Kolumne Tropen-Helmut über „Oma Börgermoor“ und Friesenbrücke

Von Helmut Tropen*

Helmut Tropen Screenshot: gsHelmut Tropen Screenshot: gs

Papenburg. Gerne lässt Helmut Tropen seinen Blick aus dem geliebten Bad Papenburg gelegentlich auch in die Nachbarschaft schweifen. Hängen geblieben ist er dabei bei der kaputten Friesenbrücke über die Ems bei Weener. Was der schleppende Wiederaufbau und der Stillstand bei der geplanten Emsfähre mit Tropenhelmuts Großmutter zu tun haben, erklärt er hier:

Meine verehrte Großmutter habe ich liebevoll Oma Börgermoor genannt. Sie trug stets blumengemusterte Kittelschürzen und ausgelatschte Korkpantoletten, aus denen sommertags große gelbe Zehennägel hervorlugten. Oma fuhr einen Opel Kadett D und ließ bei jedem Anfahren den Motor mit 5000 Umdrehungen aufheulen, ohne dass ein Reifen sich nur ansatzweise bewegte.

Bei Ems-Heilwasser und Schnittchen

Ebenso wenig Bewegung steckt im Wiederaufbau der 2015 zu Schrott geschipperten Friesenbrücke. Schlimmer noch: Auf der gemeinsamen Sitzung der Kommunalparlamente von Bad Papenburg, Weener und Westoverledingen wurde im Gasthof Knollmeyer bei reichlich Ems-Heilwasser und Schnittchen das endgültige Ende einer Wiederherstellung beschlossen. Wortmeldungen aus dem zuständigen Ministerium, wonach Planungs- und Bauzeit jeweils eine Beamtengeneration verschlängen, besiegelten das Aus für die Brücke. Nicht nur dem Bahnverkehr, auch Touristen sowie badewilligen Südostfriesen und Emsländern bleibt der Weg in das bereits seit dem 13. April geöffnete und 28 Grad warme Friesen-Freibad abgeschnitten.

Die Verstopfung der Gesellschaft

Bürokratie sei die Verstopfung der Gesellschaft, schimpfte deshalb die Bad Papenburger Ratsfrau Bini Pötter und spielte damit auf die lange Planung der Eisenbahnbrücke an. Ihre ostfriesische Kollegin, die Schlagersängerin Audrey Bölkmöller, blieb sachlich und erklärte: „Bit de Töffels in hör Amten de Mors hoch kriegen, is de Iesenbahn kien moodern Verkehsmiddel mehr un het utdeent.“ Auch die explodierenden Kosten, zuletzt ging man von mindestens 60 bis 70 Millionen Euro aus, beeinflussten die Entscheidung.

Das Votum fiel mit einer Dreiviertelmehrheit überraschend deutlich aus. Den anschließenden Meinungsaustausch eröffnete Wirt und Werftsprecher Alfons Knollmeyer. Mit einem doppelten Ems-Heilwasser in der rechten Hand, einer Lotsenwurstschnitte in der linken und den Worten: „De een de kann rieden, un de anner het dat Peerd. Prost!“, begann Knollmeyer eine heitere und bisweilen bissige Diskussionsrunde. Thema dabei war die abermalige Verzögerung der in Aussicht gestellten Emsfähre, die zu ihrer Jungfernfahrt nicht wie geplant zum diesjährigen Pfingstfest ablegen wird. Aus der Zulassungsbehörde hieß es dazu, dass ein verbummelter Antrag auf Ersatzbeschaffung eines zerbrochenen Geodreieckes des zuständigen Sachbearbeiters die Genehmigung um weitere zwölf Wochen verzögere.

Ein Gerücht aus den Niederlanden

„Boben bunt, unnern Strunt“, johlten sichtlich beschwipst Pötter und Bölkmöller und brachten statt einer Fähre eine Luftbrücke ins Gespräch. Bis dato nicht bestätigen konnte sich das Gerücht, wonach es in den Niederlanden fertige Pläne für eine Tunnellösung gibt. Eine von zwei vorgesehenen Röhren könne, wenn mit dem Bau noch vor der WM begonnen würde, im Oktober in Betrieb genommen werden.

Oma Börgermoor holte Opa Börgermoor übrigens oft zurück auf den Teppich, indem sie mahnte, dass sich das Feuer der Begeisterung mit Formularen schnell löschen lasse.


*Helmut Tropen, eine Facebook-Kunstfigur des Papenburgers Achim Goldenstein, nimmt für unsere Zeitung an jedem ersten Samstag im Monat die Geschehnisse seiner Heimatstadt mit satirisch-spitzer Feder aufs Korn.