Erster Kursus an der VHS In Papenburg büffeln Flüchtlinge für den Hauptschulabschluss

Von Gerd Schade

Stippvisite in der Mathestunde: Den Kandidaten für den Hauptschulabschluss blickten gestern in der VHS Jan Peter Bechtluft, Natascha Hartleif und Bernd Busemann (von links) über die Schulter. Foto: Gerd SchadeStippvisite in der Mathestunde: Den Kandidaten für den Hauptschulabschluss blickten gestern in der VHS Jan Peter Bechtluft, Natascha Hartleif und Bernd Busemann (von links) über die Schulter. Foto: Gerd Schade

Papenburg. In der Volkshochschule (VHS) Papenburg rauchen die Köpfe. 21 junge Menschen mit Fluchterfahrung büffeln derzeit für den Hauptschulabschluss. Es ist der erste Kursus seiner Art in der VHS, finanziert mithilfe des Landes, und soll nach dem Willen der Schule nicht der letzte sein.

In der Klasse im VHS-Altbau sitzen seit dem vergangenen September junge Männer und Frauen im Alter von 18 bis Anfang 20 aus mehreren Nationen zusammen: Syrer, Afghanen, Iraker sowie zwei junge Männer aus Guinea und Vietnam. Nach ihrer Flucht leben sie in Papenburg, Surwold, Neubörger, Heede, Dörpen oder Aschendorf.

In der Mathematikstunde von Karl-Josef Lüpertz steht am Montag Flächenberechnung auf dem Stundenplan. Zuvor ging es um Prozent- und Zinsrechnung – Stoff für die Hauptschule der Klasse acht, sagt Lüpertz. Die Blöcke seiner Schüler zieren diverse Flächendiagramme. Viele haben vor sich auf dem Tisch Wörterbücher liegen.

Bildungsschwerpunkt Migration

Wie VHS-Geschäftsführerin Natascha Hartleif und Projektleiterin Katrin Wagner bei einem Besuch des Dörpener CDU-Landtagsabgeordneten und Landtagsvizepräsidenten Bernd Busemann sowie Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) erläutern, bildet der Hauptschulabschlusskursus nur einen Teil des Bildungsschwerpunktes Migration an der VHS. „Aber nicht zum Selbstzweck“, betont Wagner. Ziel sei es, die Chancen der Absolventen auf einen Ausbildungsplatz zu verbessern. Hier sieht Wagner einen Großteil ihrer Schützlinge auf einem guten Weg. Während die jungen Männer vornehmlich ins Metall- und Elektrohandwerk strebten, würden sich ihre Mitschülerinnen eher für den Gesundheits- und den Erziehungsbereich interessieren. Mehrere hätten vielversprechende Praktika durchlaufen und viele Betriebe zeigten sich im Hinblick auf Bereitstellung eines Ausbildungsplatzes sehr aufgeschlossen. „Damit hätte ich gar nicht gerechnet“, räumt Wagner ein.

Bildungskette

Hartleif skizziert derweil eine „Bildungskette“ in der Arbeit mit Geflüchteten. Sie reicht von ersten Sprach- und Orientierungskursen über Integrationslehrgänge und berufsbezogene Deutschlehrgänge bis hin zur Qualifikation für Ausbildung und Studium. „Die Bandbreite ist sehr komplex“, sagte Hartleif. Dasselbe gilt nach ihren Worten auch für die finanziellen Förderkulissen einzelner Projekte.

Busemann zeigt sich erfreut, wie breit aufgefächert auch an der VHS Papenburg Fördermittel auch des Landes passgenau in ein durchdachtes System fließen und „kein Geld verplempert wird“.

Geld gut angelegt

Gut angelegt sehen Busemann und Bechtluft auch das Geld für Umbau und Erweiterung der VHS, deren Neubau 2014 eingeweiht worden ist. Von Hartleif präsentierte Zahlen untermauerten dies. So sei der Jahresumsatz seit 2014 von rund zwei Millionen auf 3,4 Millionen Euro (2017) gestiegen. Die VHS zählt 41 Mitarbeiter und rund 400 Dozenten. Die Großtagespflege mit 16 Plätzen ist ausgebucht. Der Schwerpunkt der VHS-Arbeit liegt Hartleif zufolge auf arbeitsrechtlichen und sozialen Projekten. Seit 2015 liege ein starkes Augenmerk auf der Integrationsarbeit. Als weitere Schwerpunkte listet sie Digitalisierung, Gesundheitsförderung, Alphabetisierung, Unterstützung Alleinerziehender und Karriereförderung von beschäftigten Frauen auf. Die Zahl der Kurse und Teilnehmer sei 2017 auf 1203 beziehungsweise 18.066 gestiegen. Daran haben Integrations- und Deutschkurse einen großen Anteil: Allein hier stieg die Teilnehmerzahl von 649 (2013) auf 2086 (2017).