Betrieb reagiert auf Regio-Trend In Papenburg reifen die ersten Paprika

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Papenburg. Das erste zarte Rot durchschimmert eine Paprika im Papenburger Gartenbaubetrieb von Friedrich Schulz und seinen Söhnen Daniel und Stefan. In etwa 14 Tagen steht die erste Ernte an. Dass der Betrieb in die Paprika-Produktion eingestiegen ist, hat mit dem Trend zu mehr Regionalität zu tun. Dem kann das Unternehmen aber nicht nur Positives abgewinnen.

Wie Seniorchef Schulz im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet, ist sein Betrieb der erste Paprikaproduzent in der Fehnstadt. Große Supermarktketten, die Kunden der Gartenbauzentrale (GBZ) Papenburg sind, hätten angefragt, ob die GBZ im Sinne der Nachfrage nach regionalen Produkten nicht auch Paprika anbieten könne. Also habe sein Betrieb „viel Geld“ – die Investitionssumme will Schulz auf Nachfrage nicht nennen – in ein neues Gewächshaus investiert. Darin gedeihen 36.000 Paprikapflanzen für rote, gelbe und orangene Schoten. Noch aber sind sie fast alle grün. „Das ist im Jungstadium immer so“, erklärt Schulz.

(Weiterlesen: Papenburger Gärtnereien investieren kräftig in neue Flächen)

Die Regionalität ist nach seiner Einschätzung aber „Gift für die Papenburger Gartenbauregion“. Gleichwohl könnten auch die hiesigen Betriebe die deutschlandweite Bewegung nicht aufhalten und müssten mitmachen. Und doch gebe es nach seiner Auffassung zu viele Betriebe, wenn auch hier nur noch auf regionale Gartenbauprodukte gesetzt würde. Nicht minder schwierig sei der bundesweite Absatz für Produkte aus Papenburg. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ließen sie sich eben nicht mehr mit dem Label „Aus der Region“ oder „Aus NRW“ vermarkten.

Über ein Fließband auf den Müll

Welche Folgen dies aktuell und tagtäglich im Gartenbaubetrieb Schulz hat, wird beim Blick in den Hinterhof des Geländes in der Gartenbausiedlung „Großes Meer“ deutlich. Dort landet ein Teil der frischen Kräuterproduktion über ein Fließband direkt auf dem Müll – das Wegwerfen von Petersilie, Basilikum und Zitronenmelisse ist automatisiert. „Gegenwärtig schmeißen wir etwa 15 Prozent unserer Jahresproduktion weg. Früher waren es 3 bis 4 Prozent“, sagt Friedrich Schulz. Aus den Abfallkräutern werde Torferde gemacht, das Grün mineralisiert. Die Produktionsmengen ließen sich logistisch nicht einfach umstellen.

Geschlossenes System

Was Schulz überdies nicht nur traurig, sondern auch wütend macht, sind pauschale Vorwürfe von Naturschützern, auch Gartenbaubetriebe würden den Boden überdüngen beziehungsweise das Grundwasser verunreinigen. Sein Betrieb, in dem bis zu 60 Menschen beschäftigt sind, verfüge über ein geschlossenes Kreislaufsystem. Die Paprikapflanzen wurzelten auf mehrere Jahre verwendbarer Steinwolle und würden mit einer Lösung genährt. Wie Schulz weiter erklärt, fließt das überschüssige Wasser in eine Rinne und von dort in einen Behälter, wo es gefiltert und mithilfe von Ozon entkeimt werde. Dann kämen Frischwasser und neuer Dünger hinzu und das Ganze ginge wieder zur Pflanze. Nachhaltiger ginge es kaum. „So funktioniert 95 Prozent des Gartenbaus“, sagt Schulz.

„Fortschritt nicht kaputtreden“

Zu seiner Lehrzeit sei noch ganz anders, genauer gesagt nach dem Motto „Viel hilft viel“ produziert worden. „Ich weiß, was Chemie ist“, betont der 66-Jährige. Ein Zurück in dieser Hinsicht könne niemand wollen und sei auch gar nicht möglich. Vielmehr gelte heute, so wenig Chemie wie möglich einzusetzen. „Wir lassen uns den Fortschritt nicht kaputtreden“, so Schulz.

(Weiterlesen: Trend zu Regionalität verändert Geschäfte der GBZ Papenburg)


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