Prozess gegen Trio geht weiter Angestellte in Papenburg leiden unter Folgen von Raubüberfällen

Von Horst Troiza

Vor dem Landgericht Osnabrück geht der Prozess gegen drei Angeklagte weiter, die Überfälle auf Tankstellen in Papenburg und eine Spielothek in Westoverledingen verübt haben sollen. Symbolfoto: Michael GründelVor dem Landgericht Osnabrück geht der Prozess gegen drei Angeklagte weiter, die Überfälle auf Tankstellen in Papenburg und eine Spielothek in Westoverledingen verübt haben sollen. Symbolfoto: Michael Gründel

Papenburg/Osnabrück. Noch heute leiden Mitarbeiter einer im Dezember 2017 in Papenburg überfallenen Tankstelle und einer Spielhalle in Westoverledingen nach eigenem Bekunden unter den psychischen Folgen der Taten. Im Verfahren gegen die drei Beschuldigten aus Ostrhauderfehn und Leer vor dem Landgericht Osnabrück wurden am zweiten Tag der Hauptverhandlung eine Reihe von Zeugen gehört.

„Früher habe ich mich immer sicher gefühlt. Das ist heute nicht mehr so“. Der 46-jährigen Angestellten der Spielhalle ist die Tragweite ihrer Aussage anzusehen. Einige Male versagt ihr die Stimme. Tränen fließen. Sie habe bis heute das Geschehene nicht überwunden, das sie am späten Abend des 10. Dezember erlebte.

Über den Tresen gesprungen

Mit einem Mal sei ein maskierter Mann über den Tresen gesprungen, habe ihr eine Pistole vors Gesicht gehalten und Geld gefordert. Die 46-Jährige habe ihm den Inhalt der Kasse in einen Rucksack geschüttet, den der Mann sich von einem in Türnähe stehenden Komplizen geholt habe. Danach sei die Frau gezwungen worden, den Tresor zu öffnen. Dieser habe ein zweites Fach besessen, für das sie jedoch keinen Schlüssel hatte. „Da fuchtelte er mit der Waffe vor mir herum. Ich habe furchtbare Angst gehabt“, sagte die Frau aus.

Weinkrämpfe und Angstzustände

Als der, wie inzwischen feststeht, 23-jährige Täter dann den Überfall abbrach und mit den 475 Euro aus der Kasse geflüchtet war, war für die Zeugin die Sache nicht ausgestanden. „Ich war schockiert und die schlaflosen Nächte begannen“. Mit Verzögerung sei dann ein Zusammenbruch mit Weinkrämpfen und Angstzuständen gekommen. Noch heute befindet sie sich in psychologischer Behandlung. „Ich bin auf der Strecke geblieben“, sagte die 46-Jährige am Ende der Befragung.

Auch für den 19 Jahre alten Mitarbeiter einer Tankstelle in Papenburg sind die Folgen des Überfalls am 19. September nicht ausgestanden. Dabei hatte er noch Glück gehabt. Er war gerade im Außenbereich beschäftigt gewesen, als er durch die große Glasscheibe einen Maskierten im Kassenraum erkannt hatte. Dieser, ein 19-jähriger Wohnungsloser aus Leer, hatte von innen eine Pistole auf ihn gerichtet, doch der Mitarbeiter nahm Reißaus. Er rief die Polizei an, die den Räuber und seine beiden Komplizen festnehmen konnten. Wie der als Zeuge geladene junge Mann aus Papenburg erklärte, belaste ihn noch heute jede Nachtschicht an der Tankstelle. „Ich lebe mit der Angst, dass so etwas wieder passiert“.

Frau soll Fluchtfahrzeug gesteuert haben

Ähnlich geht es der Angestellten der zuerst wie die Spielhalle ebenfalls am 10. Dezember überfallenen Tankstelle in Papenburg. Sie war ein knappes halbes Jahr zuvor bereits schon einmal überfallen worden. Danach habe sie eine Weile nachts nicht mehr gearbeitet. Sie hat sich nach dem neuerlichen Überfall in psychologische Behandlung begeben, geht jetzt aber wieder ihrer Tätigkeit nach. „Aber man macht sich ja doch so seine Gedanken, wenn mal jemand in auffälliger Weise die Tankstelle betritt“, sagt sie.

Die drei Angeklagten – eine 19-Jährige soll das Fluchtfahrzeug gesteuert haben – haben nach eigenen Bekunden die Überfälle verübt, um ihre Drogensucht zu finanzieren. Auch bei den Taten wollen sie unter Drogeneinfluss gestanden haben. Das Verfahren wird fortgesetzt.