Auf Gut Altenkamp Ensemble „Klangschmelze“ mit famosem Auftritt in Aschendorf

Von Daniel Lösker

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Ricardo Magnus (Fortepiano) und Leonard Schelb (Traversflöte), zusammen das Ensemble „Klangschmelze“, feiern mit ihren Interpretationen die Musik des 18. Jahrhunderts. Foto: Daniel LöskerRicardo Magnus (Fortepiano) und Leonard Schelb (Traversflöte), zusammen das Ensemble „Klangschmelze“, feiern mit ihren Interpretationen die Musik des 18. Jahrhunderts. Foto: Daniel Lösker

dloe Aschendorf. Die Zeit Friedrichs des Großen musikalisch auf eine neue Ebene erhoben hat das Ensemble „Klangschmelze“ bei seinem Auftritt auf Gut Altenkamp in Aschendorf.

Wer behauptet, die sogenannte „Galante Musik“ des 18. Jahrhunderts sei ein wenig verharrt zwischen Barock und Klassik, wäre ganz schön für nebenbei, hätte aber ansonsten nicht viel zu bieten, der hat das Ensemble Klangschmelze noch nicht gehört.

Aus dem Tiefschlaf geholt

Leonard Schelb (Traversflöte) und Ricardo Magnus (Hammerflügel) scheinen mit ihrem sensationell aufeinander abgestimmten Spiel die Kunst der Zeit des Alten Fritz aus ihrem Tiefschlaf zu holen. Als ob man einen alten silbernen Kerzenleuchter endlich wieder aufpoliert, der dann sein graues Dasein zu einem glänzenden Hingucker verändert, so verleihen die beiden jungen Protagonisten den Kompositionen von Johann Philipp Kirnberger, Georg Anton und Franz Benda, Johann Joachim Quantz sowie Johann Christoph Friedrich Bach ein strahlend neues Gesicht.

Schlichtweg atemberaubend

Die „Sonate d-Moll“ des Letztgenannten, mit ihrem zweiten Satz, einem ebenso wunderbaren, wie ungewöhnlichen Andante, wird dabei zum finalen Höhepunkt. Schelbs Spiel auf seinem Instrument, der Traversflöte, ist schlichtweg atemberaubend. Ob schnelle Koloraturen oder ausladender Melodienreichtum, alles scheint wie selbstverständlich dahinzufließen. Der gebürtige Argentinier Ricardo Magnus, kongenialer Partner Schelbs, zaubert einen schier überbordenden Farbenreichtum aus seinem Fortepiano, einem Nachbau eines Instruments des 18. Jahrhunderts. Fantasievoll und mit herausragender Anschlagskultur ausgestattet, interpretiert er die vom „Bückeburger Bach“ vorgesehenen rezitativischen Einwürfe derart grandios, dass man wünschte, das Andante möge ewig dauern.

Der Partitur verpflichtet

Trotz dieser unüberhörbaren exzellenten Meisterschaft der zwei Instrumentalisten wird Virtuosität nie zum Selbstzweck. Beide fühlen sich stets der Partitur verpflichtet und schaffen es mit professioneller Herangehensweise den Werken der Frühklassik jene Würde zurückzugeben, die sie verdient haben. Dass dabei dennoch ständig etwas Neues zu entstehen scheint, die Musik vermeintlich mühelos eine neue Ebene erreicht, ist der atemlosen Intensität des Zusammenspiels von Schelb und Magnus zu verdanken.

Titel eine Untertreibung

„Von der Entdeckung der Empfindsamkeit“, so nennen die Beiden ihr Programm. Wer in den prächtigen Räumen des Gut Altenkamp genau zuhört, weiß, dass dieser Titel eine maßlose Untertreibung ist. Längst sind die herausragenden Musiker über das Stadium des Weges zur Entdeckung hinaus. So müsste es, wären sie nicht klug genug, Bescheidenheit als Tugend anzusehen, eigentlich heißen: „Von unserer Entdeckung der Empfindsamkeit in der Musik“. Recht hätten sie!


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