Papenburgerin sorgt für Staunen Fastenmarsch im nördlichen Emsland: Hunderte auf Drahteseln, eine auf dem Pferd

Von Klaus Dieckmann, Jennifer Kemker und Gerd Schade

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kd/jke/gs Papenburg/Esterwegen/Lathen. Mehrere Hundert Menschen haben sich am Sonntag im Dekanat Emsland-Nord am Misereor-Fastenmarsch beteiligt. Die meisten waren wieder mit dem Fahrrad unterwegs, eine Teilnehmerin wählte aber einen anderen Sattel und sorgte für Staunen.

Im Sattel ihres Pferdes „Apollo“ nahm Maren Walker aus Papenburg an der Solidaritätsaktion zugunsten des katholischen Hilfswerks Misereor teil. Ausgangspunkt des außergewöhnlichen Ausritts war die Fastenmarschstation beim Pfarrheim St. Marien am Papenburger Obenende. Rund 20 Kilometer hatte sich die 18-jährige Hobbyreiterin für ihre Tour vorgenommen. Begleitet wurde sie dabei von ihrem Freund Niklas Hermes (18), der die Strecke per Fahrrad absolvierte.

13-jähriger Hengst ein ruhiges Tier

„Apollo“ sei an ausdauernde Ritte von mehreren Stunden gewöhnt, sagt Maren Walker. So sei ihr die Idee gekommen, mit dem Pferd auch mal am Fastenmarsch teilzunehmen. Der 13-jährige Hengst sei ein ruhiges Tier und für die Aufgabe gut gewappnet. Als Verpflegung hat die 18-Jährige für „Apollo“ etliche Leckerlies eingepackt. Weiteres Futter werde sich unterwegs gegebenenfalls wohl finden lassen.

An den Stationen, wo Maren Walker Halt macht und ihren Stempel für das Begleitheft abholt, werde sich zwischenzeitlich Niklas Hermes um „Apollo“ kümmern. Von St. Marien ging der Ritt zunächst nach St. Michael und von dort aus nach Aschendorfermoor. Ihren weiteren Streckenverlauf hatte die 18-Jährige über Neulehe und Börgermoor zurück ans Papenburger Obenende abgesteckt.

Den Ausritt von Maren Walker wertete Dekanatsjugendreferentin Lena Brinker als eine außergewöhnliche Begebenheit in der Geschichte des Fastenmarsches im Dekanat. Ihr sei nicht bekannt, dass sich bei der hiesigen Solidaritätsaktion zuvor schon einmal Teilnehmer im Sattel eines Pferdes auf den Weg gemacht hätten.

Helfer an 50 Stationen

Insgesamt stellte Brinker eine gute Beteiligung fest. Es sei schön, zu sehen, dass so viele Leute, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, für die gute Sache unterwegs seien. Anerkennung sprach sie zudem den vielen Helfern aus, die an den 50 Stationen erneut in hervorragender Weise für die Betreuung der Teilnehmer gesorgt hätten.

In die Reihe der Anlaufstellen hatte sich bei der 36. Auflage des Fastenmarschs im Dekanat erstmals auch Esterwegen eingereiht. Betreut wurde die Station im Max-Kolbe-Haus von den Mitgliedern der Ortsgruppe der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB). Die Anregung sei von Sabine Jansen, Jugendreferentin in der Pfarreiengemeinschaft Abraham, gekommen, berichtete KLJB-Ortsvorsitzender Leon Book. „Wir werden die Fastenmarschaktion weiter begleiten“, bekräftigte Book.

Zum Start am Morgen herrschten zunächst noch frostige Temperaturen. Ziemlich kalt fanden auch die Besucher der Station St. Antonius im Niels-Stensen-Haus in Papenburg das Wetter. Mit Kaffee, Tee, Brötchen und Obst konnten sich auch die Starter stärken, bevor es auf die große Tour ging.

Seit 20 Jahren dabei

Auch Andrea Hillebrand startete mit vier Freunden am Vormittag beim Stensen-Haus. Bevor es in Richtung Tunxdorf ging, frühstückte die Gruppe, um für das kalte Wetter gewappnet zu sein. Je nachdem, wie sich das Wetter entwickelt, wollten die Freunde laut Hillebrand 40 bis 50 Kilometer zurücklegen. „Wir fahren schon seit rund 20 Jahren jedes Jahr wieder beim Fastenmarsch mit“, sagte sie.

Derweil registrierten die Firmlinge an der Station in Lathen bis zum Mittag mehr als 30 Starter und Besucher. Gemeindeassistent Maximilian Bergmann erklärte, dass die Firmlinge in jedem Jahr die Station im Jugendheim besetzen. Von insgesamt 53 Jugendlichen, die gefirmt werden, halfen 19 in verschiedenen Schichten.

Erster Radfahrer startete um 17 Uhr

Wie Bergmann berichtete, startete der erste Radfahrer bereits um kurz nach 7 Uhr in Lathen. Auch zwischen 9 und 10 Uhr hatten die Jugendlichen viel zu tun. „Obwohl einige Radler das Wetter zu kalt finden, sind sie trotzdem hoch motiviert und wollen so viele Kilometer fahren, wie möglich“, so Bergmann.

Besonders erinnert sich der Gemeindeassistent an einen Starter in der Gemeinde. Im vergangenen Jahr schaffte er rund 120 Kilometer. „In diesem Jahr hat er sich vorgenommen, 150 Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen“, sagte Borgmann. Mit Flickzeug und Ersatzschläuche habe er sich bereits früh am Morgen auf den Weg gemacht.

Vor dem Amandushaus in Aschendorf zeugte bereits am Vormittag eine „Herde“ abgestellter Drahtesel von einer stattlichen Teilnehmerzahl. Dass die Anlaufstelle im Schatten der St.-Amandus-Kirche gar nicht erst verfehlt werden konnte, dafür sorgten unter anderem Sebastian Schulte und Jan Hövelmann. Sie befestigten Banner auf dem Vorplatz des Pfarrhauses.

Frischer Waffelduft

Aus dem Dorfgemeinschaftshaus in Tunxdorf strömte derweil der Duft frischer Waffeln. Drinnen hatten Helfer der örtlichen Landjugendgruppe ein kleines, aber feines Büfett aufgebaut. Dort gab es Kuchen, Brötchen, Aufschnitt und Gemüsesnacks mit Dip. Kinder griffen besonders gern in eine Süßigkeitendose.

Mit dem Fastenmarsch warf das Katholische Jugendbüro erneut ein Schlaglicht auf die Situation der Straßenkinder in Indien. Bereits vor fünf Jahren war der Erlös aus der Solidaritätsaktion im nördlichen Emsland dem Projekt „Butterflies“ zugutegekommen. Misereor greift mit seiner Initiative Straßenkindern in Indien unter anderem mit Schulunterricht, Notunterkünften, einer mobilen Erste-Hilfe-Station und psychologischer Betreuung unter die Arme. Zielsetzung ist es, den jungen Menschen Chancen auf ein besseres Leben zu eröffnen.

2017 hatte der Fastenmarsch unter dem Motto „Waldgärten: Neues Fundament für Haiti“ gestanden. Dabei kamen aus dem Dekanat Emsland-Nord mehr als 42.000 Euro dem Misereor-Projekt in dem Inselstaat zugute. Mehr als 1500 Fastenmarschierer hatten sich auf den Weg gemacht.

(Weiterlesen: 1500 Starterzeichen gefertigt – „Schmetterlinge“ für Fastenmarsch im nördlichen Emsland)


So funktioniert der Fastenmarsch

Teilnehmer suchen in den Wochen vor dem Marsch Sponsoren – beispielsweise Eltern, Freunde, Bekannte, Verwandte. Mit ihnen vereinbaren sie einen bestimmten Betrag, die diese pro gelaufenem oder gefahrenem Kilometer auf einer oder mehreren der zwölf Routen bereit sind zu zahlen. Auf Wunsch können die Sponsoren ab einem Mindestbetrag von 5 Euro eine Spendenquittung bekommen, sagte Lena Brinker, Jugendbildungsreferentin beim Katholischen Jugendbüro Emsland Nord.

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