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Wohl ohne Konsequenzen Papenburg überschreitet Grenzwert bei Luftsauberkeit-Studie

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Papenburg. Die Stadt Papenburg hat bei der sogenannten Hermelin-Studie, mit der die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid und Feinstaub untersucht werden soll, einen Grenzwert überschritten. Konsequenzen wird das für die Stadt aber wohl nicht haben.

Die Studie ist umstritten. In Auftrag gegeben worden war sie bereits im Jahr 2013 vom damaligen Grünen-Umweltminister Stefan Wenzel, der inzwischen durch den SPD-Minister Olaf Lies abgelöst wurde. Durchgeführt hatte die Studie „Hotspot-Ermittlung und Emissionskataster lagebezogen auf Niedersachsen“ (kurz: HErmEliN) das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim, betrachtet wurden dafür laut Umweltministerium rund 300.000 Straßenabschnitte.

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Noch während der Amtszeit von Wenzel wurden im Herbst 2017 erste Ergebnisse vorgestellt. Demnach haben etwa 40 Städte einen Grenzwert überschritten, eine dieser Kommunen ist die Stadt Papenburg. „Die Modellrechnungen ergaben für die Stadt Papenburg Stickstoffdioxidwerte um die 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³). Der Grenzwert der Stickstoffdioxid-Belastung liegt bei 40 µg/m³“, teilte Sabine Schlemmer-Kaune, Sprecherin des Niedersächsischen Umweltministeriums, auf Anfrage mit. In der Fehnstadt sei der Straßenabschnitt Mittelkanal rechts zwischen den Straßen Osterkanal und Kapitän-Venema-Straße als „potentieller Belastungsschwerpunkt ermittelt worden“, so die Sprecherin.

Giftiges Gas entsteht bei Verbrennungsprozessen

Stickstoffdioxid ist ein giftiges Gas mit der chemischen Formel NO2, das ähnlich stechend riecht wie Chlor. Es entsteht bei der Verbrennung fossiler Energie (zum Beispiel Kohle oder Öl) und soll zu mehr als 75 Prozent vom Straßenverkehr stammen. Vor allem Dieselmotoren stoßen es aus. NO2 gilt als krebsverdächtig und greift die Atemwege an. Wenzel hatte nach Veröffentlichung der Modellberechnungen erklärt: „Die Untersuchung bestätigt leider unsere Befürchtung, dass die Belastungen der Luft umfassender und weitreichender sind als bislang ermittelt.“

Daten zum Teil veraltet und nicht überprüft

Der neue Umweltminister Lies sieht das aber in Teilen anders. Die Ministeriumssprecherin weist gegenüber unserer Redaktion darauf hin, dass die in dem Hermelin-Projekt errechneten Daten „nicht valide“ seien, also (noch) nicht gültig oder zuverlässig. „Aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit realer Daten, zum Beispiel Messungen, basiert die Studie zum Teil auf nicht validierten Daten zum Straßenverkehr beziehungsweise auf Daten aus dem Jahr 2011.“ Die tatsächlichen Verkehrsstärken können also ganz anders aussehen. „Seriöserweise hätten die Daten im November 2017 ohne Überprüfung und Validierung nicht veröffentlicht werden dürfen“, teilte Schlemmer-Kaune deutlich mit. Deshalb wurden die Ergebnisse der Modellrechnungen inzwischen auch von den Internetseiten des Ministeriums entfernt.

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Der Sprecherin zufolge werden die Rechenergebnisse derzeit auf Plausibilität überprüft. „Das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim hat dafür am 17. November 2017 die Stadt Papenburg zwecks Aktualisierung der Verkehrszahlen kontaktiert“, so Schlemmer-Kaune. Die Stadt hat bereits drei Tage später geantwortet. Abgefragt worden seien nach Angaben von Stadtsprecher Heiko Abbas allerdings lediglich die Verkehrsbewegungen (Anzahl der Fahrzeuge, Art der Fahrzeuge, Höchstgeschwindigkeit) für zwei Messpunkte am Mittelkanal. Dort hatte die Stadt im Jahr 2007 westlich der K107 (Flachsmeerstraße) 12.009 Fahrzeuge am Tag gezählt, davon 331 Schwerlast (2,76 Prozent). Im Jahr 2012 war in Höhe des Hauses Mittelkanal rechts 85 gezählt worden, dabei wurden 12.720 Fahrzeuge pro Tag ermittelt, davon 1017 Schwerlast (8,0 Prozent).

Neuberechnung steht noch aus

Ministeriumssprecherin Schlemmer-Kaune kündigte an: „Die Neuberechnungen werden durch das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim innerhalb der ersten Jahreshälfte 2018 durchgeführt. Danach erfolgt eine Neubewertung der Situation. Dann wird sich zeigen, ob Messungen in Papenburg überhaupt erforderlich sind. In Süd-Niedersachsen ergaben Detail-Untersuchungen bisher keine Hinweise auf Grenzwertüberschreitungen. Wir gehen davon aus, dass es neben den bisher identifizierten vier Städten in Niedersachsen, nämlich Oldenburg, Osnabrück, Hannover und Hildesheim, keine weiteren Städte mit Stickstoffdioxid-Überschreitungen geben wird.“

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