Veranstaltung in der HÖB Papenburg: Chancen nachhaltig erzeugter Lebensmittel

Von Katja Daron


kda Papenburg. Über die Marktchancen nachhaltig erzeugter Lebensmittel haben in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte (HÖB) in Papenburg fünf Referenten vor etwa 50 Gästen gesprochen.

Dass die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei, der Einkommen und Arbeitsplätze schaffe, stehe außer Frage. So leitet Thomas Südbeck, Leiter der HÖB, den Akademieabend ein. Während jedoch kleine Betriebe zum Teil an den Rand gedrängt würden, würde kommerzielle Landwirtschaft immer weiter in den Vordergrund rücken, sagt der Diskussionsleiter. Mittlerweile würde die Kritik an Anbau- und Produktionsmethoden immer lauter und die Akzeptanz zu Themen wie Massentierhaltung oder Überdüngung ginge zurück, so Südbeck.

Gute Lebensmittel sind teurer

Bewusst auf bessere Qualität zu setzen sei kostspielig, sagt Referentin Dagmar Kuhr. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Deutscher Hotel- und Gaststättenverband Aschendorf-Hümmling. „Die Kundenbedürfnisse haben sich verändert“, sagt Kuhr. Während die Menschen lange auf Quantität statt Qualität gesetzt hätten, seien sie mittlerweile teilweise dazu bereit, mehr Geld für Essen aus zertifizierter Herstellung zu zahlen.

Gesetze für mehr Nachhaltigkeit

Richtlinien für die Herstellung von tierischen Produkten wünscht sich Ottmar Ilchmann, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Für ihn sei Nachhaltigkeit bloß ein Wort, das erst durch gesetzliche Vorschriften greifbar werde. Ohne diese würde der Wachstumswahn der Landwirte kein Ende finden, sagt Ilchmann. „Der Kunde ist schlecht aufgeklärt und guckt zuerst auf den Preis.“

Regionalität im Fokus

Lebensmittel sollten an Bedeutung gewinnen, meint Kai-Olaf Nehe, Geschäftsführer der Papenburger Marketing GmbH. Er blickt zuversichtlich auf eine Weiterentwicklung in der Lebensmittelproduktion, denn besonders Touristen würden statt auf billige Artikel auf Genuss setzen und hätten großes Interesse an regionalen Produkten.

Regionalität ist Tobias Hartkemeyer besonders wichtig. Er betreibt solidarische, also durch Gemeinschaft getragene, Landwirtschaft in Bramsche im Osnabrücker Land. „30 bis 40 landwirtschaftliche Betriebe schließen täglich in Deutschland“ sagt Hartkemeyer. Bereits in 15 Jahren käme es zum Nullpunkt, wenn nichts verändert werden würde. Auf seinem Hof stehe der Erhalt von Vielfalt im Mittelpunkt.

Dirk Matuszewski, Geschäftsführer der Gartenbauzentrale in Papenburg, sagt, dass eine Veränderung des Marktes bei den Kunden anfangen müsse. Der Handel würde auf Nachfrage der Kundschaft reagieren.