Gericht: Tathergang nicht zu klären Freisprüche nach Attacke auf Baustelle in Papenburg

Von Jennifer Kemker

Mit Freisprüchen gegen fünf Angeklagten endete ein Verfahren wegen Körperverletzung am Amtsgericht Papenburg. Symbolfoto: Maike PlaggenborgMit Freisprüchen gegen fünf Angeklagten endete ein Verfahren wegen Körperverletzung am Amtsgericht Papenburg. Symbolfoto: Maike Plaggenborg

Papenburg. Mehr als eineinhalb Jahre nach einer Schlägerei auf einer Restaurant-Baustelle in Papenburg und nach fünf Verhandlungstagen hat das Amtsgericht fünf Männer aus dem nördlichen Emsland vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen.

Das 29-jährige Opfer äußerte sich auch in einer zweiten Befragung vor Gericht nicht eindeutig zu dem vermeintlichen Vorfall. Der Anklage sollen zunächst insgesamt sieben Männer im Alter von 22 bis 54 Jahren im September 2016 den 29-Jährigen auf einer Restaurant-Baustelle in Papenburg schwer verletzt haben. Die Angreifer sollen mit Baseballschlägern und Holzstöcken auf den Mann eingeschlagen haben. Das Verfahren gegen zwei Mitangeklagte war bereits im Laufe der Beweisaufnahme eingestellt worden.

„Nicht an Aufklärung interessiert“

Den Freispruch begründete die Richterin am letzten Verhandlungstag damit, dass weder die Angeklagten noch das Opfer an einer Aufklärung des Sachverhalts interessiert seien. Bei beiden Seiten sei sie nicht hundertprozentig überzeugt gewesen. Auch die Zeugen sagten nach ihren Worten nicht die Wahrheit, sofern sie überhaupt vor Gericht erschienen sind. Nur durch viel Einwirken kam eine Teilgeschichte zum Vorschein. Das Szenario des Opfers und Nebenklägers konnte keiner der zahlreichen Zeugen bestätigen.

Am Ende des Verfahrens, das sich laut Richterin rund zwei Monate hingezogen hatte, habe eigentlich nichts festgestanden. Ihrer Meinung nach habe es vermutlich zwei Lager gegeben, die bereits vor dem vermeintlichen Vorfallstag aneinandergeraten seien. Dies sah sie als Ursprung der angeklagten Tat an. Rechtssicher kann die Richterin nach eigenen Worten aber ohne begründeten Zweifel nichts feststellen, sodass nur der Freispruch bleibt. „Letztendlich kann ich nicht sicher sagen, wann und wo sich die Angeklagten befunden haben“, so die Richterin. „Wir wissen nicht, wer da gewesen ist und was passiert ist.“

Staatsanwalt: Selten so belogen worden

Der Staatsanwalt betonte im seinem Plädoyer, dass er in 14 Jahren Berufserfahrung selten so belogen worden sei, wie in diesem Verfahren. Um die Angeklagten verurteilen zu können, hätte das Gericht nach seinen Ausführungen eine glaubhafte Aussage des 29-Jährigen benötigt. „Vom Hergang mag es vielleicht eine Auseinandersetzung gegeben haben, aber die Details und das Randgeschehen blieben bis zuletzt unklar“, so der Staatsanwalt. Am Ende sei es nicht gelungen, alle Zweifel auszuräumen.

Die Verteidigung der Männer schloss sich den Ausführungen des Staatsanwalts an. Der Vertreter der Nebenklage verzichtete auf ein Plädoyer.