DGB-Kundgebung zum 1. Mai IG-Metall-Jugend kritisiert in Papenburg Werkverträge

Von Maike Plaggenborg


Papenburg. Mit wetterbedingt deutlich weniger Besuchern als in den Vorjahren veranstaltete der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) für das nördliche Emsland und für die Region Oldenburg-Ostfriesland eine gemeinsame Kundgebung. Aufmerksamkeit verschaffte sich vor allem der Ortsjugendausschuss der IG Metall Leer-Papenburg – unter anderem für Kritik an Werkverträgen.

Auf etwa 150 schätzte der DGB-Kreisverbandsvorsitzende Anton Henzen auf Anfrage die Zahl der Besucher – deutlich weniger als sonst üblich. „Hier klebt ja schon alles zusammen“, sagte Henzen angesichts des Regens über sein Redemanuskript, in dem er unter anderem Kampagnen des DGB erwähnte – etwa zum Thema Rente. „Das Rentenniveau wird stabilisiert“, verkündete als dessen Ergebnis. Auch eine Kampagne gegen die Privatisierung von Autobahnen sei erfolgreich gewesen. Diese sei „weiter ausgeschlossen“. Er gratulierte den gewählten Betriebsratsmitgliedern, ebenso wie Jürgen Broer (SPD), der als 2. stellvertretender Bürgermeister der Stadt Papenburg Grußworte anstelle des Bürgermeisters Jan Peter Bechtluft (CDU) sprach. Bechtluft habe offenbar den Langzeitwetterbericht gekannt, scherzte Broer. „Deshalb stehe ich hier heute.“ Broer deutete in seiner Ansprache auf Großprojekte der Stadt hin wie den Neubau der Seeschleuse oder eines Schwimmbades. „Überall wird gebaut“, sagte Broer, der von „riesen Dingen“ sprach, die „ohne euer Geld nicht möglich“ wären und verwies damit auf die Rekordsteuereinnahmen der Stadt Papenburg. „Das ist Geld, das ihr verdient habt.“

Mit lautstarkem Appell sprach sich Nico Bloem vom Ortsjugendausschuss der IG Metall Leer-Papenburg und kürzlich neu gewählter Betriebsratsvorsitzender der Meyer Werft für vernünftige, flexible und familienfreundliche Arbeitszeiten aus. Bei Überstunden müssen es einen fairen Ausgleich geben. Außerdem dürften die Interessen zwischen Werkvertragsbeschäftigten und Angestellten nicht gegeneinander ausgespielt werden, sagte Bloem. Dabei solle die Politik nicht wegschauen, sondern „sich aktiv einsetzen“. Auch Jan Müller vom Ortsjugendausschuss kritisierte „Werkverträge, um Kosten zu sparen“. Sie dienten Gewinnen „auf dem Rücken der Schwächsten“. Gleiche Arbeit solle gleiches Geld bringen. Weitere Mitglieder des Ausschusses forderten außerdem eine bessere Unterstützung bei Weiterbildungen oder beim Thema Wohnen. „Die Ausbildungsvergütung muss ausreichend sein“, sagte Jonas Nee mit Blick auf einen Lohn, der einen Auszug aus dem elterlichen Haus nicht möglich mache.

Pastor Gerrit Weusthof stellte das diesjährige DGB-Motto der Kundgebung „Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“ in den Mittelpunkt seiner Rede. Würde man eine Umfrage starten, wem das diesjährige Motto der DGB bekannt sei und wer im Vergleich dazu über die duellierenden Teams eines Fußballspiels am Abend Bescheid wisse, würde ein Großteil der Antworten auf Letzteres entfallen, mutmaßte Weusthof. Dabei gehe es im Leben um Vielfalt und Gerechtigkeit. „Das ist immer wichtig“, sagte er und nannte die Zahl von 3500 Menschen, die in Papenburg einen Berechtigungsschein haben, mit dem sie Lebensmittel von der Tafel beziehen können. Er plädierte für die Verantwortung jedes einzelnen beim Thema Gerechtigkeit und für einen positiven Blick in die Zukunft.