Die ersten Trainingseinheiten Papenburger EZ-Lauftagebuch: Muskelkater verdrängt Schweinehund

Von Gerd Schade

Einer ist erschöpft, einer entspannt: Gerd Schade (links) und Peter Bergfeld nach der ersten Laufeinheit. Foto: Gerd SchadeEiner ist erschöpft, einer entspannt: Gerd Schade (links) und Peter Bergfeld nach der ersten Laufeinheit. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Nach der Theorie folgt die Praxis. Im dritten Teil seines Lauftagebuches schildert EZ-Redaktionsleiter Gerd Schade, wie er seine ersten Laufeinheiten erlebt und die ersten 16 Trainingskilometer weggesteckt hat.

Die Beine sind schwer wie Blei. Während der innere Schweinehund gefesselt und geknebelt in einer dunklen Ecke meines Bewusstseins sein zurzeit karges Dasein fristet, hat sich der Muskelkater in meinen Gliedmaßen ausgebreitet. Heraufgekrochen durch Füße und Waden hat er sich vor allem in der Oberschenkelmuskulatur festgekrallt.

Zwei Laufeinheiten aus dieser Woche stecken mir in den Knochen. Zunächst war ich mit Peter Bergfeld, Lauftrainer und Cheforganisator des 10. OLB-City-Laufes am 22. April in Papenburg (die Teilnahme ist meine Endstation Sehnsucht), verabredet.

Trainer analysiert Laufstil

Treffpunkt Waldstadion. Die neuen Laufschuhe sitzen. Bergfeld bittet mich auf die Tartanbahn und lässt mich zwei Runden drehen. Es ist nasskalt und regnet. Der Trainer trottet hinter mir her. Er ist ein anderes Tempo gewohnt. Aber darum geht es jetzt nicht. Bergfeld will meinen Laufstil analysieren. Überraschenderweise bekomme ich gute Haltungsnoten. „Die Füße berühren fast nur mit den Ballen den Boden. Wenig Bodenkontakt ist gut“, sagt Bergfeld. Zufrieden ist der 51-Jährige nach eigenem Bekunden auch mit meiner Körperhaltung: „Oberkörper gerade. Brust raus. Möglichst nach vorne und nicht auf den Boden schauen. Die Arme beim Laufen angewinkelt mitschwingen lassen.“ Wie Bergfeld erklärt, neigen viele Laufanfänger dazu, den Oberkörper nach vorne wegkippen zu lassen.

Nach der kurzen Laufstilanalyse geht es raus aus dem Stadion. Bergfeld hat seinen Pulsmesser aktiviert – eine Errungenschaft, die noch auf meiner Einkaufsliste steht. Das Gerät misst unter anderem Herzfrequenz, Laufleistung, Zeit und durchschnittlichen Kalorienverbrauch.

Mit den Gedanken allein

Bergfeld passt sich meinem Tempo freundlicherweise an. Über die Gutshofstraße traben wir in Richtung Aschendorfermoor. Ich atme schwer. Der Coach spürt das und stellt die Unterhaltung mit mir ein – spätestens, nachdem meine Antworten nur noch stoßweise und unter größerer Anstrengung kommen. In den nächsten Minuten bin ich mit meinen Gedanken allein und stelle fest: Laufen hat offenbar tatsächlich das Zeug zur geistigen Entspannung.

Der Regen wird stärker. Fritz-Walter-Wetter, denke ich. Im nächsten Moment schießen mir die legendären Worte des Radioreporters Herbert Zimmermann vom Fußball-WM-Finale 1954 durch den Kopf, als Boszik, der rechte Läufer der Ungarn, den Ball gegen Schäfer verliert und Rahn aus dem Hintergrund schießen müsste. – Die Gedanken mögen die Sehnsucht eines Altherrenkickers nach einer kurzen Verschnaufpause sein. Ich schiebe sie beiseite und laufe weiter. Es klappt.

Als wir nach knapp einer Stunde das Waldstadion erreichen, habe ich mehr als neun Kilometer zurückgelegt. „Das war wirklich ordentlich“, lobt Bergfeld. Die genauen Daten laut Pulsmesser: 59:41 Minuten, 9,45 Kilometer, im Durchschnitt 608 Kalorien verbraucht. „Das ist eine gute Basis“, sagt Bergfeld. Sein Arbeitsauftrag an mich: das Niveau in den nächsten 14 Tagen halten. Ziel sei eine leichte Steigerung mit dem Ergebnis, 10 Kilometer in weniger als einer Stunde zurückzulegen. Wir verabreden uns zu einer Leistungsüberprüfung in zwei Wochen.

Vom Bett in die Schuhe

Das motiviert mich. Den Termin für die zweite Laufeinheit zwei Tage nach dem Auftakt halte ich ein. Ich absolviere sie allein – morgens um kurz vor 6 Uhr. Hinein in die heraufziehende Morgendämmerung drehe ich einsam Runde um Runde auf der Aschebahn um den Hauptplatz im Aschendorfer Otto-Dölle-Stadion. Direkt aus dem Bett in die Laufschuhe, komme ich nur schwer in Tritt. Und doch habe ich den Platz am Ende meines Morgenlaufs, bei dem mich nicht viel mehr als das Zwitschern der Vögel in den Bäumen begleitet hat, die das Stadion säumen, 15-mal umrundet. Damit stehen weitere sechs Trainingskilometer zu Buche.

Dreimal pro Woche Lauftraining wird Freizeitläufern empfohlen. Grafik: Heiner Wittwer

Erschöpft, aber weiter fest entschlossen, nehme ich mir drei Laufeinheiten pro Woche vor. Wehe, die Fesseln des Schweinehundes lösen sich.