Papenburg und Werlte stark betroffen So wirkt sich die flexible Einschulung im nördlichen Emsland aus

Von Daniel Gonzalez-Tepper

Statt zur Schule gehen auch im nördlichen Emsland einige Kinder vorerst weiter zum Kindergarten, zumindest dann, wenn die Eltern sich dafür entscheiden. Für Kommunen und Schulträger bedeutet die Flexibilisierung eine schwierigere Planung. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpaStatt zur Schule gehen auch im nördlichen Emsland einige Kinder vorerst weiter zum Kindergarten, zumindest dann, wenn die Eltern sich dafür entscheiden. Für Kommunen und Schulträger bedeutet die Flexibilisierung eine schwierigere Planung. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Papenburg. Die Flexibilisierung des Einschulungstermins an Grundschulen in Niedersachsen hat auch Auswirkungen auf die Kommunen im nördlichen Emsland. Die Stadt Papenburg und die Samtgemeinden Werlte und Nordhümmling sind am stärksten betroffen.

Die Große Koalition im Landtag in Hannover hatte bereits kurz nach dem Start die neue Regelung auf den Weg gebracht. Seitdem können Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, den Schulstart um ein Jahr hinausschieben, wenn sie dies möchten. Dazu genügt ein formloses Schreiben an die Schule, Stichtag dafür war der 1. Mai. Eine Zurückstellung war zwar auch bisher schon möglich, bisher waren Eltern aber gezwungen, per Attest nachzuweisen, dass das Kind körperlich, geistig oder im sozialen Verhalten nicht genügend entwickelt ist.

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Planung wird erschwert

Was für Eltern und Kinder Vorteile bringt, kann bei Kommunen für Schwierigkeiten sorgen, weil die Planung der Kitaplätze beziehungsweise des Raumbedarfs in den Grundschulen erschwert wird. So sagt Martina Brauer, Fachdienstleiterin Schule/Familie der Stadt Papenburg: „Das Verfahren sorgt in diesem Jahr für Unruhe, da die Kinder länger in den Kitas bleiben und die Plätze dort nicht neu vergeben werden können. Insbesondere die kurzfristige Umsetzung sorgt dabei für Probleme.“

Die Zahl erklärt die von der Einschulung zurückgestellten Kinder. Quelle: Städte und Kommunen, Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

In der Fehnstadt haben sich 22 Eltern dafür entschieden, die Kinder von der Schule zurückstellen zu lassen – im Prinzip also eine ganze Kindergartengruppe mehr beziehungsweise eine ganze Grundschulklasse weniger. Die Kommune rechnet allerdings damit, für alle eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Brauer glaubt: „In den nächsten Jahren wird die Flexibilisierung nicht mehr so große Probleme bereiten, da es sich durch die Folgejahre ausgleichen wird.“

15 von 25 Kinder in Werlte zurückgestellt

In der Samtgemeinde (SG) Werlte haben bei 25 Kindern, die theoretisch die Möglichkeit zum längeren Verbleib im Kindergarten gehabt hätten, nach Angaben von Stadtsprecher Andy Albers immerhin 15 Eltern von dem Wahlrecht gebrauch gemacht. „Die Einrichtungen wurden dennoch nicht überrascht, alle Kinder konnten ausnahmslos untergebracht werden“, so Albers, der betont, dass die Möglichkeit, jüngere Kinder später einschulen zu lassen, seitens der Kindertagesstätten „ausdrücklich begrüßt“ werde.

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Im Rathaus und auch bei den Eltern jüngerer Kinder, die ihre Kinder zum neuen Kindergartenjahr angemeldet haben, bedeutet der späte Entscheidungstermin 1. Mai Unsicherheit, weil auch die Entscheidung, ob ein Kindergartenplatz zur Verfügung steht oder nicht, sich nach hinten verzögert. Albers nennt die Neuregelung daher „zu plötzlich und zu wenig durchdacht“. „In diesem Jahr gab es in der Samtgemeinde Werlte keine größeren Probleme, doch eine Aussage für die kommenden Jahre kann nicht getroffen werden“, so der Sprecher.

Kalkulierbarkeit künftig grundsätzlich erschwert

Mit immerhin 14 Kindern, die weiter in der Kita verbleiben, betroffen ist die SG Nordhümmling, die mit rund 12.000 Einwohnern zu den kleinsten Kommunen im nördlichen Emsland gehört. Dennoch nennt Christoph Hüntelmann, Erster Samtgemeinderat und derzeit vertretungsweise auch SG-Bürgermeister, die Auswirkungen für das kommende Kindergarten- bzw. Schuljahr „überschaubar“, die 14 Kinder könnten in den sechs Kindergärten untergebracht werden, und auch die Grundschulen müssen keine Klassen streichen. Dennoch sagt auch Hüntelmann: „Durch die Flexibilisierung ist natürlich die Kalkulierbarkeit sowohl für Kita als auch für Grundschulen künftig grundsätzlich erschwert.“

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Dem pflichtet Andreas Hövelmann, Fachbereichsleiter Bildung, Personal und Hauptamt bei der SG Dörpen, bei. „Insgesamt sind die Auswirkungen für die Samtgemeinde Dörpen als Schulträgerin somit in absoluten Zahlen und im Verhältnis in diesem Jahr gering“, so Hövelmann, bei dem vier Zurückstell-Anträge eingegangen sind. Einige Schulleiterinnen in der SG würden aber davon ausgehen, dass im kommenden Jahr vermutlich mehr Eltern von der Regelung Gebrauch machen werden.

Kaum Anträge in Rhede und Lathen

Ebenfalls keine oder so gut wie keine Auswirkungen hatte die Neuregelung in der Einheitsgemeinde Rhede (ein Kind) und in der SG Lathen, wo es sogar keinen einzigen Antrag gab, wie Wilfried Hebbelmann, bei der SG für den Bereich Schulen zuständig, berichtet. „Das mag auch daran liegen, dass diese Wahlmöglichkeit erst Ende Februar 2018 gesetzlich normiert worden ist. Die Eltern-Entscheidungen 2019 bleiben abzuwarten“, so Hebbelmann, der ergänzt: „Grundsätzlich trägt diese Regelung nicht zur Planungssicherheit bei, was den Bedarf an zusätzlichen Kindergartenplätzen anbelangt. Auch wäre ein früherer Entscheidungszeitpunkt von Vorteil.“ Rhedes Bürgermeister Gerd Conens meint: „Auch wenn es in Rhede durch die schon immer praktizierte frühzeitige und enge Abstimmung aller Beteiligten in diesem Jahr keine Probleme gegeben hat, würde ein früheres Datum für die Entscheidung der Eltern, zum Beispiel im Februar, die Planungen für alle Beteiligten erleichtern.“

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