Dienstantritt am 1. Oktober 2018 Hermann Wessels wird Erster Stadtrat in Papenburg

Mit Blumen gratulierten Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (links) und Ratsvorsitzender Friedhelm Führs (rechts) dem neuen Ersten Stadtrat und Kämmerer Hermann Wessels. Foto: Gerd SchadeMit Blumen gratulierten Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (links) und Ratsvorsitzender Friedhelm Führs (rechts) dem neuen Ersten Stadtrat und Kämmerer Hermann Wessels. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Papenburg hat einen neuen Ersten Stadtrat und Kämmerer. Mit überwältigender Mehrheit stimmte der Rat in einer Sondersitzung am Montag für Hermann Wessels. Der 57-jährige Aschendorfer wird seinen Posten im Rathaus zum 1. Oktober 2018 antreten.

Für Wessels stimmten in geheimer Wahl 31 der 36 anwesenden Ratsmitglieder. Drei votierten gegen ihn, zwei enthielten sich der Stimme. Nachdem Ratsvorsitzender Friedhelm Führs (CDU) das Ergebnis verkündet hatte, brandete Applaus im Sitzungssaal auf. „Ich nehme die Wahl gerne an, werde daran arbeiten, die Erwartungen zu erfüllen und mich bemühen, auch die Zweifler zu überzeugen“, sagte Wessels in seinem ersten Statement.


Der künftige Erste Stadtrat und Kämmerer ist noch Geschäftsführer des öffentlich-rechtlichen Zweckverbandes Ems-Dollart-Region (EDR), für den Wessels seit 1993 tätig ist. Zudem führt er die CDU-Stadtratsfraktion.

Ruhig, sachlich, unaufgeregt

Wie berichtet, hatte sich der Aschendorfer im Bewerbungsverfahren gegen 15 Mitbewerber durchgesetzt. Deshalb wurde er dem Rat auch von Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) wie erwartet als einziger Kandidat zur Wahl in das Beamtenverhältnis für die Dauer von acht Jahren vorgeschlagen. Vor der Abstimmung begründete das Stadtoberhaupt seinen Vorschlag nicht nur mit dem „unangefochtenen“ ersten Platz im Ranking eines intensiven und transparenten Auswahlverfahrens, sondern auch mit Wessels’ beruflichem und ehrenamtlichem Werdegang. Der gebürtige Bokeler ist studierter Sozialwissenschaftler mit den Fachrichtungen Wirtschaft und Recht und gilt dank seiner 25-jährigen Tätigkeit für die EDR beidseits der deutsch-niederländischen Grenze als bestens vernetzt. Bechtluft zeigte sich davon überzeugt, dass die Stadt von diesen Kontakten profitieren werde. Darüber hinaus bescheinigte ihm der Bürgermeister ein hohes Maß an fachlicher und sozialer Kompetenz. Zudem sei Wessels bekannt für seine ruhige, unaufgeregte und sachliche Art.

„Ein ganz feiner Mensch“

Vor dem Urnengang signalisierten Vertreter fast aller Fraktionen ungeteilte Zustimmung. „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, sagte Burkhard Remmers (CDU). Er bezeichnete Wessels als einen „ganz feinen Menschen“, dessen Kompetenz unbestritten und der über Parteigrenzen hinweg geschätzt sei. Eine bessere Wahl könne es gar nicht geben. Im Sinne eines möglichst verlässlichen und ehrlichen Ergebnisses sprach sich Remmers für eine geheime Wahl aus. Peter Raske (SPD) signalisierte ein mehrheitliches Votum seiner Fraktion. Er verwies zudem darauf, dass man Wessels auch ohne kostspieliges Ausschreibungsverfahren hätte wählen können. Das aber hätten einige Fraktionen nicht gewollt.

Volker Eissing (UBF) entgegnete dem, dass nur so eine Wahl möglich sei, die den Kandidaten aufgrund seiner politischen Herkunft nicht von vornherein beschädigen würde. Denn dank des Auswahlverfahrens in Form eines Assessment-Centers stehe nun zweifelsfrei fest, dass Wessels der beste Bewerber sei. AfD-Einzelratsherr Jens Schmitz unterstellte dennoch ein „Geschmäckle“.

Im zweiten Anlauf

Am Ende ging die Rechnung für Wessels im zweiten Anlauf auf. Denn der Vater dreier erwachsener Kinder hatte sich schon einmal um den Posten des Kämmerers beworben. Damals, im Dezember 2010, verweigerte ihm der Stadtrat jedoch die notwendige Stimmenmehrheit.

Lobende Worte richtete Ratsvorsitzender Führs an den bisherigen Ersten Stadtrat und Kämmerer Martin Lutz, der nicht anwesend war. Er scheidet offiziell zum 30. Juni vorzeitig aus dem Dienst der Stadt Papenburg aus. Führs dankte Lutz für die Zeit, in der er „seinen Beitrag für die Stadt geleistet habe“ und wünschte ihm nach seinem Abschied „aus gesundheitlichen Gründen“ alles Gute für den Ruhestand. Der Rat applaudierte.

Unerwähnt blieb, dass das Arbeitsverhältnis zwischen Bechtluft und Lutz seit Langem als schwierig galt. Mediationsversuche in den Jahren 2015 und 2016 waren erfolglos geblieben, 2017 beschloss der Rat, den im Frühjahr 2012 für die Dauer von acht Jahren gewählten Lutz vorzeitig in den Ruhestand zu schicken – wegen Dienstunfähigkeit, wie die Stadt seinerzeit mitteilte. Schließlich einigten sich Bechtluft und Lutz vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück auf ein vorzeitiges Ende des Wahlbeamtenverhältnisses.


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