Überfälle in Papenburg und Westoverledingen Überfälle in Papenburg und Westoverledingen: Lange Haft gefordert

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Die Überfälle in Papenburg und Westoverledingen wurden vor dem Landgericht Osnabrück verhandelt. Symbolbild Landgericht OsnabrückDie Überfälle in Papenburg und Westoverledingen wurden vor dem Landgericht Osnabrück verhandelt. Symbolbild Landgericht Osnabrück

Papenburg/Osnabrück. Lange Haftstrafen von sechs und vier Jahren für die beiden Hauptangeklagten hat die Anklage im Fall der Überfälle auf zwei Tankstellen in Papenburg und einer Spielhalle in Westoverledingen gefordert. Die drogenabhängigen Tatverdächtigen hatten bei den Raubzügen CO2-Waffen mit sich geführt. Für eine mitangeklagte Frau, die das Fluchtauto lenkte, wurden zwei Jahre Haft beantragt.

„Drei junge Leute mit einer dummen Idee machen einen auf Bonnie & Clyde im nördlichen Emsland“ – so formulierte der Oberstaatsanwalt das Geschehen in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Osnabrück. Zu den Überfällen hatten sich ein 23-jähriger gebürtiger Papenburger, seine 19-jährige Partnerin und ein 19-jähriger aus Leer hinreißen lassen. Die beiden jungen Männer waren seit Jahren drogenabhängig, finanziell beim Nullpunkt angekommen und fassten im Dezember 2017 den Entschluss, Überfälle zu verüben.

Eine mögliche dritte Tat blieb ein Versuch

Schauplatz der ersten Tat war eine Tankstelle am Osterkanal in Papenburg, wo der jüngere der beiden Männer die Angestellte mit einer Gaspistole bedroht und mit den erbeuteten 430 Euro geflüchtet war. Als nächstes wurde die Spielhalle überfallen. Dieses Mal war es der 23-Jährige, der die dort tätige Angestellte mit der Waffe bedrohte, die ihm 500 Euro aushändigte. Der andere hatte derweil an der Türe Schmiere gestanden. Beide rannten anschließend zum Auto. Dort wartete die 19-Jährige auf sie, und sie flüchteten unerkannt. Eine dritte Tat war im Versuch steckengeblieben. Der Überfall auf eine weitere Tankstelle in Papenburg war erfolglos geblieben, weil der dortige Mitarbeiter die Täter frühzeitig gesehen und schnell das Weite gesucht hatte. Er alarmierte die Polizei, die das verbrecherische Trio festnahm und dabei eine Liste mit möglichen Zielen von weiteren Überfällen sicherstellte.

„Es ging den Angeklagten um die Beschaffung von Geld für Drogen und um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten“, fasste der Ankläger den Hintergrund der Taten zusammen. Mit dem Einsatz der ungeladenen Waffe sei der Tatbestand der schweren räuberischen Erpressung erfüllt. Für die Überfallenen sei nicht erkennbar gewesen, dass die Waffe ungeladen gewesen sei, weshalb sie unmittelbar um ihr Leben fürchteten. Die Opfer, die als Zeugen im Verfahren aussagten, sind noch heute vom Geschehen gezeichnet und trugen psychische Beeinträchtigungen davon.

Unterbringung in Drogenentzugsklinik gefordert

Der 23-Jährige soll nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden und sechs Jahre ins Gefängnis, der 19-Jährige für vier Jahre gemäß Jugendstrafrecht. Für beide wurde weiterhin die Unterbringung in einer Drogenentzugsklinik gefordert. Da der Tatbeitrag der mitangeklagten 19-Jährigen geringer war als der der anderen, beantragte der Ankläger hier zwei Jahre Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Der Verteidiger des älteren Angeklagten bat um eine Strafe von unter vier Jahren für seinen Mandanten und verwies auf dessen Reifeverzögerung. Auch der Anwalt des 19-Jährigen hielt eine Strafe unterhalb der vom Staatsanwalt geforderten Strafe für angemessen. Der Verteidiger der jungen Frau stellte keinen Antrag.

Die Angeklagten machten von ihrer Möglichkeit einer letzten Äußerung Gebrauch und entschuldigten sich noch einmal bei den Opfern der Überfälle. „Ich hätte niemals gedacht, dass mich die Drogen einmal so weit bringen könnten“, sagte der 19-Jährige.

Das Urteil wird am Donnerstag, 31. Mai, bekannt gegeben.


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