Gute Seele geht in Aschendorf Altenkamp-Leiterin Thea Lindt hört nach 25 Jahren auf

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Aschendorf. 25 Jahre war sie die gute Seele des Ausstellungszentrums Gut Altenkamp in Aschendorf. Nun verabschiedet sich Thea Lindt in den Ruhestand. Am Samstag, 30 Juni 2018, ist ihr letzter Arbeitstag.

Zum Abschied würdigt vor allem der Förderverein Freundeskreis Gut Altenkamp das Wirken von Lindt. „Sie hat in all den Jahren vieles getan, was sie nicht hätte tun müssen“, sagt Vorsitzende Carola Seelis. So aber habe Lindts Arbeit weit über das Normalmaß hinaus auch zum Ansehen des Förderkreises beigetragen. Seelis: „Thea Lindt ist für uns rund um die Uhr ansprechbar.“ Der Verein zählt derzeit knapp 170 Mitglieder.

Eine Vielzahl von Kleinigkeiten

Nach den Worten des früheren Kassenwartes Heiner Schäpermeier hat Lindt eine Vielzahl von Kleinigkeiten zu einem großen Wohlgefühl aufsummiert. Dass die Aschendorferin, die ihren Dienst im Ausstellungszentrum 1993 angetreten hat und zu den Fördervereinsmitgliedern der ersten Stunde (2004) zählt, auf gemeinsamen Fahrten des Freundeskreises immer für gute Stimmung gesorgt habe, sei dabei nur ein Beispiel von vielen.

Auch Trauungen organisiert

Als organisatorische Leiterin des Ausstellungszentrums, die sich auch um das Stiefelknechthaus, die standesamtlichen Trauungen, die Betreuung der Stipendiaten in der Künstlerwohnung und den Weihnachtsmarkt kümmerte, hat Thea Lindt insgesamt 43 Kunstausstellungen mitgestaltet und begleitet. Allein 31 davon wurden mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aus Berlin in Aschendorf durchgeführt. Eine der ersten war „Das Gold von Meroe“, die Schäpermeier zufolge seinerzeit direkt weiter nach Toronto (Kanada) ging.

Kontakt zu Restauratoren und Kuratoren

Die Ausstellungen führten Lindt mit einer Vielzahl von Restauratoren und Kuratoren zusammen. „So unterschiedlich sie auch waren – ich habe mit allen gut zusammengearbeitet, auch wenn es nicht immer einfach war“, sagt Lindt. Zu einigen halte sie bis heute Kontakt.

Besonders publikumswirksam war die Ausstellung des populären spanischen Künstlers Joan Miró im Jahr 2008. Aber nicht nur das: Wie Lindt weiß, bieten die Macher auf Gut Altenkamp mithilfe der Papenburger Kunstschule Zinnober seitdem auch zu jeder Ausstellung ein museumspädagogisches Begleitprogramm für Kinder und Jugendliche an.

„Weltsprache Abstraktion“ als Highlight

Thea Lindts persönliches Highlight ist aber nicht Miró, sondern eine andere Ausstellung gewesen: „Weltsprache Abstraktion“, die 2007 in Aschendorf lief. Ob der mystische Farbzauber Mark Rothkos oder die altägyptische Hockfigur, ob die Kultmaske von der Elfenbeinküste oder das Figurenrelief Oskar Schlemmers – „es waren die Objekte, die ich am liebsten mochte“, sagt Lindt, deren Nachfolge nach Angaben der Stadt Papenburg am Dienstag, 3. Juli 2018, Rika Lehnerl übernehmen wird.

Über Jahre ans Herz gewachsen

Aber nicht nur so manches Kunstwerk, sondern auch Besucher sind der Aschendorferin über die Jahre ans Herz gewachsen. Gern erinnert sie sich an ein älteres Ehepaar aus Schüttorf, das jede Ausstellung besuchte. Und zwar immer an einem Dienstagmorgen. „Eines Tages konnte der Mann aus Altersgründen nicht mehr mitkommen. Später ist er verstorben. Aber eines Tages war die Frau mit ihren Töchtern noch einmal da“, erinnert sich Lindt. Im Gästebuch des Gutes ist überdies nachzulesen, wie Besucher immer wieder erstaunt feststellen, dass in der Beschaulichkeit des nördlichen Emslandes kostbare Kunstschätze ausgestellt sind.

Bedrohliche Hitze

Zu den wertvollsten zählten die 100 Radierungen des niederländischen Meisters Rembrandt (1606–1669) aus dem Jahr 2010. Damals geriet Thea Lindt nicht nur wegen des heißen Sommers ins Schwitzen. Die tropischen Temperaturen sorgten dafür, dass die zum Schutz der Werke maximal zulässigen 23 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von unter 40 Prozent nicht einzuhalten waren. „Das war höhere Gewalt“, sagt Lindt und war erleichtert, dass die Radierungen die Hitze am Ende dennoch unbeschadet überstanden hatten. Besonders lobt sie in diesem Zusammenhang den ehemaligen städtischen Kulturamtsleiter und späteren Freundeskreis-Vorsitzenden Rainer Krieger. Er habe sie nicht nur an die Kunst herangeführt, sondern stets auch mit Rat und Tat zur Seite gestanden. „Ihm habe ich viel zu verdanken“, sagt Lindt.

Freude auf Enkel und Radfahren

Nun aber ist Schluss. Zunächst freut sich Thea Lindt auf das Ende des Termindrucks und der telefonischen Dauererreichbarkeit. „Erst mal werde ich das Nichtstun genießen“, sagt sie. Zudem will sie mehr Zeit mit ihren Enkeln, auf dem Fahrrad und im eigenen Garten verbringen. Und dann? „Es wird sich schon eine Aufgabe finden“, so Lindt.


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