Ringen um dauerhaften Liegeplatz „Prinz Heinrich“ soll in Papenburg bleiben


Papenburg. Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) hat ein Ringen um den dauerhaften Liegeplatz des vor mehr als 100 Jahren auf der Meyer Werft gebauten Traditionsdampfers „Prinz Heinrich“ eröffnet.

Beim Festakt zur offiziellen Rückkehr des Schiffes an seinen „Geburtsort“, wo es 1909 vom Stapel lief, verlieh Bechtluft am Samstag vor rund 180 geladenen Gästen in der Stadthalle Forum Alte Werft seiner Hoffnung Ausdruck, dass die „Prinz Heinrich“ vielleicht dauerhaft in der Fehnstadt vor Anker geht. Die Schleuse und die Herzen der Papenburger seien offen, sagte der Bürgermeister.

Seine Worte blieben allerdings nicht ohne Widerspruch. Nachdem zunächst ein Raunen mit protestierendem Unterton aus den Reihen des Publikums zu vernehmen war, rief der stellvertretende Leeraner Bürgermeister Jochen Kruse (SPD) seinem Amtskollegen zu: „Das wird nichts.“

Jede Menge Herzblut

Demnach wird die „Prinz Heinrich“ ihren angestammten Liegeplatz bis auf Weiteres in der Ledastadt behalten. Dort ist der einst schrottreife Dampfer in den vergangenen 13 Jahren von dem Verein „Traditionsschiff Prinz Heinrich“ um seinen umtriebigen Vorsitzenden Wolfgang Hofer mit viel Herzblut, Spendengeldern und unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden liebevoll restauriert worden. Wie berichtet, soll das 37 Meter lange ehemalige Post- und Passagierschiff regelmäßig zwischen Papenburg und Leer fahren sowie unter anderem auch nach Emden und Borkum touren.

Kein Versprechen

Hofer erkannte an, dass die Papenburger die „Prinz Heinrich“ in ihr Herz geschlossen hätten. Und doch könne und wolle auch er gegenwärtig nicht versprechen, ob das Schiff dauerhaft wie jetzt am Wochenende im Turmkanal festmacht. „Aber wir werden Papenburg so oft wie möglich anlaufen“, sicherte Hofer zu – vorausgesetzt der von ihm 2003 mit elf Mitstreitern gegründete und aktuell auf rund 550 Mitglieder angewachsene Verein verfüge weiterhin über entsprechende finanzielle Mittel und könne auch eine Besatzung stellen. Für den Umgang mit dem historischen Dampfantrieb müssten vor allem aber auch junge Menschen gewonnen werden.

„Das hat wehgetan“

Hofer machte in seiner Festrede keinen Hehl daraus, dass sich viele Menschen kopfschüttelnd abgewandt hätten, nachdem er sich entschlossen hatte, die in Rostock-Warnemünde hoffnungslos vor sich hin dümpelnde „Rostlaube“ auf Vordermann zu bringen. „Einige haben mich für verrückt erklärt. Das hat wehgetan“, sagte Hofer. Das Einzige, was ihm zwischenzeitlich geblieben sei, sei das Schreiben von Bettelbriefen geblieben. „Oft wusste ich nicht, wie es weitergehen sollte“, berichtete Hofer und betonte, dass das Projekt mehr als einmal vor dem Scheitern gestanden habe.

Originalbaupläne kopiert

Entsprechend stolz, vor allem aber auch dankbar zeigte er sich in seiner Ansprache. Ein besonderer Dank galt der Meyer Werft, die das Projekt zunehmend intensiver unterstützt habe – beispielsweise auch, in dem sie dem Verein Kopien der Originalbaupläne des Schiffes mit der Baunummer 240 zur Verfügung gestellt habe. „Die sind zum Teil noch in Sütterlin verfasst“, sagte Hofer.

Alle Redner würdigten die Leistung, das Engagement und Beharrlichkeit Hofers und seiner Mitstreiter. Bechtluft nannte die „Prinz Heinrich“ einen „Oldtimer der Meere und einen Hingucker für jeden, der sich auch nur ein bisschen für Schifffahrt“ interessiert. Der in der Kaiserzeit gebaute Dampfer sei ein Monument der Zeitgeschichte, in das er sich gleich beim ersten Besuch verliebt habe. Jochen Kruse gratulierte zur Verwandlung einer „alten Dame“ zu einer „wundervollen Lady“. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann erinnerte daran, dass für eine finanzielle Unterstützung des Bundes für die „Prinz Heinrich“ die Denkmalschutzrichtlinie umgeschrieben worden sei. Die habe bis dahin nämlich nur für immobile Denkmäler gegolten.

Schiff legt am Sonntag ab

Im Anschluss an den Festakt kletterten die Gäste an Bord und erkundeten das Schiff. Für Unterhaltung sorgte am Bug ein Ensemble der Musikschule des Emslandes. Am Sonntagvormittag gegen 11 Uhr legt die „Prinz Heinrich“ aus Papenburg ab. Für wie lange, ist unklar.

Fest steht, dass Bechtlufts Wunsch von Meyer-Werft-Geschäftsführer Tim Meyer Unterstützung erfuhr: Papenburg sei ein wunderschöner Liegeplatz, sagte Meyer.


Die „Prinz Heinrich“ wurde 1909 auf der Papenburger Meyer Werft als Doppelschrauben-Post- und Passagierdampfer für die Borkumer Kleinbahn & Dampfschifffahrts-AG gebaut. Sie verkehrte in erster Linie zwischen Emden und Borkum, während der beiden Weltkriege als Versorger. 1953 wurde das Schiff in „Hessen“ umbenannt, fünf Jahre später zu einem Motorschiff ausgebaut. 1970 stellte man es außer Dienst. Danach diente es als Museumsschiff „Mississippi“ für eine Überseeausstellung an der Trave in Lübeck. 2002 wurde die Ausstellung in den „Teepott“ nach Warnemünde verkauft, das Schiff blieb im Rostocker Hafen zurück. 2003 kaufte der Verein „Traditionsschiff Prinz Heinrich“ den Dampfer und ließ in nach Leer schleppen, wo er ab Ende 2005 restauriert wurde.

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