Von Germania zu Germania Das verbindet Deutschlands ältesten Fußballverein mit dem nördlichen Emsland

Von Hermann-Josef Döbber und Gerd Schade

Runde Torpfosten, blau-weiß gestrichen und ohne Netze: Dieses Mannschaftsbild des FC Germania 08 Papenburg ist das älteste Foto einer Fußballmannschaft aus dem nördlichen Emsland. In der Elf spielten (hinten von links) Eduard Luitjens, Franz Buschmann, Mathias Müllmann, Gerhard Driehsen, Carl Rehbein, (mittlere Reihe von links) Wilhelm Huhnstock, Carl Rentrop, Rudolf Schulte sowie (vorne v. l.) Hans Albers, Karl Huhnstock und Wilhelm Hüer. Foto: Germania-Chronik/Repro: SchadeRunde Torpfosten, blau-weiß gestrichen und ohne Netze: Dieses Mannschaftsbild des FC Germania 08 Papenburg ist das älteste Foto einer Fußballmannschaft aus dem nördlichen Emsland. In der Elf spielten (hinten von links) Eduard Luitjens, Franz Buschmann, Mathias Müllmann, Gerhard Driehsen, Carl Rehbein, (mittlere Reihe von links) Wilhelm Huhnstock, Carl Rentrop, Rudolf Schulte sowie (vorne v. l.) Hans Albers, Karl Huhnstock und Wilhelm Hüer. Foto: Germania-Chronik/Repro: Schade

döj/gs Papenburg. Am 15. April 1888, also vor genau 130 Jahren, gründete Paul Jestram in Berlin den ältesten, heute noch existierenden Fußballverein: den BFC Germania 1888. Der Name Germania spielt auch bei der Entstehungsgeschichte des Fußballs im nördlichen Emsland eine bedeutende Rolle – wenn auch erst 20 Jahre später.

In der Gründerzeit des Berliner FC Germania gab es in Deutschland noch keine eigenen Fußballplätze. Die Jagd nach dem runden Leder war hierzulande seinerzeit nicht nur unpopulär, sondern die aus England über den Ärmelkanal geschwappte „Fußlümmelei“ in gesellschaftlichen Kreisen regelrecht verpönt.

Erste Anfänge des Fußballspieles gehen in Papenburg in das Jahr 1907 zurück. Nachdem die Weichen durch den Leiter der Schule, Direktor Hans Nolte, gestellt waren, bildeten sich Schülerriegen in Papenburg-Untenende, Papenburg-Obenende, Aschendorf und Weener. Aus den Schülerriegen entstanden in Papenburg der FC Britannia, der nach einigen Jahren wieder einging, sowie der FC Germania 08 und der SV Amisia 09, die 1994 zum SC Blau-Weiß Papenburg fusionierten.

Hans Nolte – ein Pionier aus Papenburg

Nolte, der das Fußballspiel in England kennengelernt hatte und seit 1904 Schulleiter war, empfahl seinen Schülern, Bewegungsstunden durchzuführen, um für ihre geistige Tätigkeit einen Ausgleich zu schaffen. Er erkannte den Wert körperlicher Ertüchtigung. Nolte tat aber noch mehr. Er ließ sogenannte Anmeldelisten führen, in die sich jeder Schüler, der an den Bewegungsspielen teilnahm, eintragen musste.

Im 34. Jahresbericht des Städtischen Realgymnasiums, Schuljahr 1907/08, wird erstmals das Fußballspiel erwähnt. „Erfolgreiche Mitwirkung zur Erhöhung der körperlichen Regsamkeit verspricht eine 1907 entstandene Fußballabteilung, die von einem selbst gewählten Spielwart (Frackmann UII) nach freiwillig anerkannten Satzungen geleitet wird“. Das fand Nachahmer. So ist im 35. Jahresbericht der Lehranstalt, Schuljahr 1908/09, nachzulesen, dass sich auch die Obenender Schüler (unter Bolwin OII) zu einer Fußballabteilung vereinigten.

Josef Savelsberg, Direktor der metallurgischen Fabrik (heute Forum Bethlehem), überließ den Schülern einen geeigneten Platz (gegenüber auf der anderen Kanalseite). Nunmehr gehörten zum Gymnasium vier Fußballabteilungen, die miteinander in den Wettstreit traten. Dem Bericht ist zudem zu entnehmen, dass 1907 zum ersten Male Wettspiele mit Mannschaften anderer Städte ausgetragen wurden, von denen es heißt, „dass sie nicht überall siegreich, doch noch nirgends unrühmlich“ verliefen.

Erster Bericht 1907

Erstmals über ein Fußballspiel berichtete die Ems-Zeitung in der Ausgabe vom 20. August 1907. Die Tertianer vom Papenburger Realgymnasium hatten in Heisfelde ein Spiel gegen ihre Altersgenossen vom Gymnasium Leer bestritten.

In Aschendorf gilt Hauptlehrer Otto Dölle als der Mann, der den Fußball in den Ort brachte. Dölle war eines von 13 Gründungsmitgliedern des Turnvereins Aschendorf, der sich später mit dem FC Emsland zum TuS Aschendorf zusammenschloss. Hans Vinke schreibt in der 2004 erschienenen Chronik des TuS („Borri, Beni und ein weißer Blitz“), dass Dölle 1901 in Bielefeld einen sogenannten Jugendspielkurs besuchte, um damit neue Anregungen für die sinnvolle Freizeitgestaltung der ihm anvertrauten Schüler zu erhalten. Mit genauen Kenntnissen verschiedener Ballsportarten habe der Pädagoge in Aschendorf eine sportliche Revolution in Gang gesetzt. Die Jugendlichen hätten sich mit wachsender Begeisterung den Ballspielen, und hier vor allem dem Fußballspiel, zugewandt.

Schon vor dem Gründungsjahr des TuS wurden im nördlichen Emsland weitere Vereine aus der Taufe gehoben. Der älteste Klub außerhalb Papenburg ist der SV Raspo Lathen (Gründungsjahr 1909), der sich derzeit aktiv um die Schaffung eines Kunstrasenplatzes bemüht.

Ihm folgten auf dem Hümmling der SV Blau-Weiß Lorup (1911) und der SV Sparta Werlte (1912). Nach und nach wurde die „Fußlümmelei“ im Altkreis immer salonfähiger. Heute regiert „König Fußball“ auf nahezu allen Sportplätzen im nördlichen Emsland.