Keine Halal-Schlachterei vor Ort Papenburger Muslimin fährt zum Einkaufen nach Bremen

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Papenburg. Im Islam gibt es verbotene (haram) und erlaubte (halal) Nahrungsmittel. Vor allem das Fleisch spielt in der Religion eine wichtige Rolle. Nicht nur der Verzehr von Schweinefleisch ist verboten. Bei erlaubten Tieren ist auch entscheidend, wie sie getötet werden. Weil es in Papenburg keine Halal-Schlachterei gibt, fährt Miyase Albayak zum Einkaufen nach Bremen.

Bis nach Bremen fährt Miyase Albayrak, um erlaubtes Fleisch zu kaufen. Dort gibt es eine spezielle Schlachterei, die garantiert Halal-Fleisch verkauft, erzählt die Papenburger Muslimin. Die Tiere werden dort geschächtet, da der Koran den Verzehr von Blut verbietet. Außerdem sei in der Schlachterei in Bremen ein Muslim bei der Tötung anwesend. Zwar erlaube der Koran, die Schlachtung durch einen Christen oder Juden, aber nur im Ausnahmefall, so Albayrak, Frauenbeauftragte der Ditib-Gemeinde in Papenburg. „Ein Nicht-Moslem darf diese Aufgabe nur übernehmen, wenn es wirklich gar nicht anders geht“, sagt sie. Auf Schweinefleisch verzichten gläubige Muslime hingegen komplett. Albayrak erklärt, dass der Koran Schwein verbiete, da das Tier als unrein gelte. Für sie sei es aber kein Problem, statt Schwein eben Rind, Lamm oder Schaf zu verwenden, sie kenne es gar nicht anders.

Schwein in Süßigkeiten

Komplizierter werde es, wenn in Nahrungsmitteln tierische Gelatine verarbeitet werde. Diese stamme dann oft vom Schwein. „Es gibt Süßigkeiten, auf denen steht Veggie“, sagt sie. „Diese müssten ohne Tierprodukte hergestellt worden sein.“ Auch auf Würstchen, die in großen Supermarktketten in Regalen stehen, findet sich manchmal das Halal-Siegel. Dieses würde den Muslimen erlauben, die Wurst zu essen. Albayrak verzichtet dennoch auf diese Produkte. „Ich beziehe mein Fleisch nur von meinem Schlachter. Aber es gibt Muslime die vertrauen dem Halal-Siegel“, erklärt sie. Das Fleisch, das sie in Bremen kauft, gibt sie an den türkischen Supermarkt weiter, der an die Papenburger Moschee grenzt. Da sei sie auf der sicheren Seite.

Viel Fleisch beim Opferfest

Vor allem beim Opferfest, eines der zwei großen Feste des Islams, steht die Schlachtung im Mittelpunkt. Für diesen Tag übernimmt ein Gemeindemitglied die rituelle Tötung. Je nach Verfügbarkeit werden dafür Paarhufer wie Schafe, Ziegen oder Rinder verwendet. Das Fleisch wird dabei zu einem Drittel selbst gegessen, ein Drittel geht an Freunde und Bekannte und ein Drittel wird gespendet. „Wir essen an diesen Tagen sehr viel Fleisch“, so Albayrak. Am Opferfest, aber auch im Rest des Jahres, müsse sie sichergehen, dass das Fleisch halal ist.

Neben den tierischen Produkten finden sich in dem kleinen Markt am Mittelkanal weitere türkische Lebensmittel. Diese seien bei den Papenburger Türken auch ohne religiösen Hintergrund beliebt. Albayrak deckt sich hier gerne mit Roten Linsen, Bulgur oder Tomatenmark ein, um traditionelle türkische Gerichte zu kochen, die sie noch von ihrer Mutter gelernt habe. Gerne stellt sie die aus Blätterteig und Honig bestehenden Nachspeise Baklava her oder kocht Suppen. „Bei vegetarischen Gerichten weiß ich zu 100 Prozent, dass sie halal sind“, so die gläubige Muslimin.


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