Rollstuhlfahrer klagt Aufzug am Papenburger Bahnhof wieder lahmgelegt

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Seit Ende 2012 ist die Aufzuganlage auf den Papenburger Bahnsteigen immer wieder ausgefallen. Die jüngste Störung ist auf einen defekten Notrufschalter zurückzuführen. Grafik: Heiner Wittwer/Foto: Gerd SchadeSeit Ende 2012 ist die Aufzuganlage auf den Papenburger Bahnsteigen immer wieder ausgefallen. Die jüngste Störung ist auf einen defekten Notrufschalter zurückzuführen. Grafik: Heiner Wittwer/Foto: Gerd Schade

Papenburg. Der Aufzug am Papenburger Bahnhof bleibt offenbar auch nach einer Generaluntersuchung durch die Deutsche Bahn störungsanfällig. Aktuell war die Notruftaste defekt, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage unserer Redaktion mit, nachdem sich ein Rollstuhlfahrer über den erneut fahruntüchtigen Lift beklagt hatte.

Der Mann aus Bremen, der gebürtig aus Dörpen stammt, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen will, hat offiziell Beschwerde bei der Bahn eingelegt. Darin fordert er für die Umstände, die sich für ihn durch den defekten Aufzug ergeben hätten, eine Entschädigung.

Wie er in seinem Beschwerdeschreiben, das unserer Redaktion vorliegt, ausführt, wollte er am vergangenen Sonntag von Emden nach Papenburg fahren, um seinen schwerkranken Vater im Marien-Hospital zu besuchen. Zu seinem Erstaunen habe ihm ein Bahnbediensteter in Emden mitgeteilt, dass einer der beiden Aufzüge am Bahnsteig in der Fehnstadt nicht funktionstüchtig sei. Eine Anfrage des Rollstuhlfahrers bei der Mobilzentrale der Deutschen Bahn einen Tag vor seiner Reise habe das Gegenteil ergeben.

2,3 Millionen Euro investiert

Der Papenburger Bahnsteig gilt seit einer bis 2013 abgeschlossenen Sanierung mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 2,3 Millionen Euro durch die Bundesregierung, die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und die Deutsche Bahn offiziell als barrierefrei. In diesem Zuge war unter anderem eine Überführung über Gleis 1 per Treppe und Aufzug errichtet worden. Sie ersetzt den einst ebenerdigen Gleisübergang, der nach Angaben der Bahn aus Sicherheitsgründen nicht mehr zulässig sei.

Funktioniert der Aufzug jedoch nicht, haben Rollstuhlfahrer, die aus Richtung Leer nach Papenburg kommen und dort aussteigen wollen, ein Problem. Sie können von Gleis 2 nicht in die Stadt gelangen. Die Folge: Sie müssen – je nach Zugverbindung – weiter nach Aschendorf oder Meppen fahren, dort in die entgegengesetzte Richtung umsteigen, um auf dem Bahnsteig an Gleis 1 zu landen, von wo aus sie barrierefrei weiter auf den Bahnhofsvorplatz und damit in die Stadt können.

Unfreiwilliger Umweg

Den unfreiwilligen Umweg über Aschendorf musste auch der aktuelle Beschwerdeführer nehmen – auch, weil die Bediensteten der Leitzentrale der Deutschen Bahn nicht bereit gewesen seien, den Zug aus Emden auf Gleis 1 einfahren zu lassen, wie er sagt. Also sei er mithilfe einer mobilen Rampe in Aschendorf umgestiegen. Die jeweiligen Zugbegleiter hätten sich sehr betroffen gezeigt und sich für die Umstände entschuldigt, berichtet der Rollstuhlfahrer. Der Zugbegleiter in Aschendorf „legte eine Rampe aus und half mir den steilen Einstieg hinauf in den Zug“.

Das Ende vom Lied nach den Worten des Rollstuhlfahrers: In Papenburg, wo er um 18.41 Uhr ankam, blieb ihm letztlich keine Zeit mehr, seinen Vater zu besuchen, weil er Gefahr lief, seinen Anschlusszug nach Bremen zu verpassen. „Zunächst habe ich noch versucht, wenigstens für eine Viertelstunde zum rund einen Kilometer entfernten Krankenhaus zu kommen, musste mein Bemühen schließlich aber aufgeben, da ich merkte, dass ich den Weg in der knappen Zeit bis zum Krankenhaus und zurück zum Bahnhof zwar noch schaffe, mir aber kaum Zeit für ein ruhiges Gespräch mit meinem Vater bleibt. Daher bin ich umgekehrt, um die angemeldete Weiterfahrt von Papenburg über Leer nach Bremen um 19.42 Uhr nicht zu verpassen.“ Angespannt und entnervt sei er zum Bahnhof zurückgerollt.

Fünf Besuche, drei Defekte

Ironie des Schicksals: Dort habe er auf der Anzeigetafel gelesen, dass der Zug wegen eines ärztlichen Notfalls etwa 20 Minuten Verspätung hatte. „Jene Zeit, die mir für den Besuch gefehlt hat. So bin ich letztlich vollkommen umsonst nach Papenburg gefahren“, beklagt der Mann.

Er betont überdies, dass die Aufzüge nicht zum ersten Mal defekt waren. Bei drei seiner fünf Besuche in Papenburg in den vergangenen drei Jahren hätten die Lifte ihren Dienst versagt. In der Tat gibt es eine lange Pannenserie, was die Funktionsfähigkeit der Aufzüge am Bahnsteig betrifft (wir berichteten). Mehrfach war der Lift nicht nutzbar, Fahrgäste waren eingeschlossen, die von der Feuerwehr befreit werden mussten, Politiker und Stadtverwaltung machten Druck, die Bahn versprach Besserung, führte eine Vielzahl der Störungen aber auch auf Vandalismus zurück.

„Uns ist bewusst, dass jede Störung zu Unmut bei den Fahrgästen führt“, sagt eine Bahnsprecherin zu dem jüngsten Störfall, den sie auf einen Defekt der Notruftaste zurückführt. „Ohne diese darf ein Aufzug aus Sicherheitsgründen nicht betrieben werden“, so die Sprecherin.

Bahn: Weniger Störungen nach Generaluntersuchung

Sie verweist darauf, dass die Aufzüge im vergangenen Jahr einer „Generaluntersuchung“ unterzogen worden seien. Störanfällige Bauteile seien ausgetauscht worden. „Dies hat sich auch in der Verfügbarkeit der Aufzüge bemerkbar gemacht. Technische Störungen konnten weitgehend abgestellt werden“, betont die Sprecherin.

Wie sie weiter erklärt, wurden 2017 bundesweit 2100 Aufzüge und 1000 Fahrtreppen an rund 1000 Bahnhöfen mit einem technischen Baustein zur Fernüberwachung ausgerüstet – auch in Papenburg. „Die Aufzüge melden selbstständig und in Echtzeit Störungen an die Betriebszentralen der Bahnhöfe. Reparaturen werden dann umgehend veranlasst, und die Anlage steht schneller wieder für die Kunden zur Verfügung“, so die Bahnsprecherin.

Überdies könnten sich Fahrgäste jederzeit vor ihrer Reise über die Funktionsfähigkeit des Aufzuges im Bahnhof informieren über die App „DB Barrierefrei“ oder „Bahnhof Live“. Weiterhin hätten mobilitätseingeschränkte Fahrgäste auch die Möglichkeit, sich telefonisch bei der Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn unter der kostenpflichtigen Rufnummer 01 80/6 51 25 12 zu informieren.


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