Pflege oder Biotop-Zerstörung? Mahnende Worte nach Landschaftsarbeiten in Aschendorf

Von Gerd Schade


Aschendorf. Landschaftsarbeiten der Stadt Papenburg auf dem Geländestreifen entlang der unbebauten Seite entlang der Paul-Gerhardt-Straße in Aschendorf haben Bedenken und mahnende Worte eines Aschendorfers hinsichtlich Naturschutz hervorgerufen. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren die Arbeiten erforderlich.

„Entlang der Straße sind die Seitenräume gemulcht worden“, erklärt Stadtsprecher Heiko Abbas auf Anfrage unserer Redaktion. Dabei sei vor allem das Unterholz gemulcht und entfernt worden. „Es handelte sich dabei um Pflanzenaufschlag von Erlen, Weiden und Brombeeren sowie anderen kleineren Sträuchern“, so Abbas.

Anlass für die Arbeiten war nach den Worten des Stadtsprechers zum einen, dass das Sichtdreieck zwischen der Paul-Gerhardt-Straße und Amselstraße aus und in Richtung Kindergarten wieder habe hergestellt werden müssen. „Zudem soll durch die Mulcharbeiten der Wasserabfluss in dem Bereich verbessert werden.“

Ein alter Emsarm

Wie der Aschendorfer Hilmar Lübke in einem Schreiben an unsere Redaktion erklärt, handelt es sich bei dem Geländestreifen zwischen der Waldseestraße und dem Gebäude der ehemaligen Berufsschule mit teils morastigem Boden, niedrigem Buschwerk und teils morschen sowie umgestürzten älteren Bäumen um einen alten Emsarm. Mit der Begradigung des Flusses sei er der Natur überlassen worden.

„Aus Sicht des Naturschutzes bietet sich nun ein erschreckender Anblick“, urteilt Lübke nach den Arbeiten der Stadt. „Hier wurde ein wertvolles Ökosystem innerhalb kürzester Zeit vernichtet, welches sich über Jahrzehnte (wenn nicht gar wesentlich länger) entwickelt hat.“ Selbst kleinste Rückzugsräume für die Natur würden dem Ordnungsgedanken es Menschen geopfert.

Für Vögel und Amphibien

Lübke listet in seinem Schreiben eine Reihe von Vogelarten auf, die in dem „scheinbar wertlosen Biotop“ ihren Lebensraum hätten und mitunter bedeutende Insektenvertilger seien. Im feuchten Boden fänden zudem etliche Amphibien im Winter Schutz. Nun sei „das traute Blätterdach“ im Unterholz zerstört.

Nach Lübkes Auffassung ist es „höchste Zeit, der Natur ihren Bereich zu belassen“. Fauna und Flora hätten keinen Anwalt, sondern seien auf das Wohlwollen des Menschen angewiesen. Der Aschendorfer mahnt zu einem zwingenden Umdenken im Umgang mit der Natur. Durch gut gemeinte Landschaftspflegemaßnahmen würden Jahr für Jahr wertvolle Naturbiotope zerstört. Lübke empfiehlt vor Eingriffen wie dem an der Paul-Gerhardt-Straße einen Umweltschutzbeauftragten hinzuzuziehen.

Ausdrücklich will der Aschendorfer seine Anmerkungen nicht als Kritik „oder gar Angriff“ auf die für die Landschaftspflege zuständige Behörde verstanden wissen. Vielmehr wolle er zu einer anderen Einstellung anregen. „Wir alle sind Teil der Natur und müssen lernen, mit ihr zu leben und nicht gegen sie zu arbeiten“, betont Lübke.