Konzept gegen Fachkräftemangel Wohnprojekt soll Azubis ins Emsland locken

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Papenburg. Besteht im Bemühen um künftige Fachkräfte von außerhalb der Region ein Bedarf für Jugendwohnen im Emsland? Dieser Frage sind Vertreter von Kommunen, Kreishandwerkerschaft sowie der Surwolder Jugendhilfeeinrichtung Johannesburg in Papenburg nachgegangen.

Unter dem Motto „Heute ein Zuhause für die Fachkräfte von morgen“ hatte die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann zusammen mit der Verwaltungsspitze der Johannesburg zu einem Runden Tisch ins Jugendgästehaus eingeladen. Dabei stellte die Johannesburg ein Konzept für das Jugendwohnen vor – sozialpädagogische Begleitung inklusive.

„Chance für Betriebe“

Vor einer Umsetzung steht aber die grundsätzliche Frage nach einem Bedarf, wie Connemann in einleitenden Worten deutlich machte. „Es geht um Wohnmöglichkeiten für Jugendliche, die nicht von hier kommen. Betriebe lechzen nach ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Jugendlichen“, sagte Connemann. Sie sieht in dem Konzept Jugendwohnen, das an sich nicht neu ist, in der Region hingegen sehr wohl neu wäre, eine Chance für Betriebe, dem Fachkräftemangel im emsländisch-ostfriesischen Raum entgegenzuwirken.

Mit Begleitung

Nach dem Sozialgesetz kann jungen Menschen während der Teilnahme an schulischen oder beruflichen Bildungsmaßnahmen oder bei der beruflichen Eingliederung Unterkunft in sozialpädagogisch begleiteten Wohnformen angeboten werden. Das Jugendwohnen soll Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren bezahlbaren Wohnraum unter Gleichaltrigen mit Voll- oder Teilverpflegung sowie sozialpädagogische Begleitung bieten.

Johannesburg-Direktor Franz-Josef Lensker skizzierte das Jugendwohnen als eine „Win-win-Situation für alle Beteiligten“. Die Jugendhilfeeinrichtung fördere seit mehr als 100 Jahren junge Menschen im Ausbildungsalter und kooperiere mit weit mehr als 300 Betrieben in der Region. 68 Ausbildungsberufe ließen sich bei der Johannesburg erlernen. „Diese Vielfalt ist einzigartig in Deutschland“, betonte Lensker.

„Beziehungsarbeit ist unsere DNA“

Die Betreuung und Begleitung junger Menschen sei eine Kernkompetenz der Johannesburg. „Die Beziehungsarbeit ist unsere DNA“, sagte Lensker im Hinblick auf die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe und des Selbstwertgefühls junger Menschen. Aktuell betreuen die 360 Mitarbeiter der Johannesburg rund 550 Kinder und Jugendliche.

Projektmanagerin Martina Schumacher teilte mit, dass allein im Emsland, in dem bei einer Arbeitslosenquote von 2,48 Prozent praktisch Vollbeschäftigung herrscht, derzeit 5042 Arbeitsstellen unbesetzt seien. Die Zahl der freien Lehrstellen bezifferte Schumacher auf 2011, die der unversorgten Bewerber auf 662.

Schumacher zufolge betreiben mehr als 550 Einrichtungen in Deutschland Jugendwohnen (davon 25 in Niedersachsen), jährlich nutzten 200.000 Jugendliche das Angebot. Finanziert werden die Plätze nach ihren Worten unter anderem über die Agentur für Arbeit, Kammern, Innungen und Betriebe sowie über Schul-, Sozial- und Jugendämter.

Mindestens 100 Plätze

Eine Einrichtung mit der Johannesburg als möglicher Betreiberin müsse mindestens 100 Plätze in möblierten Zimmern vorhalten. Pro Platz sei eine Maximalförderung in Höhe von 25000 Euro möglich. Investieren könnten Wirtschaftspartner, Unternehmen, Kommunen aus den Landkreisen Emsland und Leer.

Connemann zufolge haben bereits einige größere Betriebe ihr Interesse signalisiert. Jugendwohnen habe sich in anderen Regionen bewährt.

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling, Hermann Schmitz, signalisierte ebenfalls großes Interesse für das Handwerk. „Die Idee ist gut“, sagte Schmitz. Auch der Sögeler Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers (CDU) sprach von einem „tollen Ansatz“ und einem vielversprechenden Konzept. „Wir müssen Leute von außerhalb holen, weil wir selbst nicht genügend eigene haben, die in die Ausbildung gehen“, sagte Wigbers. Heinz Walker von der Stadt Papenburg regte die Bildung einer Genossenschaft an, in der sich Betriebe zusammenschließen könnten. Nach den Sommerferien soll es ein Anschlusstreffen geben.

Ein Zuhause für die Fachkräfte von morgen: Jugendwohnen im Emsland? Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Weitere Infos und Kontakt: Martina Schumacher, Telefon 0 49 65/89 12 94, E-Mail: martina.schumacher@johannesburg.de


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