Gedenken an NS-Opfer Schüler polieren Stolpersteine in Aschendorf

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Aschendorf. Zehntklässler der Heinrich-Middendorf-Oberschule in Aschendorf haben die im Ortsteil verlegten Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen, mit Politur, Tüchern und Schwämmen wieder zum Glänzen gebracht.

Nachdem die 42 Abschlussschüler bereits vor wenigen Tagen die gravierten Stolpersteine mit der Aufschrift von Helene und Sophie Hes an der Großen Straße gegenüber der Oldenburgischen Landesbank reinigten, stand am Donnerstagvormittag eine Putz-Aktion auf dem Marktplatz vor dem Sparkassen-Eingang an. Hier erinnern sechs Stolpersteine an das Schicksal der jüdischen Familie Sax. Nach und nach wurden die sechs Familienmitglieder von den Nazis Anfang der 1940er-Jahre in verschiedene Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. Im Jahr 2010 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig in Gedenken an die NS-Opfer aus Aschendorf die gravierten Messingsteine.

Steine haben „arg gelitten“

„In den acht Jahren seit der Verlegung haben die Steine doch arg gelitten“, teilt Sarah Schulte mit. Der Konrektorin der Heinrich-Middendorf-Oberschule fiel der verbesserungswürdige Zustand der Stolpersteine bei einem gemeinsamen Spaziergang mit ihrem Vorgänger Paul Thoben und der Lehrerkollegin Stephanie Wathall durch Aschendorf auf. Die Witterung hat einen dunklen Schleier über die Steine gelegt, so dass diese kaum noch auffielen. „Sie waren in keinem guten Zustand und kamen dadurch ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Innehalten und Gedenken, nicht mehr nach“, so Schulte.

Aufpolieren auch mit symbolischen Charakter

Mit den Schülern, die unter anderem bereits einen Wahlpflichtkurs im Emslandlager in Esterwegen absolvierten und anlässlich der Reichspogromnacht ein Schattentheater aufführten, kam die Idee, die Stolpersteine wieder auf Vordermann zu bringen. „Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, an die Geschehnisse während der NS-Zeit zu erinnern. Daher hat das Aufpolieren durchaus auch einen symbolischen Charakter“, erklärt Schulte.

Hoffen auf Nachahmer

Mit einer Art Scheuermilch machen sich die Zehntklässler vor dem Sparkassen-Eingang ans Werk. Obwohl dort reger Betrieb herrscht und Menschen ein- und ausgehen, werden sie nicht auf die Putzaktion angesprochen. Viele schauen interessiert, verlieren aber kein Wort. „Das muss auch gar nicht. Wir hoffen aber, dass wir einige Nachahmer finden, die weitere Stolpersteine reinigen“, so Schulte.

Biografien der Opfer vorgelesen

Besonders engagiert sind am Donnerstagvormittag Rebecca Münzer und Joshua Janning. Zuerst putzen die beiden Zehntklässler zwei Steine, ehe sie im Anschluss noch aus einem Heft des Aschendorfer Heimat- und Bürgervereins aus dem Jahr 2010 vorlesen, in dem die Biografien der acht jüdischen Opfer aus Aschendorf abgedruckt sind. „Wir wollen einfach, dass die Menschen nicht vergessen werden. Unsere Putzaktion ist auch als Respekt und Anerkennung gegenüber den NS-Opfern zu verstehen“, erklärt Janning. Damit werden die Jugendlichen auch dem Namensgeber der Oberschule gerecht. Der in Aschendorf geborene Pater Heinrich Middendorf versteckte in den letzten Kriegsjahren neun Juden in einem Kloster und bewahrte sie so vor dem Tod.

40 Stolpersteine im Stadtgebiet

Im Papenburger Stadtgebiet sind bislang 40 Stolpersteine verlegt worden. Außer den genannten in Aschendorf sind Gedenksteine an der Friederikenstraße, am Hauptkanal, am Mittelkanal, am Deverweg, an der Wiek sowie am Gasthauskanal zu finden. Weitere Informationen über Stolpersteine in Papenburg finden Sie auch im Internet unter www.stolpersteine-in-papenburg-aschendorf.de.


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