Serie: Bands aus der Region Alitwins spielen Antipop aus Aschendorf

Meine Nachrichten

Um das Thema Papenburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Aschendorf. Jan Bergmann (23) und Erik Walter (21) sind Alitwins. Sie wohnen in Leer und Papenburg. Für ihre Proben treffen sich die Musiker in Aschendorf und arbeiten an ihrem „Antipop“.

Es ist laut. Das Schlagzeug scheppert unter den Sticks von Erik Walter. Kaum auszumachen sind dagegen einzelne Worte des Gesangs. Dennoch dröhnt Jan Bergmanns Stimme durch die Lautsprecher. Gleichzeitig erzeugt er ein tiefes Rauschen an den Saiten seiner rosafarbenen Gitarre. Der Proberaum der Alitwins ist kalt an diesem Wintertag. Obwohl der Heizer schon seit einiger Zeit läuft, dringt die Kälte durch die nicht isolierten Wände und durch große Löcher. Durch eines davon tropft der Regen. „Es klingt nicht richtig. Die Gitarre ist noch zu kalt“, sagt Bergmann. Vielleicht wird es später besser, hofft er. Eine ganze Sammlung von Instrumenten steht hinter dem Sänger. In der Mitte des Raumes hat das Schlagzeug seinen Platz, an der Wand lehnt ein Keyboard und überall Verstärker. Hinter einer, von den beiden selbst gezogenen Wand sieht es anders aus. Hier hängen die beiden ab, wenn sie gerade nicht spielen. Es gibt zwei Sofas, einen Tisch und einen Fernseher. „Mit Playstation“, freut sich Walter.

Kaffee aus Guatemala

Viel Zeit verbringen die Musiker in ihrem selbst zusammen gezimmerten Proberaum. Zwei bis dreimal in der Woche seien sie hier, oft die ganze Nacht. „Entweder nehmen wir abends den letzten Zug nach Hause oder morgens den ersten“, erzählt Bergmann. Er selbst wohnt in Leer, Walter in Papenburg. An diesem Abend ist nicht nur die Gitarre kalt. Mit Wollmütze und dickem Pullover bereitet Bergmann einen Kaffee zu. Eine mobile Herdplatte haben sie sich besorgt und fair gehandelten Kaffee aus Guatemala. So schnell sich das Röstaroma in dem kleinen Raum verbreitet, so schnell verschwindet der rauchige Duft durch die undichten Stellen in den Wänden.

Als „Twins for Indie“ angefangen

Bei indirektem und leicht schummrigen Licht erzählen sie, wie sie zur Musik gekommen sind. Meistens redet Bergmann. Als „Twins for Indie“ haben sie als Jugendliche begonnen, gemeinsam Musik zu machen. Vom Geld, dass sie durchs Rasenmähen verdient haben, kauften sie das erste Schlagzeug, dann noch ein Mikro und Ständer. „Das Billigste vom Billigen“, so Bergmann. Beide waren damals noch auf der Realschule an der Kleiststraße in Papenburg und hatten wenig Geld. Dennoch wollten sie mit ihren Liedern ins Studio. „Wir haben ein ganzes Jahr gespart um vier Songs richtig schlecht aufzunehmen“, erzählt der Sänger. Walter nickt zustimmend.

Mehr auf die Fresse

Vom Indie haben sich die beiden entfernt. „Das war zu soft. Das muss mehr auf die Fresse.“ Seit sechs Monaten gibt es die Alitwins. Ihre Musik ist laut und hart. Als „Antipop“ bezeichnen sie ihren Stil. „Wenn man Pop heraushört, dann machen wir das direkt wieder kaputt“, so Bergmann. Bands wie Iggy Pop, Ton Steine Scherben, Wallace Vanbourn, Blood Red Shoes oder Motorpsycho beeinflussen die beiden. Ihre erste Single als Alitwins heißt „Jäger und Gejagte“. Die haben sie im vergangenen Jahr aufgenommen, die zweite folgt bald. Die Texte sind deutsch. Es sei nicht ganz leicht für sie, an Auftritte zu kommen. Das läge vor allem an einer großen Metal-Szene rund um Papenburg, so Bergmann. Für ihre Musik gäbe es es nur wenig Plattformen. Dennoch steht der nächste Gig schon fest: Im Mai stehen sie im Zollhaus in Leer auf der Bühne.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN