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14.06.2018, 17:33 Uhr KOMMENTAR

Zur Putzaktion in Aschendorf: Stolpersteine wahrnehmen

Kommentar von Christian Belling

Auf dem Aschendorfer Marktplatz haben die Schüler die sechs Stolpersteine der Familie Sax wieder zum Glänzen gebracht. Foto: Christian BellingAuf dem Aschendorfer Marktplatz haben die Schüler die sechs Stolpersteine der Familie Sax wieder zum Glänzen gebracht. Foto: Christian Belling

Aschendorf. In Aschendorf haben Zehntklässler der Heinrich-Middendorf-Oberschüler insgesamt acht Stolpersteine gereinigt, die an die Opfer des Nazi-Regimes erinnern sollen. Ein Kommentar.

Groß ist immer die Aufmerksamkeit, wenn Künstler Gunter Demnig weitere seiner bereits zigtausend verlegten Stolpersteine, die an die Opfer des Nazi-Regimes erinnern sollen, gegen vorhandenes Pflaster austauscht. So war es auch 2010, als Demnig an zwei Stellen in Aschendorf die Gedenksteine setzte. Doch was ist von dem geblieben?

Die vergangenen acht Jahre haben den Steinen arg zugesetzt. Matt und farblos erfuhren sie noch weniger Aufmerksamkeit, als ohnehin schon. An der Platzierung am Erdboden haben sich schon so manche gerieben, bis hin zu Interpretationen, dass das Leid der Opfer mit Füßen getreten werde. Das führt zu weit, doch muss die Frage erlaubt sein, ob die Stolpersteine den gewünschten Effekt erzielen.

Wie bei anderen Formen des Gedenkens an Wänden, Tafeln oder Stelen, ist bei der Beantwortung zuallererst derjenige gefragt, der damit konfrontiert wird und ob er ein Gedenken überhaupt zulässt. Dank der nachahmenswerten Putzaktion der Oberschüler kann in Aschendorf in nächster Zeit keiner mehr behaupten, er hätte die Stolpersteine nicht wahrgenommen. Denn dafür glänzen diese viel zu sehr und sind nicht zu übersehen.


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