„Falscher Dünger hilft nicht“ Stadt Papenburg appelliert an Gartenbesitzer

Von Gerd Schade

Naturbelassen sah die Kanalböschung am Mittelkanal in Papenburg im Jahr 2016 aus. Als Musterstrecke war sie seit 2014 nur noch einmal im Jahr gemäht worden. Foto: Gerd SchadeNaturbelassen sah die Kanalböschung am Mittelkanal in Papenburg im Jahr 2016 aus. Als Musterstrecke war sie seit 2014 nur noch einmal im Jahr gemäht worden. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Weniger Düngemitteleinsatz, mehr naturnahe Gärten – mithilfe lokaler Naturschutzgruppen wirbt die Stadt Papenburg vor allem bei privaten Gartenbesitzern und Gewächshausinhabern um eine Reduzierung des Nitrateintrags ins öffentliche Gewässersystem. Bei den Mitgliedern des Bau- und Umweltausschusses stießen die Bemühungen in der vergangenen Sitzung auf volle Zustimmung.

Stadtbaurat Jürgen Rautenberg räumte ein, dass es bei der Öffentlichkeitsarbeit zur ökologisch nachhaltigen Gartenpflege noch deutlich Luft nach oben gebe. „Wir wollen an Eigenheimnutzer appellieren, mehr auf naturnahe Gärten zu setzen und weniger Düngemittel zu verwenden, um den Nitrateintrag ins Oberflächenwasser und damit auch in die Kanäle zu verringern“, sagte Rautenberg. Nach seinen Worten sollen die Bürger motiviert werden, dazu einen eigenen Beitrag zu leisten.

„Kanäle wichtig, aber auch ein Kostenfaktor“

Der öffentliche Appell ist eine Folge der Diskussion um das Unterhaltungskonzept der Kanäle. Politisch umstritten war dabei in der Vergangenheit immer wieder die Häufigkeit des Mähens der Kanalböschungen. Rautenberg betonte, dass die Kanäle für Papenburg gestalterisch wichtig, aber ein Kostenfaktor seien. „Die Unterhaltung frisst jedes Jahr einige Hunderttausend Euro“, sagte der Stadtbaurat.

Im Rathaus ist derzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Naturnaher Garten“ zu sehen. Konzipiert und zusammengestellt hat sie der Naturschutzarbeitskreis Unterems. Der Arbeitskreis besteht aus Ortsgruppen des Naturschutzbundes, der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems sowie des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland.

Für Bodenanalyse vor Düngung

In der Ausschusssitzung machte der ehemalige Umweltbeauftragte der Stadt, Leo Schwarte, die Problematik des Nitrateintrages deutlich. „Es ist uns ein Herzensanliegen, darauf hinzuweisen, dass der Mensch einen Stickstoff-Überschuss verursacht – und zwar nicht nur durch die Landwirtschaft“, sagte Schwarte. Er forderte, wissenschaftliche Erkenntnisse zu dieser Thematik ernstzunehmen.

An private Gartenbesitzer appellierte Schwarte, vor einer Düngung eine Bodenanalyse vornehmen zu lassen. Das sei in Baumärkten für wenige Euro möglich. „Falscher Dünger hilft dem Boden nicht, im Gegenteil. Das Bodenleben leidet“, so Schwarte. Gemeinsames Ziel aller Bemühungen müsse sein, die Gewässerqualität zu verbessern.

FDP: Ein kleiner Schritt

Markus Schepers (FDP) sprach von einem „kleinen Schritt in die richtige Richtung“, auch wenn im Hinblick auf private Gartenbesitzer nur 10 Prozent der Verursacher (Landwirtschaft: 50 Prozent) angesprochen seien. Ludger Husmann (SPD) warb dafür, finanzielle Anreize für Bodenanalyse zu schaffen. Norbert Kramer (UWG) hielte es für sinnvoll, das Thema verstärkt auch an Schulen zu platzieren.

Grünen-Kritik an CDU

Knut Glöckner (Grüne) beklagte generell eine gewisse Hoffnungslosigkeit, „was Einsicht der Menschen zum Umweltschutz betrifft“. Viele seien zu bequem zur Gartenpflege und setzten beispielsweise auf Steingärten. Der CDU warf Glöckner vor, gegen eine naturnah gestaltete Musterstrecke am Ufer eines Teilstücks des Mittelkanals gewesen zu sein. „Schön, wenn bei euch jetzt ein Umdenken stattgefunden hat.“

CDU regt Wettbewerb zur Blumenschau 2019 an

Zuvor hatte Hermann Wessels (CDU) die Initiative der Stadt und der Umweltschutztruppe ausdrücklich begrüßt. „Nur so können wir vorankommen“, sagte Wessels. Sein Fraktionskollege Friedhelm Führs regte ein Wiederaufleben des Wettbewerbs um den schönsten Naturgarten an. Laufzeit: bis zur geplanten Blumenschau 2019.