser ("Moodo Fragrance Box"), einer Art großem Parfüm-Spender, der bis zu 20 verschiedene Gerüche erzeugen kann, strömt der Lieblingsduft. All das wird mit dem Skill "Alexa, starte Kinoabend" gestartet. 

Der Test des Szenario "Kinoabend" im Video:

Im Wohnzimmer gibt es noch ein zweites Szenario: Beim Wort "Sommerfrische" startet der Ventilator, aus den Boxen ertönt "Here comes the sun" von den Beatles und die Beleuchtung wechselt in grün-blaue Töne.

Der Test des Szenario "Sommerfrische" im Video:

Fazit: Bei den Szenarien wird so richtig deutlich, wozu smarte Haustechnik überhaupt fähig ist und was damit alles möglich ist. Sie kann nämlich den Alltag deutlich erleichtern und angenehm machen.

Smarte Küchengeräte

In der Küche des "Zuhause 18" gibt es insgesamt fünf Geräte, die per App oder Sprache bedient werden können. 

Der Kühlschrank ist im Inneren mit drei Kameras ausgestattet, dessen Bilder auf dem Smartphone aufrufbar sind und die auch auf einem Bildschirm (Touchscreen) auf der Außenseite der Tür angezeigt werden kann. Dadurch hat der Nutzer zum Beispiel beim Einkaufen einen Überblick, welche Lebensmittel oder Getränke sich noch im Kühlschrank befinden. Möglich ist es auch, über den Touchscreen eine Einkaufsliste anzulegen, die dann im Supermarkt auf dem Smartphone aufgerufen werden kann. 

Der smarte Kühlschrank im "Zuhause 18" in Oldenburg stammt von Samsung. Im Inneren verfügt er über drei Kameras, deren Bilder auf dem Touchscreen an der Tür außen zu sehen oder auf der dazugehörigen App abrufbar sind. Das kann im Supermarkt hilfreich sein. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Wer möchte, kann die Produkte online bestellen und sich nach Hause liefern lassen. Noch nicht möglich ist, dass der Kühlschrank automatisch erkennt, was in den Kühlschrank gelegt und entnommen wird, im Idealfall sogar mit Haltbarkeitsdatum des Produktes. Dafür wären Funkchips an den Produkten notwendig, was noch Zukunftsmusik ist.

Fazit: So smart, wie der Kühlschrank auf den ersten Blick daherkommt, ist er (noch) gar nicht. Es sind weitere Schritte notwendig, wie eine automatische Erkennung der Lebensmittel. 

Die Backofen-/Mikrowellen-Kombination, die von Siemens stammt und über die App Home-Connect gesteuert werden kann, verspricht ein Aufheizen des Backofens, noch während man sich auf der Heimfahrt vom Einkauf befindet. Weil aber ja die Zeit, die ein moderner Backofen heutzutage zum Aufheizen braucht, nicht ewig lang ist, ist der Sinn dieser Möglichkeit eher fragwürdig. Zumal es aus Sicherheitsgesichtspunkten sinnvoller erscheint, mit dem Aufheizen zu warten, bis man zuhause ist. 

Weniger die Möglichkeit, noch wähend des Einkaufens den Backofen vorheizen zu können, überzeugt beim smarten Backofen von Siemens, sondern die Möglichkeit, die zum Rezept passende Einstellung per Smartphone auf das Gerät übertragen zu können. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Mehr Sinn ergibt es da, die Rezepte-Funktion der App zu nutzen: Das Smartphone sendet nämlich die für die jeweilige Zubereitung notwendige Einstellung an den Backofen beziehungsweise die Mikrowelle und startet das Gerät auf Wunsch. Später ist dann in der App ablesbar, wie lange es noch dauert, bis das Gericht fertig ist. Auf Wunsch kann das Gerät dann auch vorzeitig abgeschaltet werden, auch wenn man sich gerade nicht in der Küche befindet.

Fazit: Die Ausrede, der Backofen war schuld, wenn das Gericht angebrannt ist oder nicht ausreichend gegart wurde, zählt mit dem smarten Backofen nicht mehr. Ob einem das je nach Gerät zwischen 2500 und 3000 Euro wert ist, muss jeder für sich entscheiden.

Der interaktive Nahdistanz-Beamer Sony Experia kann mit einer TV-App als Fernseher mit bis zu zwei Metern Bildschirmdiagonalen oder als Tablet genutzt werden, allerdings ohne klassische Touch-Funktion, wie man sie vom herkömmlichen Tablet kennt. Der Beamer, dessen Bild beispielsweise auf die Arbeitsfläche der Küche geworfen werden kann, erkennt die Bewegung der Finger auf dieser Projektionsfläche. Während des Kochens kann selbst mit schmutzigen Fingern durch eine Rezepteseite im Internet gescrollt werden. Gereinigt werden muss später nur die Arbeitsfläche der Küche. Der Beamer richtet sich in sekundenschnelle automatisch aus, kann also an jeder beliebigen Stelle im Haus oder unterwegs aufgestellt werden. Er verfügt über einen Akku, sodass er kabellos bedient werden kann. Der Beamer benötigt lediglich eine Verbindung ins Internet.

Der Test des interaktiven Beamer im Video:

Fazit: Mit rund 1200 Euro liegt der interaktive Sony-Beamer in einem für Neuentwicklungen noch stolzen Preis-Bereich. Das Gerät dürfte sich aber am Markt durchsetzen (und dann im Preis sinken). Der Sieger unseres Vor-Ort-Tests, sozusagen.

Ebenfalls einen Platz in der Küche gefunden hat der smarte Staubsaugroboter (automatischer Staubsauger) Vorwerk Kobold. Was sofort auffällt: Er saugt sich doch recht laut durch durch Ess- und Wohnzimmer, entspannt Fernsehen oder Musik hören funktioniert nicht gut. Und bei einem hellhörigen Haus könnte es selbst schwierig sein, im Obergeschoss zu schlafen, ohne den Staubsaugroboter zu hören. Da empfiehlt es sich eher, die Zeitschaltfunktion zu nutzen und ihn für die Zeit zu programmieren, an dem man nicht zu Hause ist, oder ihn bei Verlassen des Hauses zu starten. Die Programmierung läuft über eine App, ein Start- und Stopp-Befehl kann auch per Sprache über die Alexa-Box programmiert werden. Das funktionierte bei unserem Test auch. Hindernisse erkennt der Saugroboter per Laser und Ultraschall. Die Reinigungsleistung war, sofern das bei diesem kurzen Test beurteilt werden konnte, sowohl auf dem Parkett- als auch auf dem Fliesenboden und dem Teppich in Ordnung. 

Der Test des Saugroboters im Video:

Fazit: Bei einem Preis von aktuell 749 Euro überzeugen zwar Reinigungsqualität, die einfache Bedienung und die Optik - die Lautstärke aber keineswegs. 

Auch die Kaffeemaschine, die per Sprache und App bedient werden kann, selbst bis hin zur exakten Temperatur und der Stärke des Kaffees, ist im "Zuhause 18" smart. Außerdem gibt es ein "Indoor-Gardening"-Gerät, das Kräuter oder kleine Tomatenpflanzen künstlich beleuchtet und bewässert. 

"Click & Grow" heißt das Gerät im "Zuhause 18" in Oldenburg, das "Indoor Gardening" betreibt: Die Kräutersamen werden künstlich beleuchtet und automatisch bewässert. Das ganze natürlich per App oder Sprache steuerbar. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Kinderzimmer

Auch im Kinderzimmer des "Zuhause 18" geht es smart zu. Auf einer Kommode steht eine Playstation 4 mit Virtual-Reality-Brille und Beamer für die Wand. An ihr kann beispielsweise mit dem Hubschrauber durch verschiedene Städte und Landschaften samt Rundum-Blick geflogen werden. Der Flug durch New York hat den Autor dieses Textes durchaus beeindruckt. Die Playstation ist allerdings nicht per Sprache oder App steuerbar, sondern ganz "klassisch" per Controller.

An der Wand des Kinderzimmers hängen dreieckige und mehrfarbige LED-Lichtpanele von Nanoleaf Aurora, die zusammengefügt werden können und auf Musik reagieren. Dadurch kann zum Beispiel eine Disco-Atmosphäre erzeugt werden. Das Element kann über eine App oder Sprache gesteuert werden. Dort kann beispielsweise die Farbe jedes einzelnen Elements ausgesucht werden oder bestimmt werden, bei welcher Gelegenheit es blinken oder mit welchen Zeitabständen es die Farbe wechseln soll. Es kann aber natürlich auch nur bei einer Farbe verbleiben. 

An der Wand des Kinderzimmers im "Zuhause 18" (oben rechts) hängen dreieckige und mehrfarbige LED-Lichtpanele von Nanoleaf Aurora. Sie können relativ frei zusammengefügt werden. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Im "Zuhause 18" ist das innovative Lichtsystem mit der Beleuchtung, den Jalousien, der Sonos-Lautsprecherbox und dem Alexa-Show-Gerät, die beide ebenfalls im Kinderzimmer aufgestellt wurden, zum Szenario "Gaming" kombiniert. Diese Geräte stellen sich also so ein, dass der Bewohner in "chilliger" Atmosphäre einen Spielenachmittag oder -abend mit der Playstation verbringen kann. Im Test funktionierte das Szenario einwandfrei. 

Der Test des Szenario "Gaming" im Video:

Fazit: Mit rund 180 Euro ist das Einsteigerpaket von Nanoleaf Aurora nichts für den (schmalen) Teenager-Geldbeutel. Aber ein Hingucker sind die Lichtpanele zweifelsohne.

Selbst Fußbälle sind im "Zuhause 18" smart. Der Smart-Ball Micoach von Adidas hilft dem Nutzer, die Schusstechnik zu perfektionieren. Sensoren erkennen die Geschwindigkeit des Balls nach dem Schuss, messen also, wie kraftvoll der Kicker gegen den Ball getreten hat und an welcher Stelle. Außerdem erkennen sie die Flugbahn des Balles. In der dazugehörigen App gibt es dann Tipps, wie der Schuss verbessert werden kann. 

Der Test des smarten Fußball im Video:


Fazit: Für einen intensiveren Test blieb zu wenig Zeit, mit aktuell 99 Euro erscheint der aufgerufene Preis nicht überteuert zu sein.

Badezimmer

Selbst im Badezimmer des Hauses finden sich smarte Anwendungen. Neben der bereits beschriebenen, per App und Sprache steuerbaren Jalousien-, Beleuchtungs- und Heiztechnik sowie dem interaktiven Spiegel findet sich hier unter anderem eine elektrische Zahnbürste (Braun Oral B Genius), die dem Nutzer per App eine Rückmeldung zu seinem Zahnputzverhalten gibt und daraus Schlüsse zieht. Ein Sensor erkennt zum Beispiel, welche Bereiche des Mundraumes zu intensiv oder zu wenig geputzt wurden. Die App zeigt dies über eine 3D-Karte des Mundraumes an. Dem Zahnarzt kann sogar der Zugriff auf die App erlaubt werden. Er kann dadurch das Putzverhalten analysieren und eigene Empfehlungen abgeben. Die App kann sogar Langeweile beim Zähneputzen bekämpfen und Nachrichten, Videos, den Wetterbericht und den Kalender anzeigen.

Die smarte Zahnbürste von Oral-B kann per Bluetooth mit einer App verbunden werden. Dadurch wird jeder Putzvorgang gespeichert und die App gibt Empfehlungen, welche Bereiche des Mundraumes bisher vernachlässigt wurden und wo zu intensiv gedrückt wurde, was das Zahnfleisch schädigen kann. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Fazit: Ein intensiver Test der smarten Zahnbürste war wegen der begrenzten Zeit im "Zuhause 18" nicht möglich. Deutlich wurde bei der zweimaligen Nutzung, dass die notwendige Zeit für die Zahnpflege mit der smarten Zahnbürste sich verlängert, was aber nicht schlecht sein muss. Mit 299 Euro (unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers) dürfte die smarte Zahnbürste in der Einführungsphase zunächst für solche Nutzer Sinn machen, die tatsächlich große Probleme mit ihren Zähnen haben.

Im Badezimmer des "Zuhause 18" steht auch eine smarte Gewichtswaage (Nokia Body Cardio), mit deren App der Nutzer das Gewicht über einen längeren Zeitraum beobachten kann. Vier Sensoren messen die Herzfrequenz, die Muskel- und Knochenmasse sowie den prozentualen Körperfett- und Wasseranteil. Dadurch kann der Body-Mass-Index (BMI) berechnet werden. 

Die App der smarten Gewichtswaage Nokia Body Cardio kann nicht nur das Körpergewicht wiegen, sie hät die Herzfrequenz fest und analysiert die Körperzusammensetzung, also der Anteil von Wasser, Muskel- und Fettmasse. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

In der Dusche wurde ein digitaler Wasserzähler an die Duschbrause verbaut. Der soll dabei helfen, den Wasserverbrauch zu senken. Bei unserem Test waren es 20,7 Liter. Beide Anwendungen zu bewerten, ist aber erst bei einem längeren Test sinnvoll.

Wirklich Spaß macht es, auch im Badezimmer ein "Szenario" zu nutzen, also eine Kombination aus verschiedenen Techniken und Anwendungen. Mit dem Wort "Entspannung" werden im Badezimmer des "Zuhause 18" die Jalousien heruntergefahren, das Licht wird gedimmt und in einen gemütlichen Gelbton verfärbt, aus der Sonos-Musikbox erklingt Entspannungsmusik. Nur die Badewanne, die füllt sich noch nicht von alleine.

Beim Szenario "Entspannen" im "Zuhause 18" werden automatisch die Jalousien heruntergefahren, das Licht wird gedimmt und in einen gemütlichen Gelbton verwandelt, aus den Lautsprecherboxen kommt Entspannungsmusik. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Schlüsselfinder

Wer kennt das nicht: Anstatt im Schlüsselkasten im Flur landet das Schlüsselbund in irgendeiner Ecke des Hauses, und beim Verlassen des Hauses findet man ihn nicht. Auch für solche Fälle hat das "Zuhause 18" eine Lösung: Den ITrackEasy Schlüsselfinder. Dazu wird an den Schlüsselbund ein kleiner Sensor gehängt, der einen lauten Piepston von sich gibt, wenn man dazu einen Suchbefehl über eine App gibt. In unserem Test funktioniert das einwandfrei.

Ein Video vom Test des Schlüsselfinder:



Einbruchschutz

Jeder Raum "Zuhause 18" ist mit einem Bewegungsmelder ausgestattet, einige Räume und der Haupteingangsbereich zusätzlich mit einer Kamera. Auch an jeder Tür und jedem Fenster gibt es Sensoren, die einem sagen, ob geöffnet ist oder nicht.

Im "Zuhause 18" in Oldenburg befinden sich im und am Haus eine Vielzahl von Bewegungssensoren. Sie geben dem Nutzer immer dann, wenn es Bewegung in dem Raum gibt, eine Nachricht aufs Smartphone. Das System kann dabei helfen, Einbrüche sofort festzustellen und einen Alarm auszulösen oder die Polizei zu informieren. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Das System eignet sich prima als Einbruchschutz. Die dazugehörige App benachrichtigt den Nutzer immer dann, wenn es Bewegung in einem Raum gibt oder ein Fenster beziehungsweise eine Tür geöffnet wurde - im schlimmsten Fall durch einen Einbrecher. Falls sich eine Kamera in dem betreffenden Raum befindet, kann der Verdacht eines Einbruchs sogar durch ein aktuelles Bild überprüft werden. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: die Polizei informieren und einen optischen und/oder akkustischen Alarm auslösen.


Im "Zuhause 18" in Oldenburg befinden sich im und am Haus eine Vielzahl von Bewegungssensoren. Sie geben dem Nutzer immer dann, wenn es Bewegung in dem Raum gibt, eine Nachricht aufs Smartphone. Das System kann dabei helfen, Einbrüche sofort festzustellen und einen Alarm auszulösen oder die Polizei zu informieren. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Fazit: Technisch funktionierten die Bewegungssensoren und auch die Kamera an der Haupteingangstür bei unserem Test einwandfrei. Bei Abwesenheit kann es durchaus helfen, Einbrecher abzuschrecken oder Einbrüche schneller zu erkennen. Was bleibt, ist ein unbehagliches Gefühl, ob das permanente Erstellen von Bildern oder die Überwachung von Bewegung im Haus nicht zu weit geht und die gesammelten Daten nicht in fremde Hände gelangen.


Datenschutz

Das Thema Schutz der Systeme und damit persönlicher Daten darf bei einem technisch derart ausgestatteten Haus ohne Zweifel nicht außer acht gelassen werden. Der Hauptgeschäftsführer des Digitalverband Bitkom, Bernhard Rohleder, sagt deshalb: "Wenn die Systeme zudem nicht ausreichend geschützt sind, können sich auch Unbefugte ihrer bedienen: Der Einbrecher öffnet dann selbst per Computer die Rollläden des Fensters, durch das er in die Wohnung eindringen will." Die Nutzer dürften auf keinen Fall die Hoheit über ihr Zuhause verlieren.

Der Verband hat daher auch die Hersteller smarter Geräte oder Techniken aufgefordert, die Produkte nur mit individuellen Passwörtern auszuliefern und zu gewährleisten, dass Sicherheitsupdates sehr schnell erfolgen. Außerdem sollten personenbezogene Daten immer verschlüsselt gespeichert oder übertragen werden.

Schöne neue Smarthome-Welt: Die modernen Techniken können dem Nutzer den Alltag erleichtern. Mit Passwörtern und Daten muss der Nutzer so sorgsam umgehen wie mit dem Schlüssel zu seinem Haus. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Was nervt?

Eine Vielzahl von Geräte bedeutet auch eine Vielzahl von Kabel und blockierter Steckdosen. Das kann in kleinen, eher engen Räumen, zum Beispiel dem Badezimmer oder der Gästetoilette, durchaus nerven, nämlich dann, wenn die Ablagefläche durch die Geräte oder die Kabel verkleinert wird. 

Viele Geräte bedeuten auch viele Kabel und blockierte Steckdosen. Wer ein mit smarter Technik ausgestattetes Haus plant, sollte das unbedingt berücksichtigen. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Wer mit dem Gedanken spielt, sein Haus derart smart einzurichten, sollte bei der Planung des Hausbaus oder der Sanierung ausreichend Ablagefläche und Steckdosen einplanen.


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