Gegen das Insektensterben Papenburg legt Blühstreifen an Schotterwegen an

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Naturnahe Blühstreifen will die Stadt Papenburg zunächst an Schotterwegen anlegen. Symbolfoto: Ulrike HavermeyerNaturnahe Blühstreifen will die Stadt Papenburg zunächst an Schotterwegen anlegen. Symbolfoto: Ulrike Havermeyer

Papenburg Die Stadt Papenburg will an den Schotterwegen im Stadtgebiet Blühstreifen anlegen. Dafür hat sich der Bau- und Umweltausschuss einstimmig ausgesprochen. Ziel ist eine Förderung der Insektenpopulation.

Für die Stadtverwaltung ist das Projekt ein Anfang. „Je größer die Fläche, desto sinnvoller“, sagte der Leiter des Tiefbauamtes, Holger Stell. Die Streifen sollen nach seinen Worten nur einmal im Jahr gemäht werden. Grundsätzlich gelte aber, dass die Verkehrssicherungspflicht gewährleistet bleiben müsse, so Stell.

Grünen-Ausschussmitglied Knut Glöckner begrüßte das Vorhaben. „Es ist Zeit zum Umdenken. Ich finde es gut und bemerkenswert, dass es jetzt auch in der Verwaltung stattfindet“, sagte Glöckner und sprach von einem „ersten Schritt“. Auch der promovierte Landwirt und Pflanzenschutzexperte Karsten Osmers aus Meppen, der im Ausschuss einen Vortrag zum Thema Insektensterben hielt, sieht Papenburg auf dem richtigen Weg.

„Rückgang unbestritten“

Osmers, der 37 Jahre im Dienst der Landwirtschaftskammer Weser-Ems gestanden hat – zuletzt als Leiter des Pflanzenschutzamtes, erklärte, dass die Insektenbestände nachweislich zurückgegangen seien. Über die Zahlen könne man streiten, „unbestritten ist aber, dass weniger Insekten da sind“. Das bedeute im Übrigen auch, dass es weniger Vögel, die Fressfeinde der Insekten, gebe.

Wie Osmers weiter ausführte, wird der Rückgang der Insekten zunehmend beschleunigt. „Da ist Dynamik drin“, sagte der Meppener. Aus seiner Sicht besteht ein eindeutiger Zusammenhang mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden. Glyphosat beispielsweise sorge dafür, dass weniger Pflanzen blühen und dessen Einsatz sei deshalb verantwortlich dafür, dass Insekten – nicht nur Bienen – weniger Nahrung finden würden. Glyphosat sei aber nur ein Wirkstoff von vielen.

Biologische Vielfalt steigern

„Was können wir tun?“, warf Osmers eine in diesem Zusammenhang wesentliche Frage auf und beantwortete sie gleich selbst. Er sprach sich für eine Steigerung der „Biodiversität“ (biologische Vielfalt) aus. Dazu müssten beispielsweise Wallhecken, Blühflächen und Ackerrandstreifen angelegt werden, auf denen Insekten bewusst Nahrungs- und Unterschlupfmöglichkeiten gegeben werden müssten. „Wildbienen oder Hummeln müssen Blüten anfliegen können, die auch da sind“, sagte Osmers. Zur Stärkung des Bewusstseins gehöre mehr Wissen über Nützlinge ebenso wie das Dulden von Schädlingen.

In diesem Zusammenhang sprach sich Osmers überdies dafür aus, Ausgleichszahlungen für Landwirte attraktiver zu machen. „Es müssen Anreize geschaffen werden.“ Letztlich seien aber nicht nur die Landwirte beispielsweise im Hinblick auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und der Fruchtfolge auf den Äckern, sondern alle gefordert. Als Beispiel nannte Osmers Gartenbesitzer, die bei der Gestaltung ihrer Flächen ums Haus gerne auf sogenannte Gabionen, schüttkorbartigen Zaunkombinationen aus Metall und Steinen, setzen. Sie seien zwar pflegeleicht, ließen der Vegetation aber keine Möglichkeit, sich zu entfalten.


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