Papenburger singt klassische Musik Von der Metalbühne in den Opernsaal

Von Annika Keilen


anke Papenburg. Steffen Schulte ist seit zwei Jahren professioneller Sänger. In verschiedenen Chören gibt er weltweit klassische Konzerte. Der Papenburger widmete sich bis vor wenigen Jahren noch einer ganz anderen Musikrichtung – dem Metal.

Härte, Dynamik und Geschwindigkeit sind Klangmerkmale des Metals. Einem Genre, dem sich auch die Papenburger Band „Those who wrote poems“ (die bis 2012 als „Last Breathing“ bekannt war) verschrieb. Schlüsselinstrumente der Band waren nicht nur der rauchige Kehlgesang, sondern auch die von Steffen Schulte gespielte E-Gitarre. Als die Band bei dem Festival „Rock im Moor“ im Jahr 2013 auftrat, machte Schulte sein Abitur am Gymnasium Papenburg. Zu diesem Zeitpunkt hörte der Musiker überwiegend Metal-Musik – solange, bis er sich entschied, in Hannover Musik und Philosophie auf Lehramt zu studieren.

Klassischer Gesangsunterricht

Im Studium erhielt Schulte das erste Mal klassischen Gesangsunterricht. Diese Erfahrung prägte seine Zukunft. „Ich wollte mehr“, meint Schulte. Zu seinem Alltag gehörte ab sofort das Üben von Tonleitern und Atemtechniken. Auch in einen Chor trat er ein. In diesem konnte er seine tiefe Stimmlage weiter schulen. Ein „Bass“ sei in Chören gesucht, sodass er an weiteren Projekten teilnahm, beschreibt der Papenburger seinen anfänglichen Werdegang.

Es folgten erste Auftritte in professionellen Chören. Aus seinem Hobby wurde eine Tätigkeit als Freiberufler. Zu seinen bisher größten Erfolgen zählt Schulte Auftritte in der Kölner und Berliner Philharmonie. Die Konzerte sind nicht nur auf Deutschland begrenzt: 2015 reiste er nach China, 2016 folgten die USA und 2017 gab es Auftritte in Chile.

Gutes Zeitmanagement

Das Singen in Profichören ist laut Schulte aber auch sehr zeitintensiv. Ein bis zwei Stunden täglich übe er, dazu müsse er noch die Noten und Texte lernen – alles neben dem Lehramtsstudium. Beide Tätigkeiten seien zwar vereinbar und die Gagen der Auftritte tragen zur Finanzierung des Studiums bei, trotzdem müsse er immer wieder Prioritäten setzen. Schwer sei auch die zeitliche Koordinierung der Auftritte, die sich oft sehr spontan ergäben. So habe er beispielsweise im April in Kassel ein Solokonzert um 10 Uhr. Im Anschluss daran müsse er direkt nach Hannover fahren, um noch am selben Tag dort mit einem Chor auf der Bühne zu stehen. Es sei positiver Stress, aber für ihn gilt: „Man muss einfach immer 100 Prozent geben, weil es sonst einfach nicht reicht.“

Metal in der Freizeit

Dass er einmal eine professionelle Gesangskarriere anstrebe, hätte sich Schulte vor vier Jahren „nicht mal annähernd denken können“. Seine Eltern seien zwar musikalisch, doch beruflich in einem ganz anderen Bereich tätig. Heute müsse er zwangsläufig sein Leben nach klassischer Musik ausrichten, doch Metal höre er freizeitlich immer noch gerne.

Für ihn seien beide Musikrichtungen auch gar nicht so unterschiedlich. „Es gibt viele Parallelen zwischen klassischer Musik und Metal“, so der Student. Natürlich nicht im Hinblick auf Stimmung und Inhalt, aber strukturell könne ein Metalsong ähnlich aufgebaut sein wie etwa das Stück „Winterreise“ von Schubert. Beide hätten ein musikalisches Intro und verfolgen danach eine Geschichte. Auch die Intensität könne bei klassischer Musik genauso ausgeprägt sein wie in einem Metallied.

Ungewisse Zukunft

Nach dem Abschluss seines Studiums möchte Schulte ein Gesangsstudium mit dem Schwerpunkt Oper, Oratorium und Lied beginnen. Das Vorsingen an verschiedenen Universitäten in Deutschland sei notwendig, um seinem Traum von einer Festanstellung in einem Chor oder einer Oper ein Stück näher zu rücken. Er selbst blickt zuversichtlich in die Zukunft, beschreibt diese aber auch als nicht vorhersehbar. Fest steht für ihn, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen möchte.