„Nicht von schlechten Eltern“ Dozenten werben in Papenburg für fürsorgliche Erziehung

Von Jennifer Kemker

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Papenburg. Die Konfrontation in der konfrontativen Pädagogik kann missverständlich aufgenommen werden, bedeutet aber laut Sozialpädagoge Rainer Gall nichts anderes, als eine Gegenposition aufzubauen, um mit dem Gegenüber einen Dialog auf zu nehmen. Das machte Gall bei einem Akademieabend in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte (HÖB) in Papenburg deutlich.

Während der Veranstaltung mit dem Titel „Nicht von schlechten Eltern – Konfrontative Pädagogik mit fürsorglicher Hierarchie als Mittel der Durchsetzung“ lieferten die Dozenten Gall und der Zirkuspädagoge Dominik Daleske den interessierten Eltern und Besuchern keine neuen Erkenntnisse in diesem Erziehungsansatz, sondern frischten Erinnerungen zu bestehenden Methoden auf.

„Vor einiger Zeit sind Eltern auf mich zugekommen und beschwerten sich, dass ihnen ihre Kinder auf der Nase herumtanzen würden“, erinnert sich Gall. Wenn es nach seinen Worten keine wohlwollende Führung innerhalb der Familie gibt, dann wisse man nicht, in welcher Weise sich die Kinder entwickeln. Heute sei es so, dass nicht mehr nur die Eltern ihre Kinder erziehen, sondern auch die Erzieher, Lehrer sowie Verwandte wie Oma und Opa. Aus diesem Grund ist es laut Gall notwendig, dass die Eltern als Erzieher eine Gegenposition aufbauen.

„Warum dürfen Eltern eigentliche mehr als Kinder?“ Diese Frage stellte Gall den Teilnehmern. „Mittlerweile habe ich die Sorge, dass das gerade kippt und Kinder zu viel dürfen.“ Eltern, die ihren Kinder zu viel erlauben und sie damit auf Augenhöhe erziehen wollen, überfordern sie nach den Worten des Pädagogen damit. „Am Ende entwickeln die Jungen und Mädchen den Wunsch nach Überlegenheit, der zu Problemen beim Miteinander mit Gleichaltrigen führen kann. Dem entgegenwirken kann eine fürsorgliche Hierarchie.“

Das Aufwachsen der Kinder in der heutigen Gesellschaft in laut Gall nicht einfacher geworden. Viele Widersprüche tauchten dabei im Alltag auf. „Wenn die Kinder aber niemanden haben, der ihnen glaubhaft vorlebt, wie man es richtig macht, wird es schwierig“, so Gall. Dabei stehen Tugenden, wie Respekt, Achtsamkeit und Disziplin, die das Leben einfacher machen, im Vordergrund.

Drei unterschiedliche Erziehungsstile demonstrierte Dominik Daleske, indem er drei Freiwillige über einen Gurt (Slackline) balancieren ließ. Der erste Teilnehmer wurde von beiden Dozenten unterstützt und es wurde ihm gut zugeredet. Beim zweiten Freiwilligen machten die Dozenten nichts und sich sogar von ihren Mobiltelefonen ablenken lassen. Der dritte Freiwillige hatte die Wahl, die Hilfe der Dozenten anzunehmen oder alleine zu balancieren. Eine gute Erziehung macht nach den Worten von Daleske demnach aus, dass der Lebensweg der Kinder fürsorglich begleitet wird.


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