Gutachter sagt vor Gericht aus Nach Attacke auf Ehemann in Werlte: Frau soll vier Jahre in Haft

Von Horst Troiza

Das Verfahren gegen die 55-Jährige vor dem Landgericht Osnabrück wird Mitte Juni mit dem Plädoyer des Verteidigers fortgesetzt. Symbolfoto: Michael GründelDas Verfahren gegen die 55-Jährige vor dem Landgericht Osnabrück wird Mitte Juni mit dem Plädoyer des Verteidigers fortgesetzt. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Für die 55-Jährige, die in Werlte ihren Ehemann mit einem Messer angegriffen und mit sieben Stichen beinahe getötet haben soll, hat die Staatsanwaltschaft vier Jahre Haft gefordert. Einem Gutachter zufolge haben Wahnvorstellungen die Frau in einen Zustand von Depression und zu Suizidgedanken geführt.

Aus diesem Zustand heraus soll sie ihren eigenen Ehemann angegriffen haben, sagte der Gutachter jetzt bei der Fortsetzung des Prozesses vor dem Landgericht Osnabrück.

Gegenstand der Wahnvorstellung der Angeklagten ist laut dem Gutachter eine Videoaufnahme gewesen, die angeblich sie und einen anderen Mann beim außerehelichen Geschlechtsverkehr zeigt. Der Film kursiere inzwischen in ihrem früheren Heimatdorf, aber auch unter Arbeitskollegen und selbst innerhalb ihrer Familie, hatte sie behauptet. Deswegen habe sie sich in der Wohnung auf dem Hümmling abgekapselt. Zuletzt wollte sie diese nicht einmal mehr zur Arbeit verlassen. Am Tattag sei des deshalb zum Streit mit ihrem Mann gekommen. Als dieser barsch erklärt hatte, sie würde das nur vortäuschen um nicht arbeiten zu müssen, soll sie das Messer genommen und mehrfach zugestochen haben.

Gutachter: Kein Beleg für Existenz des Videos

„Bislang gibt es aber keinen Beleg für die Existenz einer solchen Aufnahme“, erklärte der Gutachter dem Gericht. Auch ob es überhaupt einmal eine außereheliche Affäre der Frau gegeben habe, darüber bestünden seinerseits Zweifel. Vielmehr habe die Angeklagte bei der Untersuchung angegeben, es sei schon in ihrem Heimatdorf hinter vorgehaltener Hand über sie geredet worden, als sie gerade einmal 14 Jahre alt gewesen war. Das deutet dem Gutachter zufolge auf eine tief sitzende psychische Störung hin.

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„Der Wahn selbst hat bei der Ausführung der Tat aber keine Rolle gespielt“, darauf legte sich der Experte fest. Hinter der Angeklagten liege ein „schwieriges, leidvolles und freudloses Leben“, an dem ihrer Darstellung nach die häufige Untreue ihres Ehemannes und seine ihr gegenüber an den Tag gelegte Teilnahmslosigkeit Schuld sei. „Nicht einmal als sie ihm ihre Suzidgedanken äußerte, hat ihn das interessiert“. Danach sei in ihr die Idee aufgetaucht, dass er an allem die Verantwortung trüge, woraufhin sie beschlossen habe, ihn zu töten.

Staatsanwalt plädiert auf gefährliche Körperverletzung

Der Staatsanwalt folgte dem Gutachter und sprach in seinem Plädoyer nicht mehr von einem versuchten Totschlag, sondern einer gefährlichen Körperverletzung. „Die Angeklagte ist in ihrer täglichen Lebensführung durch ihre Wahnvorstellung schwerst beeinträchtigt gewesen“. Er beantragte eine Haftstrafe von vier Jahren Dauer. Ihre Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung verneinte er, ebenso wie es der Gutachter schon getan hatte.

Das Verfahren wird Mitte Juni mit dem Plädoyer des Verteidigers fortgesetzt.

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