Keine Ausgrenzung, aber Anpassung Tafeln im Nordkreis verteilen nach Bedürftigkeit

Meine Nachrichten

Um das Thema Papenburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Papenburg. Nach Ausgrenzungen von Ausländern bei der Vergabe von Lebensmitteln in der Essener Tafel, die deutschlandweit für Diskussionen sorgen, läuft der Betrieb bei den Papenburger Tafeln im Nordkreis und der Lingener Tafel in Lathen nach gewohnten Maßstäben: Lebensmittel gehen an Bedürftige unabhängig von Herkunft oder Religion.

Für die Essensausgaben der Tafeln in Deutschland war 2015 ein einschneidendes Jahr. Viele der Flüchtlinge, die ins Land kamen, hat die Tafel mit Grundnahrungsmitteln versorgt. Sie hatten das gleiche Recht wie die Bedürftigen, die vor dem Ansturm bereits zu den Kunden zählten. „Das Problem war, dass sich mit dem Kundenanstieg das Warenangebot nicht erhöht hat“, sagt Christa Weißt-Rolfes, Leiterin der Lathener Tafel. So mussten sie in Lathen Maßnahmen einführen, die es vorher nicht gegeben hat. Dazu zählte zum einen die Einführung von Losnummern. Der Zufall entscheidet bis heute die Reihenfolge, in der die Kunden bedient werden. „Jeder bekommt etwas“, so Weißt-Rolfes. Auch haben sie einen Tafelausweis eingeführt, der die Bedürftigkeit bescheinigt. Dieser werde nach Einkommen ausgestellt und nicht nach Nationalität oder Religion, betont die Leiterin. Gerade das Verfahren mit den Losnummern habe zu Unmut bei einigen Stammkunden geführt.

Lage hat sich beruhigt

Doch die Situation habe sich generell wieder beruhigt. „Viele Flüchtlinge sind vom Land weg in die Großstädte gezogen“, sagt Weißt-Rolfes. Auch seien einige ältere Kunden von der großen Gruppe von zumeist jungen Männern, die plötzlich auftauchten, verschreckt gewesen. Sie sind teilweise eine Zeit lang weggeblieben, so die Lathener Leiterin. Aber auch diese Kunden seien mittlerweile zurück. Zu Hochzeiten hatten die Lathener statt 60 Bedürftigen 90, die Lebensmittel benötigten.

Auch die Papenburger Tafeln haben den Anstieg von Neukunden bemerkt. In den sieben Ausgabestellen in Papenburg, Sögel, Dörpen, Aschendorf, Werlte und Esterwegen gibt es 4000 Kunden. Davon hätten etwa 60 Prozent einen Migrationshintergrund, sagt Leiterin Ulla Naujok. Sie und ihr Team von Ehrenamtlichen arbeiten mit Terminen. Jeder Kunde bekommt eine Zeit zugewiesen, zu der er seine Ration an Lebensmitteln abholen kann. Einmal in der Woche gibt es pro Bedarfsgemeinschaft einen Korb, den freiwillige Helfer vorher zusammenstellen.

Vereinzelt fehlender Respekt vor Frauen

Dieses System sei nicht erst mit der großen Zahl von Geflüchteten eingeführt worden, habe sich aber gerade in einer Zeit großen Ansturms bewährt, erzählt Naujok. Ganz deutlich sagt die Leiterin, dass sie die Termine ausschließlich nach organisatorischen Gesichtspunkten vergibt. „Wir haben keinen Tag für Frauen, keinen für Ausländer, für Kurden oder Türken. Bei uns geht es nach Bedürftigkeit.“

Auch sie kenne die jungen Männer, die in großen Gruppen vor der Tafel ständen. Bei einzelnen Kunden sei ihr der fehlende Respekt gegenüber Frauen aufgefallen. „Sie wollten sich von mir nichts sagen lassen und haben nach meinem Chef verlangt“, erinnert sich Naujok. Aber schnell habe sie ihnen klar gemacht, dass sie hier die Verantwortung trage. Diese Zwischenfälle seien vereinzelt zu Beginn vorgekommen und seitdem nicht wieder. „Wenn sich jemand nicht respektvoll verhält und sich daneben benimmt, führe ich ein Gespräch mit ihm, und nach zwei Verwarnungen darf er nicht wiederkommen“, sagt die Leiterin. Dieser Fall sei bisher einmal eingetreten - bei einer deutschen Frau.

Kisten ohne Schweinefleisch

Durch die vielen muslimischen Kunden habe sich aber doch etwas verändert. Bevor von montags bis donnerstags die Ausgabe um 14 Uhr öffnet, packen Ehrenamtliche die Kisten vor. In jedem Korb landet ein Joghurt, Salat und was sonst gerade zur Verfügung steht. Es gibt blaue Kisten für Singles, größere grüne für Paare und rote für Familien mit Kindern. Und dazwischen sind vereinzelt Kisten jeder Farbe mit kleinen gelben Schleifen versehen. „Wenn eine Schleife dran hängt, ist der Inhalt ohne Schweinefleisch“, erklärt Naujok.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN