Tempoeinheiten machen atemlos Papenburger EZ-Lauftagebuch: Wie ein Hit von Helene Fischer

Von Gerd Schade


Papenburg. Jetzt geht’s ans Eingemachte: Nach inzwischen mehrwöchigem Lauftraining in mehr oder weniger gleichmäßigem Tempo haben für EZ-Redaktionsleiter Gerd Schade nun erstmals Steigerungsläufe auf dem Übungsplan gestanden.

Liebes Tagebuch (das wollte ich immer schon mal schreiben), der Countdown läuft. Und ich laufe auch. Nach wie vor. Zugegeben, es fällt mir nicht immer leicht. Aber es tut gut.

Gut zweieinhalb Wochen vor dem 10. OLB-City-Lauf am Sonntag, 22. April 2018, in Papenburg, bei dem ich die Zehn-Kilometer-Strecke in Angriff nehmen will, ist mein Lauftraining um eine Variante reicher: Im Papenburger Waldstadion habe ich unter Anleitung von Lauftrainer und City-Lauf-Cheforganisator Peter Bergfeld erstmals Tempoeinheiten absolviert.

Alles kreucht, einer keucht

Zwischenzeitlich fühle ich mich wie ein Hit von Schlagerstar Helene Fischer: Atemlos. Anders gesagt: Während bei endlich frühlingshafteren Temperaturen draußen in der Natur alles kreucht und fleucht, bin ich derjenige, der mitunter keucht und flucht. Letzteres aber nur ganz selten.

Peter Bergfeld ist nicht nur ein geduldiger, sondern auch ein umsichtiger Coach. Als er gegen Ende unserer jüngsten gemeinsamen Laufeinheit meinen Atem in seinem Nacken spürt – nicht, weil ich ihm besonders dicht auf den Fersen wäre, sondern vielmehr, weil er mich schwer atmen hört – entscheidet er, dass wir die letzten Meter gehen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich weitere zehn Trainingskilometer in den Beinen. Sie sind abwechslungsreicher als die bisherigen. Dafür haben sie aber auch ihren Preis, wie ich feststellen darf.

Erinnerungen an die Schulzeit

Wir beginnen mit zwei lockeren Runden à 1,8 Kilometer auf dem Pfad rund ums Waldstadion. Unterwegs begegnen wir zwei Nordic-Walkern. Für sie mag der Wald eine grüne Lunge sein. Mir kommt sie später wie eine grüne Hölle vor. Die Strecke weckt zudem Erinnerungen an die Schulzeit, als der Sportlehrer einst die ganze Klasse wieder und wieder durch den Wald scheuchte. Eines hat sich seitdem ebenso wenig verändert wie der Streckenverlauf: Bei fast jedem Schritt ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, weil überall Stolperfallen in Form von knorrigen Baumwurzeln lauern. Ich meistere die Runden ohne Sturz.

Fünf Tempo-Etappen

Nach dem Waldlauf – es sollte nicht der einzige bleiben – geht es auf die Laufbahn im Stadion. Einige Dehn- und Lockerungsübungen später wartet die größte Herausforderung des Trainingstages. Die Hälfte der Stadionrunde – also 200 Meter – soll ich mehrfach in höherem Tempo als meiner normalen Laufgeschwindigkeit zurücklegen. Die 200 Meter zwischen den Steigerungseinheiten dienen zur „Erholung“ in lockerem Trab.

Schon beim ersten Antritt kommt mir die Bahn nach wenigen Metern unendlich lang vor. Bergfeld läuft mir locker davon. Ich haste stampfend und keuchend hinterdrein. Zumindest an meinem Laufstil ist nach den Worten des Trainers nichts auszusetzen. Na, wenigstens etwas, denke ich.

Insgesamt fünfmal trete ich zu den Geschwindigkeitsetappen an. Die 200 Meter dazwischen empfinde ich wie den Besuch einer Oase nach quälend langer Durststrecke.

Erfolg erst nach mehreren Wochen

Bergfeld berichtet, dass Wettkampfläufer diese Art von Steigerung in Form eines Pyramidensystems betreiben: 200 Meter, 400 Meter, 600 Meter, 800 Meter, 1000 Meter, 1000 Meter, 800 Meter, 600 Meter, 400 Meter und 200 Meter. Das bleibt für mich glücklicherweise Theorie. Stattdessen stehen noch einige Runden im Stadion und zwei abschließende durch den Wald an.

Bergfeld erklärt, dass der Sinn der Tempoeinheiten darin besteht, seine Ausdauer und damit die Leistungsfähigkeit zu steigern. Ein spürbarer Erfolg stelle sich aber erst nach mehreren Wochen ein. Ob die Zeit ausreicht, dass ich die zehn Kilometer am 22. April in weniger als einer Stunde schaffe, was Bergfeld für mich als Ziel ausgegeben hat, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch.

Den Lockrufen widerstanden

Positiv bleibt festzuhalten, dass ich den Lockrufen des inneren Schweinehundes und der Anziehungskraft des Sofas bislang erfolgreich widerstanden habe. Auch während des langen Osterwochenendes habe ich mein Laufprogramm konsequent durchgezogen.

Auf dem Übungsprogramm standen Lauftraining im Wald und Steigerungsläufe im Papenburger Waldstadion. Grafik: Heiner Wittwer

Noch nicht gespürt habe ich indes das Ausschütten von Glückshormonen, das angeblich mit regelmäßigem Lauftraining einhergehen soll. Was im Gegensatz zur Anfangsphase meines Läuferlebens hingegen merklich nachgelassen hat, ist der schwere Muskelkater. Ich habe nichts dagegen. Er kann dem Schweinehund gern Gesellschaft leisten.