Zweifel bei Aussagen der Opfer 29-Jähriger vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen

Von Jennifer Kemker

Von den Vorwürfen der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung ist ein 29-Jähriger aus dem nördlichen Emsland vor dem Papenburger Amtsgericht freigesprochen worden. Foto: Archiv/FreiVon den Vorwürfen der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung ist ein 29-Jähriger aus dem nördlichen Emsland vor dem Papenburger Amtsgericht freigesprochen worden. Foto: Archiv/Frei

Papenburg. Von den Vorwürfen der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung ist ein 29-Jähriger aus dem nördlichen Emsland vor dem Papenburger Amtsgericht freigesprochen worden. Die Aussagen der psychisch instabilen, vermeintlichen Opfer seien laut Gericht zweifelhaft.

Aus der Anklage ging hervor, dass der Angeklagte zunächst ein damals 16-jähriges Opfer vor rund drei Jahren auf einer Manga-Messe kennengelernt hatte. Im Dezember verbrachte das Mädchen dann einen Tag beim Angeklagten. Dort soll es dazu gekommen sein, dass der 29-Jährige sie auf das Bett gezogen, ihre Kleidung ausgezogen und mit der Hand in ihre Hose gegangen sei. Er habe die damals 16-Jährige außerdem gezwungen, sein Geschlechtsteil anzufassen. Später habe er sich vor ihren Augen selbst befriedigt.

Weiterhin soll der Beschuldigte im April 2016 ein weiteres Opfer sexuell genötigt haben. Er sei mit ihr nach Hause gefahren und habe auch sie aufs Bett gezogen, ihren BH geöffnet und mit der Hand in ihre Hose gefasst haben.

Beim Skypen ausgezogen

Der 29-Jährige bestritt vor Gericht nicht, dass es sexuelle Handlungen mit den beiden Geschädigten gegeben hatte. Er habe keine Bedenken gehabt, dass sie es nicht wollten. Zum ersten Anklagepunkt sagte er außerdem aus, dass er mit dem Mädchen über den Nachrichtendienst Skype telefoniert und sie sich sogar beide dabei ausgezogen hätten. „Ich habe sie zu nichts gezwungen“, betonte er. „Ich wollte ihr nie wehtun, ich habe sie gern gehabt.“

Liebesbrief geschrieben

Darüber hinaus gab es im ersten Vorwurf der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung einen Liebesbrief des Angeklagten an die 16-Jährige, der von ihren Eltern abgefangen und gelesen wurde. Die Eltern der Jugendlichen stellten nach eigenen Aussagen ihre Tochter zur Rede, woraufhin die 16-Jährige weinend zusammenbrach. Nach dem Tatzeitpunkt sei sie wie ausgewechselt gewesen.

Eine psychologische Sachverständige berichtete vor Gericht, nachdem sie ein Glaubwürdigkeitsgutachten mit dem Opfer durchgeführt hatte, dass die Aussage nicht als glaubhaft erachtet werden kann. „Das heißt nicht, dass sie vor Gericht gelogen hat“, so die Psychologin. Aufgrund der Ereignisse kann es dazu gekommen sein, dass sich der Vorfall im Kopf der laut Gutachten emotional instabilen 16-Jährigen umgewandelt habe. Die zweite Geschädigte sei ebenfalls psychisch instabil, habe sich aber nicht auf eine Glaubwürdigkeitseinschätzung eingelassen.

Opfer psychisch angeschlagen

Neben den Aussagen der Geschädigten hielten auch Staatsanwalt und der Verteidiger ihre Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Richter begründete seinen Freispruch damit, dass der Angeklagte die sexuellen Handlungen nicht in Abrede gestellt hatte. Besonders sei aber darüber hinaus, dass beide Opfer durch verschiedene Krankheitsbilder psychologisch angeschlagen seien, was sich auf die Beständigkeit der Aussagen ausgewirkt habe. Dem Angeklagten wurde seitens des Gerichts geraten, sich aufgrund seines Umgangs mit Frauen therapeutisch behandeln zu lassen.