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125 neue „Mühlen“ 2016 erlaubt Emsland stellt Rekord bei Windrad-Genehmigungen auf

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 23.02.2017, 19:09 Uhr

Im Landkreis Emsland sind im vergangenen Jahr 125 neue Windräder genehmigt worden, so viele wie noch nie in der Geschichte des Kreises.

Die Nennleistung, also der durch die Anlagen mögliche Stromertrag, stieg erstmals über die 1000-Megawatt-Marke. Das geht aus aktuellen Daten hervor, die das Kreishaus und die Rathäuser der Städte Meppen, Lingen und Papenburg auf Anfrage unserer Redaktion veröffentlicht haben.

Demnach haben die 125 im Jahr 2016 im Emsland genehmigten Windenergieanlagen (WEA) eine Nennleistung von 445 Megawatt (MW). Bis zum 31. Dezember 2015 waren 496 WEA mit einer Netzleistung von insgesamt 738 MW durch den Landkreis genehmigt und durch die Antragsteller errichtet worden. „Gerade im vergangenen Jahr 2016 ist eine große Anzahl von Windenergieanlagen im Landkreis Emsland genehmigt, begonnen oder in Betrieb genommen worden. Teilweise wurden oder werden für Neubauprojekte auch ältere Anlagen zurückgebaut. Weitere Projekte stehen in den Startlöchern“, teilte eine Sprecherin der Kreisbehörde in der Stellungnahme mit.

Eine Übersicht der Genehmigungen, aufgeteilt auf die 19 Kommunen im Emsland, konnte die Kreisbehörde nicht liefern. Unserer Redaktion hatte danach gefragt, um örtliche Unterschiede und möglicherweise Ungleichgewichte aufzuzeigen.

Gesetzesänderung sorgt für Antragsflut

Ursache für die zahlreichen Anträge und Neubauten der Windmühlen bundesweit sind Änderungen bei den Förderrichtlinien für den produzierten Strom. Ab 2017 erhalten Betreiber nach der jüngsten Änderung des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) keinen festen Vergütungssatz mehr, sondern müssen sich erst einem Ausschreibungsverfahren stellen.

Künftig erhalten nur noch diejenigen einen Zuschlag, die der Bundesnetzagentur den Windstrom zum günstigsten Preis anbieten. Deshalb zogen viele Windparkbetreiber Investitionen vor. Bis Ende 2016 genehmigte und bis Ende 2018 in Betrieb genommene Anlagen werden nämlich nach altem Recht behandelt.

Meldepflicht erst seit August 2014

Wie viele WEA sich zum Stichtag 31. Dezember 2016 tatsächlich im Emsland gedreht haben, kann der Landkreis nicht exakt beantworten. „Nach der Anlagenregisterverordnung sind die Betreiber verpflichtet, ab dem 1. August 2014 neu in Betrieb genommene Anlagen zu melden. Die Meldepflicht betrifft auch Windkraftanlagen und deren Genehmigungen. Bestandsanlagen müssen nur gemeldet werden, wenn bestimmte meldepflichtige Ereignisse eintreten, zum Beispiel eine Änderung der installierten Leistung“, so der Landkreis.

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Weil durch das sogenannte Repowering, also dem Austausch älterer und unrentabler Anlagen durch neue, meist deutlich größerer Räder, oft auch Anlagen wegfallen, hat sich die Zahl der WEA insgesamt gar nicht so gravierend erhöht. In den Büchern des Landkreises sind aktuell 502 „Mühlen“ gemeldet. Die Rechnung aus dem Kreishaus sieht wie folgt aus: Von den wie oben erwähnten 496 zum 31. Dezember 2015 durch den Landkreis genehmigten Rädern mit einer Leistung von 738 MW wurden bislang 50 Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 37 MW bereits wieder zurückgebaut. Bei den 125 im Jahr 2016 genehmigten WEA mit einer Nennleistung von 445 MW ist vorgesehen, 69 Anlagen mit einer Nennleistung von etwa 94 MW innerhalb dieser Projekte zurückzubauen.

14 Anlagen noch in Genehmigungsphase

Die Gesamtzahl der WEA wird sich demnach aller Voraussicht nach um 56 Anlagen mit einer zusätzlichen Gesamtleistung von 351 MW erhöhen. „Werden alle genehmigten Projekte umgesetzt, ergibt sich im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Emsland eine Anzahl von 502 WEA mit einer Gesamtleistung von 1.052 MW“, so der Landkreis.

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Zahlen können sich durch Änderungen von Projekten oder weiterer Datennacherfassungen im Laufe der Zeit noch verändern, betont die Behörde in der Stellungnahme. Aktuell sind weitere 14 Windenergieanlagen innerhalb von sechs Verfahren beantragt. Sollten alle Anlagen genehmigt werden können, wäre dies ein weiterer Zuwachs der Gesamtleistung um 42,9 MW. Die Entscheidungen stehen jedoch noch aus.

Städte verwalten ältere Anlagen teilweise selber

Nicht in den Zahlen enthalten sind teilweise Anlagen, die in den Städten Meppen, Lingen und Papenburg installiert wurden. Im Regelfall handelt es sich dabei um ältere „Mühlen“. In den Genehmigungsbüchern der Kreisstadt Meppen befinden sich aktuell sieben WEA mit einer Leistung von 6,18 MW. Die Stadt Lingen berichtet über 14 Anlagen mit 20,69 MW, die nicht über den Landkreis genehmigt wurden.

In Papenburg werden insgesamt vier WEA mit 16,95 MW im Rathaus verwaltet. Rechnet man die durch die Städte verwalteten Anlagen und ihre Nennleistung mit den Landkreiszahlen sowie den noch beantragten Rädern hinzu, ergibt dies 541 WEA mit 1138 MW Leistung.

Niedersachsen ist „Windenergieland Nummer 1“

Auch landesweit hat sich die Zahl neuer oder neu errichteter Windräder 2016 stark erhöht. Nach Angaben des Landesumweltministeriums auf Basis neuester Zahlen der Beratungsgesellschaft „Deutsche Windguard“ belegt Niedersachsen im Bundesländervergleich beim jährlichen Zubau von Windenergieanlagen den ersten Platz.

„312 Windenergieanlagen wurden 2016 in Niedersachsen neu aufgebaut. Mit 900 Megawatt neu installierter Leistung zwischen Harz und Küste stellt 2016 zugleich ein historisches Rekordjahr dar“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Das Land bleibe mit einer installierten Leistung von 9.324 Megawatt und 5.857 Anlagen das „Windenergieland Nummer 1“. In Gesamtdeutschland stieg die Zahl der Anlagen auf 27.270 mit zusammen 45.911 Megawatt. Ein Anstieg um 10 Prozent gegenüber 2015.

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Befürworter und Kritiker

Für das Land, die Kommunen oder die Grundstückseigentümer bedeuten die neuen Windräder zusätzliche Einnahmen, schließlich fließen verschiedene Steuern und Abgaben in die Kassen . Befürworter weisen zudem auf die Sauberkeit, die Endlosigkeit von Wind-, Sonnen- oder Wasserkraft hin. Kritiker bemängeln gerne den Eingriff in das Landschaftsbild oder die Nachteile für die Tierwelt hin. Im August 2016 bei der 3. Klimakonferenz in Lingen hatte Dirk Kopmeyer, Kreisbaurat und Vorsitzende der Energieeffizienzagentur des Landkreises, gesagt: „Wir sind bei der Windenergie an der Grenze, was der Raum gut vertragen kann.“