BAG-Präsident in Papenburg „Güterverkehr auf Straßen wird weiter zunehmen“

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Papenburg. Bei Verbesserungen der Situation für Lkw-Fahrern an Laderampen sieht das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) Gewerbeaufsichtsämter und die Politik in der Pflicht. Das hat BAG-Präsident Andreas Marquardt bei einem Besuch in Papenburg deutlich gemacht. Der Güterverkehr auf den Straßen werde weiter zunehmen, prophezeite er.

„Unser Aufgaben sind gesetzlich festgelegt. Die Sicherung von Laderampen ist Sache der Gewerbeaufsichtsämter“, betonte Marquardt, der auf Einladung der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann bei der Spedition Bunte auf dem „Schwarzen Sofa“ Platz genommen hatte. Das Sofa ist Teil einer Talkreihe, mit der Connemann durch ihren Wahlkreis tourt und für die sie hochrangige Gäste aus Politik und Wirtschaft gewinnt.

Marquardt nannte die Zustände für Lkw-Fahrer an den Laderampen manch großer Lebensmittelkette „menschenverachtend“. Stundenlange Wartezeiten, in denen die Fahrer nicht einmal einfachste Grundbedürfnisse nach einem Kaffee oder dem Aufsuchen sanitärer Anlagen nachkommen könnten und dann womöglich auch noch aufgefordert würden, ihre Güter selbst zu entladen, seien auf Dauer nicht hinnehmbar, betonte Marquardt. Er forderte Spediteure auf, Probleme zu melden. Nur dann könnten Behörden und Politik handeln.

Mehr als 2000 Mitarbeiter

Marquardt und seine Behörde mit bald mehr als 2000 Mitarbeitern seien „ein Riesenstück Wirtschaft, das Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes bewegt“, sagte Connemann. Für die Überwachung des Güterverkehrs auf deutschen Straßen hat das BAG derzeit knapp 220 Kontrolleure im Einsatz, für die Kontrolle der Maut sind des mehr als doppelt so viel (540). „Da hat die Politik andere Prioritäten gesetzt“, sagte Marquardt. Die Zuwendungsverfahren für Fördermittel für Unternehmen mit mautpflichtigen Lkw seien derweil „auch für uns ein Graus“, so Marquardt.

Das BAG mit Haupsitz in Köln trägt nach den Worten des Präsidenten dazu bei, „dass auf deutschen Straßen Wettbewerbsgerechtigkeit herrscht“. Dazu gehöre im Sinne der Verkehrssicherheit, dass die Vorschriften bei Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden. Hier müsse es im Übrigen europäisch einheitliche Regelungen geben, was die Wochenenden betreffen. „Wir verstehen uns als Dienstleister gegenüber dem Gewerbe und nicht als dessen Schikaneure oder gar Feind“, betonte Marquardt. Der Jurist ist seit 2009 BAG-Präsident. „Wir sorgen dafür, dass der Lkw-Fahrer gesund wieder nach Hause kommt“, so Marquardt.

Straße weit vor Wasser und Schiene

Die Zuständigkeitsvielfalt seiner Behörde darüber hinaus nannte er einen „Gemischtwarenladen“. So übernehme das BAG beispielsweise auch für Aufgaben im Luftverkehr und in der zivilen Notfallvorsorge.

Der Güterverkehr auf deutschen Straßen werde weiter zunehmen, ist sich Marquardt sicher. 2017 seien 3,6 Milliarden Tonnen auf deutschen Straßen bewegt worden. „Wir sind froh über jede Fracht, die die Schiene aufnehmen kann“, betonte der BAG-Präsident. Die Straße aber werde auch in Zukunft der wichtigste Verkehrsträger bleiben, Wasser und Schiene hingegen würden stagnieren oder gar an Bedeutung verlieren.

In dritter Generation

Was die Weiterentwicklung von Kontrolltechnik im Straßenverkehr betrifft, sprach sich Marquardt für minimal-invasive Eingriffe aus. So solle sich beispielsweise der Zustand von Lkw-Bremsen im Vorbeifahren an Messstationen prüfen lassen.

Gastgeber des „Schwarzen Sofas“ war die Spedition Bunte. Wie deren Geschäftsführer Lars Bunte erläuterte, wird der 1934 von seinem Großvater Hermann Bunte gegründete Betrieb, zu der unter anderem ein Mineralölhandel gehört, in dritter Generation geführt. Dem Unternehmen gehören mehr als 100 Mitarbeiter sowie 20 Auszubildende an. „Wir haben eine hohe Ausbildungsquote – auch im Berufskraftfahrerbereich“, sagte Bunte. Der Betrieb ist Teil des Ostfriesisch-Papenburger Ausbildungsverbundes für Logistikberufe. Connemann bezeichnete den Verbund in seiner Form als bundesweit einmalig. Alle Beteiligten warben für ein höheres Ansehen des Kraftfahrerberufes.


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