Schneller surfen im Landkreis Emsland könnte Modellregion für 5G-Technik werden

Von Daniel Gonzalez-Tepper

Mit dem Mobilfunkstandard 5G ist eine Kommunikation in Echtzeit möglich, was zum Beispiel beim autonomen Fahren von Autos ein großer Vorteil ist. Theoretisch ist eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 10 Gigabit je Sekunde möglich. Symbolfoto: Andrej Sokolow/dpaMit dem Mobilfunkstandard 5G ist eine Kommunikation in Echtzeit möglich, was zum Beispiel beim autonomen Fahren von Autos ein großer Vorteil ist. Theoretisch ist eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 10 Gigabit je Sekunde möglich. Symbolfoto: Andrej Sokolow/dpa

Papenburg/Meppen. Von der Diaspora in Sachen schnelles Internet mit dem Smartphone zum bundesweiten Vorreiter? Das könnte schon bald Wirklichkeit im Landkreis Emsland werden. Zumindest deuten Aussagen aus dem Kreishaus darauf hin.

Wer in wenig besiedelten kleinen Orten im Emsland, zum Beispiel auf dem Hümmling, versucht, mit seinem Smartphone eine App zu laden oder eine Internetseite aufzurufen, kennt das Problem hinlänglich: Gar kein Empfang zu haben oder nur einen sehr schlechten, gehört in manchen Teilen der Region eher zur Normalität, als zur Ausnahme. Und selbst entlang der Autobahn 31, die als Leuchtturm in Sachen Infrastruktur in den vergangenen 15 Jahren gehört, gibt es Abschnitte, in denen das Telefonieren schwer fällt oder die Navigation per Handy Probleme bereitet.

Das könnte sich in absehbarer Zeit ändern, der Landkreis Emsland will sogar ein bundesweiter Vorreiter in Sachen schnelles Mobilfunknetz werden. Und das hat mit der Großen Koalition aus CDU und SPD in Berlin zu tun. Im Koalitionsvertrag ist nämlich festgehalten, dass es in nächster Zeit fünf Modellregionen geben soll, in denen die neueste Mobilfunktechnik 5 G getestet werden soll. Der Landkreis Emsland möchte einer dieser fünf Regionen werden und bereitet derzeit eine Bewerbung vor.

Mobilfunkinitiative Weser-Ems

Und das erledigt man nicht alleine, sondern gemeinsam mit den anderen Landkreisen in der Region Weser-Ems. Dazu haben sich die zwölf Landkreise im Nordwesten Niedersachsens und die fünf kreisfreien Städte zur sogenannten „Mobilfunkinitiative Weser-Ems Niedersachsen“ zusammengeschlossen, wie Anja Rohde, Sprecherin des Landkreis Emsland, auf Anfrage erklärt. „Diese Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, die Mobilfunkversorgung im ländlichen Raum zu verbessern“, so Rohde.

Entwicklung der Mobilfunk-Generationen in Deutschland. Quelle: Michael Kroker/Wirtschaftswoche, Foto: colourbox.de, Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Ein erster Schritt dazu war im vergangenen Jahr, eine Übersicht von Funklöchern zu erstellen, bei der Meldung konnten sich in einigen Kommunen Bürger beteiligen. „Aktuell ist die Datenerhebung für die Bestandsinfrastrukturen durchgeführt worden. Diese Erhebung befindet sich in der letzten Phase der Auswertung“, teilte die Landkreis-Sprecherin weiter mit. Wenn die Auswertung abgeschlossen ist, werde es Gespräche mit Ministerien geben, „um zunächst das Ziel der kurzfristigen Beseitigung von ,weißen Mobilfunkflecken‘ zu erreichen“, so Rohde.

Bis zu 10 Gigabit je Sekunde

Möglichst bald soll darüber hinaus aber auch der neueste Mobilfunkstandard 5G in die Region Weser-Ems kommen, 5G löst den Standard 4G ab, der auch als LTE bekannt ist. Das G steht dabei für Generation. Mit 5G sollen theoretisch Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde (GBit/s) möglich sein, bei LTE liegt das Maximum bei 300 Megabit je Sekunde (MBit/s), also ein vielfaches mehr. Natürlich nur, wenn die Endgeräte wie Smartphone oder Tablet dafür ausgelegt sind und auch der eigene Mobilfunkvertrag dafür ausgelegt ist. Möglich ist durch 5G eine Kommunikation in Echtzeit, was zum Beispiel bei autonom fahrenden Autos wichtig ist. Dafür sind allerdings auch deutlich mehr Sendemasten als derzeit notwendig.

Anträge für Modellregion noch nicht möglich

Wann die im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vorgesehenen fünf Modellregionen ausgewählt beziehungsweise an den Start gehen sollen, ist noch offen. Landkreissprecherin Anja Rohde betont daher: „Die Aussage aus dem Koalitionsvertrag, Modellregionen für 5G zu schaffen, wurde bislang noch nicht näher konkretisiert, weshalbs auch noch keine Anträge gestellt werden können.“ Die Mobilfunkinitiative Weser-Ems werde sich jedoch intensiv dafür einsetzen, dass der neue Mobilfunkstandard auch im Emsland eingesetzt wird. Sollte eine Bewerbung keinen Erfolg haben, sollen andere Lösungen zur Verbesserung der Mobilfunkinfrastruktur entwickelt werden.